Hologramme, VR & Mikrochips

Im Rahmen der Waldviertler Vorlesungen lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am Donnerstag, 23. Mai gemeinsam mit der Stadtgemeinde Zwettl und der Donau-Universität Krems zum Vortrag „Die Zukunft der Einnerung“ in den Saal der Waldviertler Sparkasse Zwettl ein.

Edith Blaschitz von der Donau-Universität Krems stellte zunächst die Definition von Erinnerung in den Mittelpunkt: „Es ist das, was man von einem in der Vergangenheit im Bewusstsein hat. Das können Gerüche, Bilder oder andere Dinge sein. Das ist natürlich sehr selektiv, vieles verblasst.“ Dafür gebe es aber Hilfsmittel, wie Fotos, Tagebücher oder Filme. Auch Medien der Erinnerung stehen im Fokus: Bibliotheken, Museen, Literatur, Fotografien oder auch das Internet. „Erinnerung ist aber nicht nur individuell wichtig, sondern auch gesellschaftlich“, so Blaschitz.

In der Historie der Erinnerung gab es durchaus Probleme. „Wer finanziell nicht potent war, hatte keine bildliche Erinnerung an sein früheres Ich“, so Blaschitz zu Portraitmalern aus der Vergangenheit. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die Fotografie im Atelier und damit verbunden die Fotoalben in Mode. „Heute dokumentieren wir unser Leben sehr ausführlich“, so Blaschitz. Aber auch die Vergangenheit spiele eine große Rolle: „Topotheken und Archive boomen.“

Wie die Zukunft der Erinnerung aussehe, lasse sich heute noch nicht konkret sagen. „Vieles ist möglich, was kommt, wissen wir aber nicht“, so Blaschitz weiter. Aktuell arbeiten viele Unternehmen und Apps mit Virtual und Augmented Reality, um an vergangene und historische Ereignisse zu erinnern. Mittels Hologramme werden zum Beispiel in Amsterdam Zeitzeugen „konserviert“, um Schulen auch in Zukunft einen Dialog mit Holocaust-Überlebenden zu ermöglichen. 

Mikrochips in den Augen, um sich an Vergangenes erinnern zu können, wie zum Beispiel in der Serie „Black Mirror“, sieht Blaschitz in naher Zukunft noch nicht. „Aber es ist natürlich eine reizvolle Vorstellung, die auch Schattenseiten – Stichwort Überwachung – hat. Science-Fiction sagt aber viel über unsere Wünsche, Erwartungen und Befürchtungen in der Gegenwart aus.“

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„Ich würde alles wieder so machen!“

In Kooperation mit der Kultur.Region.Niederösterreich lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am Dienstag, 21. Mai in die Raiffeisenbank Waidhofen/Thaya. Landeshauptmann aD Erwin Pröll und der Journalist Herbert Lackner waren zu Gast, um anlässlich der Neu-Erscheinung des Buches „Zwei Lebenswege – Eine Debatte. Peter Turrini & Erwin Pröll“ über das Buch und das Leben von Pröll zu sprechen.

Ist das das einzige Mikrofon im Saal?

Erwin Pröll rückte die aktuellen Geschehnisse schon zu Beginn in den Mittelpunkt.

Aufgrund der aktuellen politischen Ereignisse in Österreich stand der Abend natürlich unter einem besonderen Vorzeichen und nicht immer die Publikation im Zentrum des Geschehens. „Es wird niemand gezwungen, in die Politik zu gehen, man hat hier eine besondere Verantwortung“, so Pröll, „ich bin kein Obermoralist, aber es gibt Normen, von denen man weiß, dass man sie einhalten muss.“ Pröll bezog sich dabei auch auf seinen christlichen Glauben: „Niemand von uns ist unfehlbar, aber jemanden, der sich an den zehn Geboten orientiert, dem kann so etwas nicht passieren. Diese gaben jahrhundertelange Orientierung, die auch in Zukunft helfen wird.“ Auf die Frage, was sich Pröll gedacht habe, als er von der Ibiza-Affäre gehört habe, meinte dieser: „Es war ein Kopfschütteln und Wundern. Wir waren gerade am Heimweg aus dem Urlaub.“ Herbert Lackner ging dann noch einen Schritt weiter: „Es ist das dritte Mal, dass die FPÖ in der Regierung ist und sich das dritte Mal von selbst in die Luft sprengt – können sie es einfach nicht?“ Pröll dazu: „Ich empfinde diese Frage als Frechheit. Und zwar deshalb, weil du selbst weißt, dass sich die FPÖ mit diesem Video die eigene Antwort gegeben hat. Ich habe kein Verständnis dafür, was Strache und Gudenus getan haben. Aber in Straches Haut möchte ich nicht stecken, weil es ein politisches und privates Desaster ist.“

