Dem Geschmack auf der Spur …

Am Dienstag, 3. Juli 2018 war die WALDVIERTEL AKADEMIE mir ihrem Viertelfestival-Projekt der Lebens(T)raum Waldviertel im Rathaus Gmünd zu Gast. Nach der Präsentation von Kunst & Kultur in Waidhofen sowie Wirtschaft & Zwettl standen dieses Mal Genuss & Tourismus  im Mittelpunkt.

Die Vielfalt des Waldviertels in den Mittelpunkt rücken. Die Großartigkeit der Region, der Menschen und der Produkte darstellen. Mit diesem Ziel wurde das Projekt Lebens(T)raum Waldviertel konzipiert und es wurde seinem eigenen Anspruch auch bei der Präsentation des dritten Schwerpunktes gerecht. Rund 70 durchsichtige Würfel wurden von Organisationen, Gemeinden, Unternehmen, Initiativen und Ausflugszielen mit ihren Produkten und Objekten bestückt. Ein bunter Mix aus Bekanntem und Neuem, der die Ausstellung trägt. „Die verschiedenen Herangehensweisen, Grundmaterialien und Gestaltungen ergänzen sich ideal und zeigen, wie vielfältig unsere Region ist“, war auch Geschäftsführer Christoph Mayer zufrieden.

Neben der Eröffnung der Ausstellung stand in Gmünd aber auch ein vielfältiges Programm im Mittelpunkt. Tomatenkaiser Erich Stekovics war in die Bezirkshauptstadt gekommen, um über sein Unternehmen zu sprechen. Der studierte Theologe begann 2011 mit 2 Hektar Paprika und Chili und bewirtschaftet mittlerweile 60 Hektar, auf denen er 7.000 verschiedene Sorten Gemüse pflanzt, vermehrt und erntet. „Wir haben drei Prinzipien“, so Stekovics, „Geschmack, Geschmack und Geschmack. Sonst haben wir keinen Ansatz, wie wir Obst und Gemüse anbauen.“ Mit seinen Produkten ist Stekovics weltberühmt geworden, mehr als 30.000 Besucherinnen und Besucher verzeichnet das Unternehmen und ist somit auch ein wichtiger Tourismusfaktor. „Ich bin gerne Landwirt“, so der Tomatenkaiser abschließend, „die Produkte der Natur sind Geschenke Gottes, die wir uns in Wahrheit nicht verdient haben.“

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Tomatenkaiser Erich Stekovics (Copyright: Stekovics)

Mit Tourismus-Manager Andreas Schwarzinger wurde danach auch die Waldviertel-Komponente dargestellt. „Kulinarik und Genuss sind wichtige Themen“, so Schwarzinger, „unsere Stärke ist der besondere Geschmack der landwirtschaftlichen Produkte.“ Aus diesem Grunde wurde auch die Initiative „Waldviertel – ganz mein Geschmack“ gegründet, anhand derer die Waldviertler Genüsse in zehn Produktgruppen (unter anderem Bier und Erdäpfel) dargestellt werden. „Die Gäste kommen zu uns, um regionale Speisen und Getränke zu konsumieren, viele tolle Betriebe haben zwischen 20.000 und 70.000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr“, so Schwarzinger abschließend.

Vor der eigentlichen Präsentation der Ausstellung wurde dann auch noch das Buch „111 Orte im Waldviertel, die man gesehen haben muss“ von Johanna und Erwin Uhrmann vorgestellt. Die beiden Autoren gaben einen interessanten Einblick in die Auswahl der Themen und Orte. „Wir haben viele kulinarische Highlights und Pioniere getroffen“, so Johanna Uhrmann.

Den Abschluss fand ein besonderer Abend bei Getränken und Brötchen auf Einladung der Stadtgemeinde Gmünd und der Besichtigung der Ausstellung „Genuss(T)raum Waldviertel“, die noch bis 24. Juli im Foyer des Rathauses besichtigbar ist.

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Glückliche Gesichter nach einem gelungen Abend. (Foto: Harald Winkler / Stadtgemeinde GD)
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Fachkräftemangel und Zuwanderung

Gemeinsam mit der Donau-Universität Krems, dem Wirtschaftsforum Waldviertel und der Stadtgemeinde Gmünd lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am 13. Juni in die Wirtschaftskammer Gmünd, um gemeinsam mit den beiden Migrationsforschern Mathias Czaika und Anna Faustmann einer spannenden Frage nachzugehen: Kann hochqualifizierte Zuwanderung eine Antwort auf den Fachkräftemangel sein? 

