Wir müssen selbst aktiv werden!

“Social Media. Nutzen oder Gefahr?” war der Titel einer Veranstaltung der WALDVIERTEL AKADEMIE, die am 22. Mai in der Raiffeisenbank Waidhofen/Thaya über die Bühne ging. Unter großem Interesse diskutierten der Berliner Internetsoziologe Stephan Humer, die Journalistin Ingrid Brodnig und der ehemalige HAK-Schulsprecher Jakob Müssauer.

 Raiffeisen-Direktor Kurt Bogg führte bei seiner Begrüßung auch kurz in das Thema ein: “Alles verfolgt uns, alles hat seine Vor- und Nachteile. Aber wie sicher sind unsere Daten? Wie wirkt es sich auf unsere Versicherung aus, wenn unsere Fitnessdaten dort landen?”

“Unser Leben hat sich sehr stark verändert”, auf diese Aussage einigten sich die Expertinnen und Experten bereits vor der Diskussion. Ingrid Brodnig, Journalistin und Autorin des Buches “Hass im Netz” zeigte zu Beginn einige Besorgnis erregende Entwicklungen im Umgang mit dem Internet (“Shitstorm”, Bedrohungen und vieles mehr) auf. “Die meisten Leute würden das nicht okay finden, hier zu schreiben, man brauche sich nicht wundern, wenn ihren Kindern etwas passiert”, so Brodnig zu einem Bedrohungsszenario. Die “Entfremdung des Internets” könne positiv sein, aber auch negativ, “wenn Menschen ihre dunkelsten Seiten ausleben”. Brodnig appellierte aber auch dafür, bei den Plattformen Verantwortung einzufordern und sich auch selbst zu engagieren: “Jeder Einzelne kann etwas machen und Umgangsformen einfordern.”

Stephan Humer, Gründer und Forschungsleiter des Arbeitsbereichs Internetsoziologe an der Universität der Freien Künste Berlin stellte im Bezug auf Hasspostings zunächst klar: “Der Schwerpunkt darf nicht im technischen Bereich liegen, sondern es ist eine kulturelle Frage. Am Ende bleibt immer die soziale Komponente über.” Auch Humer appellierte an die Menschen selbst: “Man muss selber aktiv werden, wir sind zivilgesellschaftlich verpflichtet, dagegen zu arbeiten. Wir müssen hier eine aktivere Rolle einnehmen. Wenn Sie die Spielregeln nicht mitbestimmen, dann machen das eben andere.” Humer zeigte auch auf, nicht immer nur die negativen Seiten zu sehen, sondern einen positiveren Umgang mit der Digitalisierung zu pflegen. “Digitalisierung ist eine Kraft, wie auch die Elektrizität, die Sie nicht mehr wegbekommen!”, so Humer abschließend.

DSC_0057Der Waidhofner Jakob Müssauer, zuletzt Schulsprecher an der HAK und derzeit mitten in der Absolvierung der Matura zeigt die Nutzung von sozialen Medien in seiner Generation auf. “Ich bin damit aufgewachsen, war schon mit 13 aktiv auf Facebook, da hat man eigentlich keine Ahnung, was man macht”, so Müssauer. Vier Stunden täglich verbringe er auf den sozialen Medien, vorrangig um sich zu informieren, aber auch einfach zum Zeitvertreib. “Wir nutzen vieles zur Unterhaltung. Wenn mir fad ist, schaue ich nach, was sich tut”, so Müssauer.

Das zahlreich gekommene Publikum nutzte im Anschluss an die Impulsreferate die Möglichkeit für eine intensive Diskussion mit den Expertinnen und Experten, in der vor allem auch die Themen Bildung und Medienkompetenz abgehandelt wurden. “Mit der heutigen Veranstaltung haben wir wieder ein hochaktuelles Thema mit sehr hochkarätigen Referentinnen und Referenten angesprochen”, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer zufrieden, “die Digitalisierung wird uns auf jede Fall alle in ihren Bann ziehen.”

 

Es geht um unsere Bedürfnisse!