Im Anschluss wurde aber auch über das Leben von Erwin Pröll gesprochen. Auf die Aussage von Lackner, dass er noch nie in Waidhofen war, erntete dieser nicht nur vereinzelte Buh-Rufe sondern auch eine gewohnt schlagkräftige Antwort von Pröll. „Ich bin zum 524. Mal in Waidhofen. Und hier sitzen einige Personen im Publikum, die mir das Leben sehr schwer gemacht haben – heute kostet das uns ein Lächeln.“ Lackner und Pröll verstanden es tiefe Einblicke in Werdegang, Politik und Zukunft Österreichs zu geben und dies stets auch versehen mit Pointen und gegenseitigen Spitzen.

Der Fall des Eisernen Vorhanges ist uns zugute gekommen.

Erwin Pröll über das Jahr 1989

Pröll sprach über sein Aufwachsen am Land und die empfundene Ungerechtigkeit von Stadt und Dorf. Das Jahr 1989 sei schicksalsweisend gewesen: „Der liebe Gott hat es gut mit uns gemeint, es hätte eine sonst viel schlechtere Ausgangsposition für Niederösterreich gegeben.“ Dennoch sehe er nicht nur eine rosige Zukunft: „Wenn Europa eine Friedensgemeinschaft sein will, dann muss Europa zusammenwachsen.“

Großes Interesse herrschte im voll besetzten Raiffeisen-Saal.

Nein, Erwin, das ist keine Parteiveranstaltung.

Herbert Lackner zu Erwin Pröll

Einen spannenden Einblick in das politische und kulturelle Leben bildete den Abschluss der Veranstaltung. Auf die Frage, ob er sich – wie von Journalisten zugeschrieben – mächtig oder mutig gefühlt habe, antwortete Pröll: „Ich dachte du kannst deklinieren? Tapfer, mutig, Erwin Pröll.“ Lackner konterte aber sofort und erntete dafür schallendes Gelächter: „Nein, Erwin, das ist keine Parteiveranstaltung.“ Schon nach der ersten geschlagenen Wahl mit minus 3,4 Prozent wollte Pröll zurücktreten, auch in der Folge seiner politischen Laufbahn sei er zwei Mal vor dem Rücktritt gestanden. „Ich war psychisch und physisch fertig. Meine Frau hat hier stets eine wesentliche Rolle gespielt, ohne sie wäre alles anders gelaufen.“

Als Dankesgeschenk für einen gelungenen Abend überreichte WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzender Ernst Wurz den beiden Gästen jeweils eine Flasche nørderd – Bio Vodka aus dem Waldviertel mit den Worten: „Aber bitte alleine in einer ruhigen Stunde genießen.“

Glückliche Gesichter nach einem erfolgreichen und spannenden Abend.

Bargeld-Abschaffung? Aktuell keine Gefahr!

Im Rahmen des Veranstaltungszykluses „Grenzen. Erkennen. Verbinden. Überwinden.“ lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am Dienstag, 7. Mai gemeinsam mit der Stadtgemeinde und der Sparkasse Horn zu einer spannenden Diskussion in das Bankinstitut. Dabei stand die Frage „Welt ohne Geld. Wird das Bargeld abgeschafft?“ im Mittelpunkt.