Bürgermeisterin Helga Rosenmayer nahm schon zu Beginn der Veranstaltung die Bevölkerung mit in die Pflicht: „Wir brauchen ein Miteinander mit den ‚Zuagroasten‘. Uns allen geht es besser, wenn wir uns gegenseitig respektieren.“

Czaika, Leiter des Departments für Migration und Globalisierung an der Donau-Universität Krems, ging zunächst auf die globale Perspektive ein. „Die Wirtschaft boomt, der Fachkräftemangel ist die primäre Herausforderung für Unternehmen im Jahr 2018“, so Czaika, „jedes dritte Unternehmen in Österreich plant zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, aber 56 Prozent beklagen bereits Umsatzeinbußen aufgrund des Fachkräftemangels.“ Kann Zuwanderung also die Lösung sein? „Arbeitsmigration können nur eine Option zur Meidung von Engpässen sein“, so Czaika weiter, „auch Erhöhung der Löhne bzw. der Ausbau von Mobilität, Vermittlung und Ausbildung direkt in Österreich müssen angedacht werden, um diese Mängel zu beseitigen.“ Bei der hochqualifizierten Zuwanderung gehe es aber nicht nur um die Beseitigung des Fachkräftemangels, man müsse viel weiter denken: Humankapital als Ressource für die Wissensökonomie, Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft, Wirtschaftswachstum, demografischer Übergang sowie Sicherung der Sozialsysteme. „Um die Wirksamkeit zu erhöhen, muss die Zuwanderung aber in einer Gesamtstrategie gesehen werden: „Bildung, Soziales, Klima, Lebensqualität und vieles mehr müssen hier mitgedacht werden.“

DSC_0063Anna Faustmann, ebenso Mitarbeiterin am Department für Migration und Globalisierung an der Donau-Universität in Krems, bestätigte dann: „Österreich war immer ein Zuwanderer-Land, denken wir nur an die Gastarbeiter-Regelung.“ Mit Punktesystemen, wie der Rot-Weiß-Rot-Card könne hochqualifizierte Zuwanderung gesteuert werden. „Seit 2011 wurden aber nur 12.000 dieser Karten vergeben“, so Faustmann. Es gehe nicht darum, Personen nur zur Arbeit anzuwerben, sondern um Integration und längerfristigen Verbleib. „Integration ist genauso wichtig, wie das Hier-Sein“, so Faustmann weiter. In weiterer Folge, stellte sie auch ein oberösterreichisches Projekt vor, in dem der Frage nachgegangen wurde, was eine Region für Fachkräfte attraktiv mache. „Die qualifizierte Zuwanderung ist eine Chance für ländliche Gebiete und Unternehmen“, so Faustmann abschließend, „aber dafür braucht es verstärkte Anwerbung sowie regionalpolitische und integrationspolitische Maßnahmen mit Fokus auf weichen Faktoren. Weiters ist auch die Aus- und Weiterbildung vom bis dato ungenützten Fachkräftepotential in Österreich ein wichtiges Thema.“

Das zahlreich gekommene Publikum nutzte die Möglichkeit an den Vortrag, noch intensiv über die Thematik zu diskutieren. „Auch im Waldviertel ist der Fachkräftemangel schon spürbar“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzender Ernst Wurz, „offene Stellen können nicht besetzt werden und somit Aufträge nicht bearbeitet werden. Diese Situation wird sich in den nächsten Jahren noch dramatisch verstärken, das heißt die Waldviertler Betriebe brauchen qualifizierte Zuwanderer. Eine Antwort wäre das Nutzen der derzeitigen Flüchtlinge, hier werden derzeit noch Chancen vertan.“

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Wir leben in interessanten Zeiten …

Unter dem Titel „Sie wissen alles. Wie Big Data und Künstliche Intelligenz unser Leben verändern“ lud die WALDVIERTEL AKADEMIE in Kooperation mit der Donau-Universität Krems am 23. Mai in die Sparkasse Horn zu einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion. 