Martin Summer von der Österreichischen Nationalbank gab in seinem Eingangsreferat eine Übersicht über Bargeld und das bargeldlose Zahlen. „Wir haben drei Quellen, die eine Befürchtung der Abschaffung des Bargeldes vorantreiben“, so der Ökonom, „den technologischen Fortschritt, die Schattenwirtschaft und die Geldpolitik der Zentralbanken. Von einem Bestreben der Zentralbanken, das Bargeld abzuschaffen, kann aber keine Rede sein.“ Summer ging auch darauf ein, dass die Rolle des Bargelds, nach wie vor in Österreich das beliebteste Zahlungsmittel, zurückgegangen sei. „Das liegt aber vor allem an der jungen Generation“, so Summer weiter. Die einfache Handhabung für alle Teile der Bevölkerung und die Möglichkeit für anonyme Zahlungen seien die großen Vorteile des Bargeldes. „Es ist robust und hat keine Abhängigkeit von Dritten, Bargeld wird es noch sehr lange geben“, so der Nationalbanker abschließend.

Geld ist nicht gut oder schlecht. Es kommt darauf an, was wir damit machen!

Günter Grzega, Vorstandsvorsitzender a.D. Sparda-Bank München eG

Günter Grzega stellte auch klar, dass wir beides brauchen – Bargeld und unbare Zahlungen. Lauter einer Statistik werden Zahlungen für Waren des täglichen Gebrauchs meist bar bezahlt, „der deutsche Staatsbürger hat im Schnitt 107 Euro in der Geldbörse.“ In weiterer Folge stellte Grzega die Vor- und Nachteile der Zahlungssysteme und Verfechter beider Positionen vor. Der Botschafter der Gemeinwohlökonomie stellte aber auch klar: „Bargeldversorgung kostet Geld, aber Bargeld ist geprägte Freiheit. Ohne Bargeld kann kein Mensch in Würde leben.“

Ich kann mir eine Abschaffung des Bargeldes nicht vorstellen!

Helmut Scheidl, Vorstandsdirektor Sparkasse Horn-Ravelsbach-Kirchberg AG

Helmut Scheidl, Vorstandsdirektor der Sparkasse Horn-Ravelsbach-Kirchberg AG zeigte die Bedeutung des Geldes und der Banken in der Region dar. „Ich kann mir eine Abschaffung des Bargeldes nicht vorstellen“, so Scheidl, der gemeinsam mit seinen Mitdiskutanten auch immer wieder auf den Wert des Geldes für ein Zusammenleben und die Gesellschaft darstellte. Der gläserne Mensch sei die größte Gefahr bei einer möglichen Abschaffung des Bargeldes, man müsse sich hier auch fragen, wem diese Daten Nutzen bringen.

Bei einem Glas Wein nutzten die interessierten Besucherinnen und Besucher, die Diskussionen auch nach dem offiziellen Teil weiterzuführen. „Wir haben heute aufgezeigt, dass es auch in Musterländern wie Schweden – hier machen bargeldlose Transaktionen bereits über 90 % an der Gesamtheit aus – nicht problemlos abläuft“, so Geschäftsführer und Moderator Christoph Mayer, „aus unserer Sicht war es aber auch wichtig, diese Thematik, die in der öffentlichen Diskussion immer wieder im Zentrum steht, aufzugreifen und mögliche Entwicklungen aufzuzeigen.“

Zufriedene Gesichter nach einer spannenden Diskussion!

Wir müssen die Grenzen überwinden

„Grenzen. Erkennen. Verbinden. Überwinden.“ lautet der Jahresschwerpunkt der WALDVIERTEL AKADEMIE im Jahr 2019. Am 25. April war die Kultur- und Bildungsinitiative auch in der Diplomatischen Akademie in Wien zu Gast, um unter großem Interesse, zum Thema „Die Grenzen Europas. Anfang oder Ende einer Erfolgsgeschichte“ zu diskutieren.“

„Die Überwindung von Grenzen ist das Wichtigste“, startete der Direktor der Diplomatischen Akademie, Emil Brix, seine Ausführungen. „Und dafür steht ja auch die WALDVIERTEL AKADEMIE. 1989 und der Fall des Eisernen Vorhangs stehen für Europa. Wir haben damals etwas erreicht, an dem wir weiterarbeiten müssen.“ Der Diplomat merkte auch an, dass in Europa auf eine Spaltung zugegangen wird: „Wir schaffen ständig neue Grenzen. Und so harmlos sind diese nicht, die kulturelle Überwindung von Grenzen hat uns die Erfolgsgeschichte gebracht.“ Europa sei auch kein Kontinent der natürlichen Grenzen, politisch herbei geschriebene Grenzen stünden im Mittelpunkt. Die Zivilgesellschaft ist für Brix ein entscheidender Faktor: „Wir müssen diese Gruppen unterstützen, wenn wir mit den politischen Entwicklungen nicht zufrieden sind.“

„Grenzen nutzen allen, die Angst politisch ausnutzen, so wie in Österreich“, meinte der Politologe Wolfgang Petritsch, der Grenzen an sich nicht viel abgewinnen konnte. „Natürlich muss es Grenzen geben, es muss administrative Grenzen geben. Aber die EU hat eindrucksvoll bewiesen, dass andere Ideen besser sind, als das strikte Festhalten an Nationen.“ Die Devise sei Vielfalt und Offenheit: „Wir sollten uns nicht überlegen ,wie wir Grenzen schützen, sondern wie wir sie überwinden.“

Mit einem flammenden Appell für die Menschlichkeit trat Schauspielerin Katharina Stemberger, die auch Vorsitzende des Integrationshauses Wien ist, auf. Eine Grenze sei eine erdachte Linie und ein Gedankenkonstrukt: „Grenze ist das Zeichen von Angst, ein Symbol des Versagens und die Botschaft des Untergangs.“ Die EU sei eine tolle Errungenschaft, dennoch müsse man sich täglich behaupten, nicht ein- oder ausgesperrt zu werden. Mit Kritik sparte Stemberger auch nicht an den regierenden Politikern: „Glauben Sie nur eine Sekunde, dass Salvini, Orbán oder Kickl den dumpfen Schwachsinn, den sie von sich geben, selbst glauben? Die Terroristen stehen nicht an unseren Grenzen, sondern in unseren Parlamenten.“ Natürlich waren dabei Flüchtlingsbewegungen und Migration Thema. „Es ist gefährlich zu glauben, dass wir mit den Vorgängen vor unseren Grenzen nichts zu tun haben“, so Stemberger.

In weiterer Folge entwickelte sich eine interessante und impulsive Diskussionen, in der auch Nationalstaaten vs. europäische Gemeinschaft oder die Süderweiterung Europas Thema waren. „Wir müssen realistisch sein und das unmögliche fordern und uns vorstellen“, so Petritsch zur Zukunft der Europäischen Gemeinschaft.

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VR: Neugier & Skepsis sind Wegbegleiter

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Waldviertler Vorlesungen lud die WALDVIERTEL AKADEMIE gemeinsam mit dem Wirtschaftsforum Waldviertel und weiteren Partnern am Dienstag, 19. März zu Hartl Haus nach Echsenbach, um einem spannenden Zukunftsthema auf den Grund zu gehen. Michael Reiner von der IMC FH Krems gab einen interessanten Überblick zu Virtual Reality, Augmented Reality und 360 Grad-Videos.

Reiner zeigte in seinem Vortrag auf, wie Virtual Reality derzeit genutzt wird und welche Problemstellungen und Herausforderungen damit gelöst werden. „Die Systeme gibt es schon seit vierzig oder fünfzig Jahren“, so Reiner, „und VR-Brillen sind mittlerweile ab 30 Euro zu kaufen.“ Vor allem in der Tourismusbranche werde viel mit 360-Grad-Aufnahmen gearbeitet, um den zukünftigen Besuchern einen Einblick in das Urlaubsziel und Regionen zu geben.