Helmut Scheidl, Vorstandsdirektor der Sparkasse Horn-Ravelsbach-Kirchberg AG ging bereits bei seinen Grußworten auf das Thema ein: „Datensicherheit ist auch bei uns im Bankenbereich ein großes Thema. Das Wort Datenschutzgrundverordnung kann ja schon bald niemand mehr hören.“

Moderator Jan Stepanek verblüffte danach mit einigen Zahlen: „Weltweit nutzen vier Milliarden Menschen das Internet, die täglich produzierten Daten entsprechen einem Umfang von 2,5 Milliarden Terrabyte.“

Wie es sich jetzt mit der Datenverarbeitung und Künstliche Intelligenz verhält, verriet danach Informatiker Stefan Woltran von der TU Wien. „Es steckt nicht wirklich Intelligenz, wie wir sie kennen, dahinter“, so der Wissenschafter, „alle Programme sind sehr spezialisiert und können für keine andere Problemlösung als gedacht eingesetzt werden.“ Von den Anfängen der Künstlichen Intelligenz, wie zum Beispiel ein Schachcomputer, bis heute sei dennoch sehr viel ermöglicht worden. „Ich sehe keine unmittelbare Gefahr für die Zukunft“, so Woltran, ein Wandel, zum Beispiel in der Arbeitswelt, sei aber durch die Digitalisierung natürlich gegeben.

Bürgerrechtler Herbert Gnauer ging danach auf das Thema Datenschutz näher ein. „Die enormen Daten machen es auch, auch in der Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz“, so Gnauer, der auch Beispiele aufzeigte, wo welche Art von Daten gespeichert werden. „Die Vorstellung, dass mehr Überwachung mehr Sicherheit für die Bürger bedeutet, ist irreführend und falsch. Der Bürger wird immer transparenter, die Firmen und Behörden aber nicht, das ist eine Rechtsungleichheit“, kritisierte Gnauer.

„Wichtig ist, dass wir besser mit unseren Daten umgehen“, bestätigte auch Medienexperte Golli Marboe, „aber das Maß aller Dinge ist noch immer die Würde des Menschen.“ Marboe forderte Medien- und Journalismuskompetenzen in den Schulen zu lehren, aber auch in der Erwachsenenbildung zu implementieren. Auch Tageszeitungen wie Österreich und heute wurden von ihm hart kritisiert. „Wir selbst sind die Verursacher unserer Probleme, nicht Facebook, Google und Co. Wir müssen unser eigenes Verhalten ändern. Das Netz ist Teil unseres Lebens, keine Parallelgesellschaft, wir müssen uns dort benehmen, wie auf der Straße“, so Marboe abschließend.

In einer spannenden Diskussion, auch mit dem Publikum, wurden im Anschluss an die Impulsreferate noch viele weitere wichtige Themenpunkte angesprochen. „Ich fürchte mich nicht vor Maschinen, sondern vor Manipulation und Untergrabung der Demokratie“, so Gnauer. Und Woltran ergänzte: „Es müssen viele Sachen neu verhandelt werden. Unter anderem auch: Wie geht man mit neuen Techniken um und wer darf eigentlich was nutzen?“

„Tatsache ist, dass Big Data und Künstliche Intelligenz unser Leben verändern, betroffen sind dabei alle Generationen“, zog Ernst Wurz, Vorsitzender der WALDVIERTEL AKADEMIE, Resümee nach der engagierten Diskussion in Horn.

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Die Welt zwischen Fakt und Fake

Im Rahmen des Jahresschwerpunktes „Woran glauben wir noch? Unsere Sehnsucht nach Wahrheit, Vertrauen und Sicherheit“ lud die WALDVIERTEL AKADEMIE in Kooperation mit der Donau-Universität Krems am 17. Mai in die Raiffeisenbank Zwettl zur Buchpräsentation „Wirklich wahr! Die Welt zwischen Fakt und Fake“ mit Autor Simon Hadler.

Hadler, selbst Journalist und seit 1999 bei ORF.at tätig, publizierte 2015 das Buch „Faktencheck Asyl“. Bei der Recherche dafür befasste er sich immer intensiver mit dem Thema „Fake News“, sodass „Wirklich wahr! Die Welt zwischen Fakt und Fake“ für ihn die logische Fortsetzung war. „Ich hatte das Gefühlt, mit dieser Thematik noch nicht fertig zu sein“, so Hadler.