Virtual Reality spiele mittlerweile auch im Verkauf und für Unternehmen eine wichtige Rolle. „IKEA und Audi nutzen diese Systeme sehr stark, um aufzuzeigen, wie die zukünftige Einrichtung oder das nächste Auto tatsächlich aussehen“, so Reiner weiter. Auch im medizinischen Bereich (von der Angstbekämpfung bis hin zu Operationen) und in der Physiotherapie werde VR vermehrt eingesetzt. „Da gibt es natürlich auch Horrorszenarien, wo Ärzte bei Operationen überhaupt nicht mehr im Raum sind“, so Reiner weiter, „technisch wird es kaum Grenzen geben, es geht beim Einsatz von Virtual Reality aber auch ganz stark um Ethik. Muss ich alles machen, nur weil es möglich ist? Nein.“

Zum Abschluss präsentierte Reiner sein ‚Herzstück‘, das eVRyLab an der IMC FH Krems. Diese hochmoderne VR-Station wird für das Studium und die Forschung eingesetzt, in Europa existieren nur vier Stück von der über 150.000 Euro teuren Anlage. „Noch ist nicht klar, wohin die Reise von Virtual Reality geht“, so Reiner abschließend.

„Neugier und Skepsis sind unsere Wegbegleiter“, so Philipp Müller, der bei Hartl Haus das Marketing leitet. Er gab im Anschluss an den Reiner-Vortrag einen Einblick in die Virtual Reality-Tätigkeiten von Hartl Haus. Dazu wurde eine VR-Station aufgebaut, die es ermöglichte, durch ein Musterhaus zu spazieren, sich in den Räumen umzusehen und auch die Einrichtung sowie das Wetter und den Lichteinfall zu ändern. „Es geht darum, ein räumliches Verständnis für die Kunden zu schaffen und auch zu zeigen, wie die natürliche und künstliche Beleuchtung zu verschiedenen Tageszeiten aussieht“, so Müller weiter. Derzeit wird Virtual Reality noch nicht für die Kunden angeboten, da die ersten Tests aber sehr zufrieden gelaufen sind, könnte dies in einem Jahr Realität werden. „Die Kundennachfrage ist auf jeden Fall da“, so Müller abschließend.

„Das große Interesse bei dieser äußerst spannenden Veranstaltung zeigt, dass Virtual Reality auch in der Gesellschaft ein Thema ist“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer, „kaum ein Bereich unseres Lebens wird davon nicht betroffen sein. Neben den großartigen Möglichkeiten birgt die Thematik aber auch gewisse Gefahren, die genau im Auge behalten werden müssen.“

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Wachstum oder Schrumpfung?

Gemeinsam mit der Donau-Universität Krems, der VHS Krems und weiteren Partnern lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am 18. März in das Audimax der Weiterbildungsuniversität zu einer äußerst spannenden Diskussion: „Grenzenloses Wachstum. Bedrohung oder Chance für die Wirtschaft“ stand dabei auf dem Programm.

Dabei konnte die WALDVIERTEL AKADEMIE nicht nur eine Vielzahl an interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern, sondern vor allem auch hochkarätige Referenten begrüßen. Mit dem deutschen Nachhaltigkeitsforscher Niko Paech war einer der renommiertesten Wachstumskritiker zu Gast, der im Rahmen seiner Ausführungen auch das Modell der Postwachstumsökonomie vorstellte. Die drastische Reduktion in der Produktion und die Stärkung der ökonomischen (Selbst-)Versorgung stehen dabei im Mittelpunkt, das Ausschalten der Wachstumstreiber sei eine zentrale Aufgabe dafür. Auch die Arbeitszeit sollte umverteilt werden: Neben zwanzig Stunden monetärer Arbeit treten zwanzig Stunden entkommerzialisierte Stunden, die für Ehrenamt, die Gemeinschaft und die Eigenproduktion verwendet werden. Für Paech ist klar, dass es so nicht weiter gehen kann: „Eine Änderung des Systems ist unabdingbar, die Frage wird nur sein, wird es by design oder by desaster passieren.“

Naturgemäß anders sah die Sache der Direktor der Wirtschaftskammer Niederösterreich Johannes Schedlbauer. „Ich glaube Ihnen nicht so recht, Herr Paech“, begann Schedlbauer seine Ausführungen und stellte den geforderten Wachstumsstopp bzw. die Reduktion in Frage. „Wachstum bringt Sicherheit und schafft Arbeitsplätze“, so Schedlbauer weiter, der auch die Finanzierung der Sozialausgaben mit notwendigem Wachstum in Verbindung brachte. Es stelle sich auch die Frage, ob Wachstum immer ressourcenverbrauchend sei, so der Wirtschaftskammer-Direktor, der vor allem auch für gleiche Voraussetzungen im internationalen Wettbewerb plädierte.

DSC_0092Donau Universität-Dekan Christian Hanus brachte in die Diskussion auch die bauökonomische Komponente ins Spiel. „Während die Bodenversiegelung weiter vorangetrieben wird, gibt es gleichzeitig so viele Brachflächen wie nie“, so Hanus, der auch konkrete Sanierungsbeispiele aufzeigte.

Nach den einleitenden Impulsen der Referenten entwickelte sich eine angeregte und spannende Diskussion, in der ökologische und soziale Faktoren im Mittelpunkt standen und die auch noch bei einem Glas Wein fortgeführt wurden. Wo unsere ökologischen Grenzen liegen bzw. wann sie erreicht werden oder gar schon überschritten wurden, darüber herrschte naturgemäß keine Einigkeit.

„Mit dieser Veranstaltung haben wir wieder ein sehr aktuelles und brennendes Thema, die Diskussionen haben es ja gezeigt, aufgegriffen und in den Mittelpunkt gestellt“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer zufrieden.

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Humorvoller Abend mit Ursula Strauss

Vor drei Jahren hat die WALDVIERTEL AKADEMIE die Reihe „Waldviertler Vollmondgespräche“ ins Leben gerufen. Bei dieser Serie erzählen Persönlichkeiten aus und über ihr Leben. Am 18. Februar war die bekannte Schauspielerin Ursula Strauss in Waidhofen/Thaya zu Gast.

 Rund 200 Interessierte ließen es sich nicht nehmen, Strauss, die auch ihr neues Buch „Warum ich nicht mehr fliegen kann und wie ich gegen Zwerge kämpfte“ und ihre Mitautorin Doris Priesching mit im Gepäck hatte, im Waidhofner Stadtsaal zu lauschen. Die beiden Damen wussten von Beginn weg, das Publikum zu unterhalten, gaben intime Einblicke in das Leben des Schauspielstars und sorgten mit ihrer humorvollen Art für viele Lacher im Saal.

Vollmondgespraeche_Straus_17Das Buch sei in drei Kapitel untergliedert, so Priesching, in „wie ich wurde“, „was ich bin“ und „was soll das?“. Auf die Frage „Wie wurdest du?“ hatte Straus sogleich eine Antwort parat: „In Italien am Strand haben meine Eltern gesagt, aber das ist e okay.“ Das Buch sollte aber keinesfalls als Biografie angesehen werden, immerhin „werde ich heuer 45 und hoffe, dass noch etwas kommt“, so Strauss weiter.

Die Schauspielerin sprach über das Kennenlernen ihrer Eltern und ihre Familiengeschichte, über ihre Hasen, die Erstkommunion, Beichte, die Schauspielschule, ihren Beruf und vieles mehr. „Ich bin sehr dankbar, mit einem Beruf überleben zu können, der mir so Spaß macht“, so Strauss, „aber natürlich muss man auch sehr fit sein, mit Kritik umgehen lernen und Öffentlichkeit ist natürlich auch nicht unanstrengend.“  Für Strauss war von Beginn an klar, dass sie Schauspielerin werden wollte, dennoch absolvierte sie zunächst die Kindergartenschule, „weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass die kleine Uschi aus Pöchlarn die Bühne erobert.“ Tat sie dann aber doch und das sehr erfolgreich und mit vielen Preisen gekrönt. „Es gibt im Leben kein Rezept, dem man folgen soll“, so Strauss weiter, „jeder muss seinen Weg gehen und seinem Gefühl vertrauen.“

Auch zu aktuellen gesellschaftspolitischen Herausforderungen bezog Strauss Stellung. „Ich finde, jeder hat eine Verantwortung in der Gesellschaft. Wir verlernen gerade die Lust am gemeinsamen Austausch, an Reibungen. Das Positionsgestehe ist einfach falsch.“