In einem interessanten, spannenden und unterhaltsamen Vortrag stellte Hadler sein Buch und die Inhalte vor. Dabei standen nicht nur Fake News, Alernative Facts und Donald Trump im Mittelpunkt, sondern auch einige der wunderbar gestalteten Statistiken. „Fake News – allerdings unter anderen Begriffen – gibt es schon lange“, so Hadler, „Trump hat den Begriff allerdings in Mode gebracht. Er behauptet sogar, den Begriff erfunden zu haben.“ Das sei allerdings nur eine der vielen öffentlichen Lügen des amerikanischen Präsidenten. „Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass Trump sechs Mal täglich öffentliche Lügen erzählt.“ Über Trump führten Hadlers Aussagen auch zu den Medien, die in Zeiten wirtschaftlichen Drucks oftmals Effekt-Hascherei und reißerische Schlagzeilen anstelle von Fakten in den Mittelpunkt stellen. Gleichzeitig plädierte Hadler dafür, die Gesellschaft zu kritischen Leserinnen und Lesern zu erziehen. „Ich fordere ein verpflichtendes Fach Medienkunde“, sieht der Autor auch einen Ausweg. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, so Hadler, „Fake News ist kein Problem, das wir kurzfristig lösen können.“

Fakten und Statistiken seien hart und biegsam zugleich, logisch und absurd, sinnstiftend und sinnlos. Dies zeigte Hadler auch anhand einiger Beispiele aus dem Buch auf. Raucherstatistiken, Medienförderung und vieles mehr waren Themen, die in der anschließenden Diskussion auch vom Publikum angesprochen wurden und so für einen interessanten Abschluss eines gelungenen Abends sorgten.

„Wir brauchen kritische Leserinnen und Leser, aber natürlich auch Eigenverantwortung in der Gesellschaft, um Schlagzeilen zu überprüfen und die Wahrheit von Behauptungen zu unterscheiden“, so Geschäftsführer Christoph Mayer, „Dank Simon Hadler war auch diese Veranstaltung war ein Schritt in diese Richtung.“

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Kunst & Kultur im Mittelpunkt

Am Dienstag, 15. Mai 2018 feierte das Viertelfestival-Projekt der WALDVIERTEL AKADEMIE Lebens(T)raum Waldviertel seine Premiere. Der erste Themenschwerpunkt Kunst & Kultur wurde unter großem Interesse in Waidhofen/Thaya präsentiert.

Die Vielfalt des Waldviertels in den Mittelpunkt rücken. Die Großartigkeit der Region, der Menschen und der Produkte darstellen. Mit diesem Ziel wurde das Projekt Lebens(T)raum Waldviertel konzipiert und es wurde seinem eigenen Anspruch schon bei der ersten Veranstaltung gerecht.

32693287_1836915923027546_8151237187753476096_oRund 75 durchsichtige Würfel wurden von Künstlerinnen und Künstlern und von Initiativen des Waldviertels mit ihren Kunstwerken und Objekten bestückt. Ein bunter Mix aus Bekanntem und Neuem, der die Ausstellung trägt. „Die verschiedenen Herangehensweisen, Grundmaterialien und Kunstformen ergänzen sich ideal und zeigen, wie vielfältig unsere Region ist“, ist auch Geschäftsführer Christoph Mayer zufrieden.

Viele der Künstlerinnen und Künstler, die am Projekt mitgearbeitet haben, waren auch bei der Präsentation in der Waldviertler Sparkasse in Waidhofen, wo die Ausstellung zu den Geschäftszeiten noch bis 30. Mai besichtigbar ist, dabei und verbrachten mit vielen Interessierten einen spannenden und angenehmen Abend.

Neben der Eröffnung der Ausstellung stand auch ein Expertengespräch im Mittelpunkt. Landeshaupmann a.D. Erwin Pröll und Kulturmanager Thomas Samhaber sprachen mit Mayer über die Bedeutung von Kunst und Kultur in Niederösterreich und im Waldviertel. Dabei wurde ein weites Themenspektrum abgedeckt, um am Schluss aber klarzustellen: Der Schlüssel sind die Menschen.“

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Foto: Andreas Biedermann

Bereits am 5. Juni wird in der Waldviertler Sparkasse in Zwettl ab 19 Uhr der nächste Themenschwerpunkt präsentiert. Hierbei stehen „Wirtschaft & Arbeit“ im Mittelpunkt, am dazugehörigen Gespräch werden Wolfgang Mazal, Renate Scheichelbauer-Schuster und Christof Kastner teilnehmen. Nähere Informationen finden Sie auch hier.

Digitalisierung als Chance für Probleme

In Kooperation mit der IMC FH Krems, der Donau-Universität Krems und dem Wirtschaftsforum Waldviertel lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am 17. April 2018 in die BHAK/BHAS Waidhofen zum Vortrag „Digitalisierung! Wie sie unser Leben beeinflussen wird“.

Das Interesse an den Ausführungen von Roger Hage, Studiengangsleiter „Digital Business Innovation & Transformation“ an der IMC FH Krems war sehr groß. Einleitend berichtete Martina Dorfinger, Bildungsberaterin an der BHAK/BHAS Waidhofen/Thaya, über die neuen Wirtschaftsakademien Waldviertel und den Waidhofen-Schwerpunkt „digBiz“. „Unsere Schüler lernen Wirtschaft zu verstehen“, so Dorfinger, „wir bieten eine Kombination aus technischer und wirtschaftlicher Ausbildung.“

WT„Es gibt sehr viel Hype und Übertreibung beim Thema Digitalisierung“, so Hage, der aber auch klarstellte: „Die Digitalisierung bietet mehr Chancen als Herausforderungen“. Der Experte klärte auch über die Digitale Transformation auf, die aus dem Homo Digitalis, den Gamechangern und der dazugehörigen Technologie bestehe. „Die digitale Transformation ist nicht mehr zu stoppen, weil wir es so wollen“, so Hage. Durch die Digitalisierung entstehen auch neue Geschäftsmodelle, die bewährte Systeme auf den Kopf stellen, wie zum Beispiel airBnB oder Uber.

Ein wichtiger Bestandteil der Digitalisierung seien auch das Internet of Things und Künstliche Intelligenz. „Es passiert alles vollautomatisiert. Der Kühlschrank kann zum Beispiel direkt Lebensmittel, die zu Ende gehen, im Supermarkt nachbestellen“, so Hage.

Hage selbst sieht die Digitalisierung auch als Chance, große Probleme zu lösen, vor allem im Gesundheitswesen, dem Tourismus und der Landwirtschaft. „Es braucht kreative Menschen, die rational denken können“, so Hage abschließend, „man kann keine neue Sachen erfinden, wenn man keine Fehler macht.“

„Die engagierte Diskussion nach dem Vortrag hat gezeigt, welch zentrales Thema Digitalisierung ist“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzender Ernst Wurz nach der Veranstaltung, „Roger Hage hat aufgezeigt, wie und in welchen Bereichen die Chancen von Arbeitnehmern, Bürgern und Jugendlichen, von Betrieben und Schulen, genutzt werden können.“

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Wie wichtig ist Religion für uns?

Gemeinsam mit der Donau-Universität Krems und der VHS Krems lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am 10. April in das Audimax zu einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion. Gregor Henckel-Donnersmarck, Niko Alm und Franz Schmatz gingen der Frage „Wie wichtig ist Religion für uns?“ nach.

DSC_0306Christian Hanus, Dekan der Fakultät für Bildung, Kunst und Architektur ging bereits in seiner Begrüßung auf die Thematik ein: „Die Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt uns alle und ist somit auch ein wichtiges Thema für die Donau-Universität.“ Wie wichtig und spannend Glaube und Religion sind, zeigte sich danach in einer unterhaltsamen und kontroversiellen Podiumsdiskussion. Franz Schmatz, Theologe, Psychotherapeut und Sterbebegleiter, näherte sich der Fragestellung von der spirituellen und meditativen Seite. „Jeder Mensch ist auf der Suche nach der Mitte, egal, die diese dann aussieht“, so Schmatz, „ich glaube dass jeder Mensch an etwas glaubt. Glaube bedeutet ja, dass mein Herz an etwas hängt.“ Dabei beeindruckte Schmatz auch mit seiner persönlichen Geschichte und Tätigkeit: „Ich würde nicht anders leben, wenn ich Atheist wäre. Ich erwarte nichts für das gute Tun, ich tu es um des Guten willen.“

Heiligenkreuz-Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck ging gleich zu Beginn auf die Austrittszahlen der Kirche, die auch in der Einladung der WALDVIERTEL AKADEMIE angesprochen wurden, ein. „Es ist nicht die Krise der Kirche, sondern Europas. Und diese reicht bis hin zur Demografie“, so Henckel-Donnersmarck. Die Frage wem wir glauben und warum sei ein zentraler Mittelpunkt, denn: „Wir leben gottseidank in einer Demokratie. Die Demokratie lebt von Werten, die sie sich nicht selbst geben kann. Hier sehe ich eine Chance für den Glauben und das Vertrauen auf dessen Werte.“

Niko Alm, bekannt als Initiator des Österreich-Ablegers der Kirche des Spaghetti-Monsters, sah die Themen Glaube und Religion naturgemäß anders. „Glaube und Überzeugung sind verschiedene Dinge. Ich glaube an keinen Gott. Ich glaube nicht an nicht beweisbare Hypothesen. Ich glaube an die Wissenschaft.“ Menschen, die glauben, würden oft auch in die Irre geführt werden, vor allem in der Alternativmedizin gäbe es genügend Beispiele. „Jede Vorstellung von Gott ist nicht beweisbar. Deshalb heißt es Glaube, weil es eben kein Wissen gibt“, so Alm. Er plädierte vor allem für die Trennung von Kirche und Staat: „Die Religion soll Privatsache werden. Dann kann der Staat nicht mehr entscheiden, welche Glaubensrichtung förderwürdig ist oder nicht und es kann hier keine Diskriminierungen, wer Privilegien erhält und warum, mehr geben“.