Im Anschluss an das Gespräch zwischen Priesching und Strauss und einigen Fragen aus dem Publikum standen die beiden Gäste natürlich noch für Bücherwidmungen und Fotos zur Verfügung. Eine Möglichkeit, die von den Teilnehmern zahlreich genützt wurde. „Ein wunderbarer Auftakt in das Veranstaltungsjahr 2019“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer, „wir wollen mit dieser Reihe Inspirationen liefern und bekannte Persönlichkeiten nach ihren Erfolgsrezepten und ihren Lebensweg befragen. Der große Andrang zeigt, dass das Format ein wichtiger Bestandteil unseres Programmes ist.“

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Entscheiden muss Ihr Kind!

„Was will Ihr Kind werden?“ lautet der Titel eines Berufsorientierungsprojektes der WALDVIERTEL AKADEMIE und NÖ Regional GmbH, welches gemeinsam mit vielen Partnern am 12. Februar umgesetzt wurde. Es war gleichzeitig der Abschluss einer zweijährigen Serie mit nun gesamt acht Veranstaltungen.

„Wir wollen den Eltern und Erziehungsberechtigten Orientierung und Unterstützung bieten“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzender Ernst Wurz zur Projektidee, mit der quer durch das Waldviertel getourt wurde.

Erwin Lasslesberger stellte sein Einleitungsreferat unter den Titel „Ein schwieriges Alter. Wie Sie Ihren Sohn/Ihre Tochter am besten unterstützen können.“ Der Erwachsenenbildner ging dabei auf die Eltern-Kind-Beziehung und Möglichkeiten zur Unterstützung bei der Kommunikation ein. „Natürlich stehen die Kinder vor einer wichtigen Weichenstellung, aber diese ist nicht endgültig, also keine Panik“, so Lasslesberger, der auch anmerkte: „Entscheiden muss Ihr Kind.“ Und „Nicht alles dreht sich um die Schule.“

Erich Steindl, Geschäftsführer der Druckerei Janetschek, stellte danach das Unternehmen, die Lehrberufe und das Erfolgsrezept vor. „Ich habe selbst 1990 als Lehrling hier begonnen. Mit unserer Spezialisierung auf umweltfreundliche Druckprodukte schaffen wir regionale Wertschöpfung und sichern so auch Arbeitsplätze im Waldviertel.“ Aktuell beschäftigt das seit 1912 bestehende Unternehmen 53 Mitarbeiter und zwei Lehrlinge. „Die Spaß an der Arbeit steht im Vordergrund“, so Steindl, der aber auch betonte: „Lebenslanges Lernen ist der Schlüssel zum Erfolg.“Eva Gonaus (Wirtschaftskammer Niederösterreich), David Schöfbeck (Arbeiterkammer Niederösterreich) und Brigitta Fida vom Jugendcoaching Waldviertel stellten danach den interessierten Eltern ihre Angebote zur Unterstützung der Jugendlichen und Erziehungsberechtigten vor. „Wichtig ist vor allem, dass es den Kindern Spaß macht, nichts ist in Stein gemeißelt“, so alle Vertreterinnen und Vertreter unisono. Im Mittelpunkt der Angebote steht die Beratung der Jugendlichen in allen Lebenslagen und bei einer möglichen Auswahl von weiteren Bildungs- oder Arbeitsmöglichkeiten.

Lehrlingsinfo_GruppenfotoVizebürgermeisterin Margit Weikartschläger zeigte danach auch die vielfältigen Aktivitäten der NMS Heidenreichstein auf. „Wer eine NMS besucht, kann alles werden“, so Weikartschläger, die auch auf die Wichtigkeit von berufspraktischen Wochen hinwies: „Die Schüler merken, dass der Weg als Lehrling, nicht als Chef, beginnt.“

„Ziel ist und war es, einen Überblick über verschiedene Beratungs- und Informationsmöglichkeiten zu geben, um nicht nur die jungen Menschen, sondern auch die Eltern und Erziehungsberechtigten bei der Berufswahl ihrer Kinder zu unterstützen“, so Ernst Wurz abschließend, „wir danken allen Kooperationspartnern, die mit uns dieses wichtige Projekt umgesetzt haben.“

 

Smart Cities im Mittelpunkt

Auf Einladung des Gymnasiums Waidhofen und in Kooperation mit der WALDVIERTEL AKADEMIE warim Rahmen der Aktion Young Science Ende November Ursula Mollay vom Österreichischen Institut für Raumplanung in Waidhofen zu Gast, um mit den Schülerinnen und Schüler über Smart Cities und Smart Regions zu diskutieren.