Im Anschluss an die Einleitungsstatements entwickelte sich eine hochspannende und interessante Diskussion, in der auch der Ton etwas schärfer wurde. Henckel-Donnersmarck meinte zu Alms Bemühungen, die Pastafaris als offizielle Glaubensrichtung anzuerkennen eine „Verspottung von Andersgläubigen“. Alm selbst konterte: „Wir wurden selbst genug despektierlich – auch von Vertretern der Kirche – behandelt, das müssen wir alle aushalten.“ Einig waren sich die Herren auf dem Podium aber dennoch in einer Sache: Niemand kann und soll zu einem Glauben gezwungen werden. Jeder Mensch müsse selbst entscheiden können.

„Ein würdiger Auftakt zum Jahresschwerpunkt ‚Woran glauben wir noch?‘“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer zufrieden nach der Veranstaltung, „Glaube und Religion sind sehr breite Themen. Wir wollen in gewohnter Manier verschiedene Aspekte aufzeigen und zur Diskussion anregen.“ Dieser Vorgabe wurde in Krems gänzlich erfüllt.

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Historische Gebäude brauchen Nutzung

Die Reihe „Kulturgüterschutz konkret 2018“ der Donau-Universität Krems machte am 6. März in Kooperation mit der WALDVIERTEL AKADEMIE auch im Rathaus Weitra Station. Ein interessanter Abend zu einem äußerst spannenden Thema.

Kulturgüterschutz – ein Themenfeld, dessen nationale wie internationale Bedeutung in den vergangen Jahren exponentiell gestiegen ist. Auch aus diesem Grund hat das Zentrum für Kulturgüterschutz der Donau-Universität Krems die Vortragsreihe „Kulturgüterschutz konkret“ ins Leben gerufen, um für eine breite Vermittlung der Thematik zu sorgen.

Wie sieht der Kulturgüterschutz aber entlang der österreichisch-tschechischen Grenze und in der Region Waldviertel aus? Darüber diskutierte ein hochkarätiges Podium am 6. März im Rathaussaal Weitra. Peter Strasser, Zentrumsleiter an der Donau-Universität, bemerkte schon bei seinen Grußworten: „Grenzen sind für den Kulturgüterschutz ein wichtiges Thema.“ Wobei ihm Christoph Hütterer vom Bundesdenkmalamt zustimmte: „Das Grenznahe ist nicht so wichtig wie das Grenzüberschreitende.“

Moderatorin Katka Krejčova zeigte zu Beginn den Status Quo auf: In Österreich sind über 35.000 Bauwerke im Denkmalverzeichnis eingetragen, rund ein Drittel davon befindet sich in Niederösterreich. In der Tschechischen Republik bestehen über 40.000 unbewegliche Denkmäler.  Bürgermeister Raimund Fuchs zeigte dies auch am Beispiel Weitra auf: „Wir haben 46 denkmalgeschützt Objekte und eine gute Gesprächsbasis mit den Behörden.“ Petra Kroupová vom Nationalen Denkmalinstitut in Prag und Hütterer brachte dem Publikum die Bedeutung von Kulturgüterschutz nahe. Hütterer merkte aber auch an: „Eine bessere Vernetzung von Institutionen und Behörden, auch auf polizeilicher Ebene, wäre wünschenswert.“

Historiker Wolfgang Katzenschlager zeigte die geschichtliche Entwicklung der Stadt Weitra auf – von der Ackerbürgerstadt bis heute. „Mit der Renovierung des Sgraffito-Hauses wurden in den 60er-Jahren bereits wichtige Maßnahmen zum Denkmalschutz gesetzt“, so Katzenschlager, der aber auch mahnte: „Denkmalschutz darf nicht für sich allein isoliert gesehen werden. Es geht um eine Bewusstseinsbildung über die historische Bausubstanz der Stadt, aber vor allem auch um wichtige und zukunftsweisende Maßnahmen. Historische Objekte brauchen auch eine Funktion.“ Dalibor Štys von der Südböhmischen Universität Budweis sprach von den Erfahrungen auf tschechischer Seite in Gratzen/Nové Hrady: „Wir haben eine hohe Dichte an Denkmälern, haben aber auch noch viel zu tun, um wieder eine Märchenstadt zu werden. Wichtig ist es, Nutzungskonzepte für Denkmäler zu erstellen.“

In diese Richtung entwickelte sich danach auch eine spannende Diskussion mit dem Publikum. „Es hilft nichts, wenn wir die schönsten Denkmäler haben, diese aber verfallen, weil wir keine Nutzung haben“, so Hütterer abschließend.

„Mit dieser Veranstaltung ist die WALDVIERTEL AKADEMIE nicht nur ihrer grenzüberschreitenden Kompetenz gefolgt, sondern hat auch ein immer wichtiger werdendes Thema aufgegriffen, welches in der Diskussion bis hin zu Revitalisierungen und Stadtkernnutzung geführt hat“, so Geschäftsführer Christoph Mayer, „das Rathaus Weitra ist ja ein wunderbares Beispiel für eine perfekte Nutzung eines historischen Gebäudes. Die Kooperation mit der Stadtgemeinde Weitra ist hierfür beispielgebend.“

Das Potential der Menschen fördern

„Kommunale Intelligenz stärken“ war der Titel einer Kooperationsveranstaltung von WerteVollLeben, der WALDVIERTEL AKADEMIE und weiteren Partnern, die am 1. März 2018 Nachhaltigkeits-Pionier Karl Sieghartsleitner in den Waidhofner Stadtsaal brachte. Das Interesse war groß, über 150 Personen waren gekommen.

 „Wir wollen die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zukunftsfähig gestalten, damit die Menschen aufblühen“, so WerteVollLeben-Gründer Günter Peham zu Beginn der Veranstaltung. Die WerteVollLeben-Gruppe Waldviertel, bei der viele bekannte Unternehmer-Persönlichkeiten Teil sind, will hierfür Lösungen suchen und diskutieren, der Vortrag mit Karl Sieghartsleitner war ein erster Ansatz dazu.

Doris Wanko Karl Sieghartsleitner 2Bevor der ehemalige Steinbacher-Bürgermeister die Bühne betrat, wurden aber noch zwei spannende Projekte aus dem Waldviertel vorgestellt. „Es gibt ja bereits tolle Sachen, diese wollen wir auch zeigen“, so Peham, „die Haltung, die wir Menschen jetzt haben, wird darüber bestimmen, wie die Zukunft aussieht.“. Ernst Wurz, Vorsitzender der WALDVIERTEL AKADEMIE, stellte das Konzept der neuen WirtschaftsAkademie Waldviertel und den vier zukünftigen HAK-Schwerpunkten im Waldviertel vor. Martin Bruckner, Bürgermeister aus Großschönau, und der Geschäftsführer der Energieagentur der Regionen Otmar Schlager sprachen danach über den Energiepakt Waldviertel 2013 mit dem Ziel 2030 in der Jahresbilanz energieautark zu sein.

Karl Sieghartsleitner, der als Bürgermeister den so genannten „Steinbacher Weg“ konzipierte, erzählt im Anschluss über dieses Projekt und seine Erfahrungen. Dabei durfte auch eine kleine Waldviertel-Anekdote nicht fehlen: „Ich habe Adi Kastner kennengelernt, wie wir vor 20 Jahren gemeinsam als kritische Geister beim Club 2 gesessen sind.“ Sieghartsleitner kritisierte danach auch die Vorgehensweise von vielen Politikern, wie Trump & Co.: „Es geht nicht darum, sich neu aufzustellen und neu zu profilieren. Wir müssen auf dem Bestehenden und Erfolgen aufbauen.“