Die Referentin wies auf die Notwendigkeit auch eines lokalen Umdenkprozesses in Hinblick auf die globalen Herausforderungen des Klimawandels hin. Auf europäischer Ebene wurden innovative Beispiele aus den Smart-Cities-Modellstädten Kopenhagen, Hamburg, Amsterdam, Wien, Genf und Lyon präsentiert.

Mollay erklärte auch die strategischen Ansatzpunkte, wie beispielsweise Energie, Mobilität, Gebäude, Digitalisierung, zum Smart Cities- bzw. Smart Regions-Konzept. Bereits etablierte Beispiele aus Niederösterreich, Wien und dem Südburgenland machten den Vortrag sehr praxisnah und erfassbar. Mit sehr anschaulichen Grafiken und Cartoons und spannenden Inhalten begeisterte die kompetente Referentin auch die Schülerschaft.

 

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Beziehungen benötigen Zeit

Gemeinsam mit der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Wien/Krems, dem Bildungs- und Heimatwerk St. Bernhard-Frauenhofen, dem Museum Horn und der Stadtgemeinde Horn lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am 24. Oktober zu einem besonderen Vortrag ein: Norbert Scheibenpflug vom Hilfswerk Niederösterreich sprach über die Wichtigkeit und Gestaltung von Beziehungen.

Scheibenpflug spannte dabei einen weiten Bogen, von der Geburt bis hin zum Tod. „Beziehungen verändern uns, wir brauchen sie. Aber wir können Beziehungen auch verändern, damit sie für uns erfüllend sind“, so der Referent zu Beginn seiner Ausführungen. Schon bei der Geburt und als Kind sei man auf vertrauensvolle Beziehungen angewiesen, aber: „Elternwerden und Elternsein sind die größten Herausforderungen des Lebens.“ Kinder brauchen Sicherheit und Zeit, wenngleich dies der größte Mangel unserer Zeit sei. „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf“, so Scheibenpflug, der auch hier auf die Unterstützung und Beziehungen der Eltern hinwies.

In seinem nächsten Schwerpunkt rückte Scheibenpflug die Paarbeziehung in den Mittelpunkt. „In einer Beziehung kann man sich gemeinsam weiterentwickeln, über Grenzen hinauswachsen. Aber auch hierfür benötigt es Zeit.“

„Jeder Todesfall führt mir meine eigene Sterblichkeit vor Augen. Der Tod ist aber Teil des Lebens wie die Geburt. Eine Grenze mit der Frage: Was steckt dahinter?“, so Scheibenpflug, der auch die unterstützende Wirkung von Paarbeziehungen im Alter ansprach. Trauer sei eine gesunde und notwendige Reaktion, in dieser Phase benötige man aber stets Begleitung und Beziehung.

Zum Abschluss appellierte Scheibenpflug auch: „Oft lieben wir Dinge und benutzen die Menschen, dies sollte aber umgekehrt sein.“ Die zahlreich gekommenen Interessierten nutzten im Anschluss die Möglichkeit, mit dem Referenten noch zu diskutieren und in einen intensiveren Austausch zu gehen.

Christoph Mayer, Geschäftsführer der WALDVIERTEL AKADEMIE, war mit dem Abend vollends zufrieden: „Beziehungen sind der wesentliche Bestandteil des Lebens, hierfür muss man sich Zeit nehmen und noch mehr Bewusstsein schaffen. Die Ausführungen von Norbert Scheibenpflug haben gezeigt, wie wichtig Beziehungen für die Entwicklung eines jeden Menschen sind.“

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Zufriedene Gesichter nach einem spannenden Abend. (Foto: Museum Horn)