Doris Wanko ReferentengruppeAls Sieghartsleitner 1986 Bürgermeister wurde galt Steinbach als „verlorenes Dorf“. Vom goldenen Steinbach mit der großen Tradition der Messerschmiede war aufgrund des Importes von Billig-Produkten aus Fern-Ost nichts mehr übrig, nach zwanzig Jahren war der Niedergang voll ausgeschöpft. „Von 10 Gasthäusern im Ortskern war kein einziges mehr übrig, auch die weitere Infrastruktur war weg“, so Sieghartsleitner. „in so einer Situation anzufangen, ist ein Geschenk, weil schlechter kann es nicht mehr werden“, sah er aber auch das Positive. Zusammen mit allen politischen Parteien, mit der Wirtschaft und der Bevölkerung wurden eine Zukunftsvision und konkrete Projekte für Steinbach entwickelt. „Wir waren eine der ärmsten Gemeinden, haben die vorhandenen Ressourcen zusammengesucht und daraus etwas entwickelt. So wurden wir vom verfallenen Dorf zum Aushängeschild. Am wichtigsten war der Umgang miteinander.“, so Sieghartsleitner. Wertschätzung und Potentialentfaltung sind für den Visionär die wichtigsten Schlagworte für die heutige Zeit: „Was glauben Sie, was in unseren Dörfern noch alles schlummert? Wir haben noch viel zu wenig gemacht, um die Fähigkeiten der Menschen zu fördern und fordern. Kommunale Intelligenz ist, wenn Menschen zusammenhelfen, das Schicksal anderer zu lösen.“ Dennoch sieht Sieghartsleitner positiv in die Zukunft: „Wir brauchen verantwortungsvolle Menschen, die die richtige Tätigkeit für ihre Begabungen finden. An allen Ecken der Welt entstehen Dinge, die über das neue Einhalten von Werten nachdenken, so wie hier!“

Wichtig ist, die Hoffnung zu behalten!

Im Frühjahr hat die WALDVIERTEL AKADEMIE mit den Waldviertler Vollmondgesprächen eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Nach dem gelungenen  Auftakt mit Erni Mangold feierte die Serie eine erfolgreiche Fortsetzung: Der ehemalige Skisprung-Trainer Alexander Pointner sprach mit seiner Frau Angela  über ihr gemeinsames Buch „Mut zur Klarheit. Woher die Kraft zum Weitermachen kommt“. 

Mehr als 200 Interessierte waren in den Waidhofner Stadtsaal gekommen, um mehr über die berührende Lebensgeschichte der Familie Pointner zu erfahren. Alexander Pointner, erfolgreichster Trainer in der Skisprung-Geschichte, sprach zunächst über die Entstehungsgeschichte des Buches: „Laura Seifert vom Verlag hat uns immer wieder gefragt. Angi war zunächst gar nicht so glücklich über das Projekt.“ Angela Pointner, selbst Romanautorin, ergänzte: „Es war schwieriger als gedacht, es ist viel hochgekommen.“

„Von einer Sekunde auf die nächste kann das Leben wie ein Kartenhaus zusammenstürzten“, so Alexander Pointner. Zu Beginn sprach er über seine erfolgreiche Sportkarriere. Vom Skispringer zum Co-Trainer, der Enttäuschung nach dem Rücktritt von Toni Innauer nicht selbst zum Chef bestellt worden zu sein, bis hin zu dem erfolgreichen System der „Superadler“. „Der Tag, der unser Leben veränderte“, so lautet das Kapitel auch im Buch, aus dem die beiden an diesem Abend immer wieder Leseproben gaben. „Plötzlich war alles egal, ich hatte keine Gedanken mehr an den Sport“, so Alexander Pointner in der Rückschau auf den Tag, an dem seine Tochter Nina einen Suizidversuch beging, „dann brach eine Lawine über mich herein“, so auch Angela Pointner. Die beiden schilderten die schwierige Zeit, die 13monatige Betreuung ihrer Tochter im Wachkoma und die Zeit nach dem Tod. „Wir haben bemerkt, das sind Aufgaben, die das Leben stellt, die viel schwieriger sind. Und wir wussten, dass die Themen Trauer und Beistand uns und unser Leben bestimmen werden“, so die Pointners. Ihr Buch ist auch ein dramatisches Plädoyer für Offenheit und die Enttabuisierung der Themen Suizid und Depression. „Wichtig ist, dass wir sofort professionelle Hilfe bekommen haben“, so Angela Pointner, die auch meinte: „Die Klarheit in jeder Hinsicht und von allen Personen hat uns sehr geholfen.“ Alexander Pointner ergänzte: „Das Wichtigste war, die Hoffnung zu behalten.“

Der sehr berührende Abend mit zwei äußerst sympathischen Hauptdarstellern auf der Bühne endete mit einer spannenden Publikumsdiskussion, vielen signierten Büchern und entspannten Gesprächen bei einem Glas Wein.

„Die Waldviertler Vollmondgespräche haben sich in diesem Jahr etabliert und aufgezeigt, dass es wichtig ist, auch schwierige Themen in aller Klarheit anzusprechen und zu diskutieren, dafür danken wir natürlich vor allem Angela und Alexander Pointner“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer abschließend.

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