“Eine Mustersprache” war Titel der Waldviertler Vorlesungen am 16. Mai im Jubiläumssaal der Firma Leyrer + Graf in Gmünd. Die Veranstaltung wurde von der WALDVIERTEL AKADEMIE in Kooperation mit dem Unternehmen, der Donau-Universität Krems, der Stadtgemeinde Gmünd, der Waldviertler Sparkasse Bank AG und dem Ministerium für ein lebenswertes Österreich durchgeführt. 

“Wie Architektur die Menschen in ihren Lebensvorgängen unterstützen kann” lautete der Untertitel der Veranstaltung, zu der die Organisatoren zahlreiche Interessierte aus der Branche und weit darüber hinaus begrüßen konnten. Baumeister Stefan Graf meinte bei seiner Begrüßung: “Egal, was ich baue, die Grundprinzipien sind immer gleich. Architektur muss immer den Menschen unterstützen.” Auch Bürgermeisterin Helga Rosenmayer war hier dacour: “Am wichtigsten ist, dass ich mich dort, wo ich wohne, wohlfühle. Es geht um die Bedürfnisse der Menschen und um Dinge, die jeden Menschen auch im Herz berühren.”

Vortragender Richard Sickinger von der Donau-Universität Krems stellte in seinen knapp einstündigen Ausführungen das Werk des Architekten und Systemtheoretiker Christopher Alexander in den Mittelpunkt. Alexander ging davon aus, dass unser Leben von Mustern geprägt sei. “Ein Muster ist ein Best-Practice”, so Sickinger, “und jedes Muster hat drei Teile: Problem, Lösung und Kontext. Es geht also auch darum, wie das Praxiswissen im Alltag umgesetzt werden kann.”

Sickinger erklärte in weiterer Folge den Aufbau von verschiedenen Muster auch in Bereichen fernab der Architektur, wie zB in der Gesellschaft und der IT. “Es geht nie um das Design, sondern immer auf die Wirkung auf den Menschen.” Danach im Mittelpunkt stand das Alexander-Standardwerk “Eine Mustersprache”, in dem sich auf 1.320 Seiten 253 verschiedene Muster finden. Diese reichen vom Städtebau, über die Gebäude bis hin zu Konstruktionen. Dabei werden nicht nur grundlegende Muster, wie zB für die Gestaltung des Eingangsbereiches oder von Gärten dargestellt, sondern auch banalere Möglichkeiten, wie die Schaffung von Rückzugsmöglichkeiten, von “Höhlen” für Kinder und von Wohlfühlorten.

In der anschließenden Diskussion wurde vor allem auch die Möglichkeit der tatsächlichen Anwendung und die Überprüfung auf die heutige modernere Zeit besprochen. “Man könnte auch eine Mustersprache für das Waldviertel als Handlungsanleitung, als Ratgeber entwickeln”, so eine Wortmeldung aus dem Publikum. “Das Werk solle nicht als ‘heilige Schrift’ behandelt werden, sondern als Hilfe zur Problemlösung und als Möglichkeit für Anregungen”, so Sickinger und Graf abschließend.

Die Präsentation von Richard Sickinger wird in wenigen Tagen hier zur Verfügung gestellt.

DSC_0042

Müssen eine Vollbremsung hinlegen!

Unter dem Titel “Der Klimawandel und seine Folgen. Wovon ernähren wir uns morgen?” lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am 9. Mai in Kooperation mit der Donau-Universität Krems, dem Ökosozialen Forum Niederösterreich und der Agrana Stärke GmbH zu einer hochkarätig besetzten und spannenden Diskussion in den Sparkassensaal Horn.

Mit rund 120 Personen war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt, auch zahlreiche Ehrengäste, allen voran Stadtrat Gerhard Lentschig, Sparkassen-Direktor Werner Scheidl, Bezirksbauernkammer-Obmann Herbert Hofer und Wirtschaftskammer Zwettl-Obmann Dieter Holzer ließen sich die über zweinhalbstündige Veranstaltung nicht entgehen.

Die renommierte Klimaforscherin und Meteorologin Helga Kromp-Kolb gab in ihrem Einstiegsreferat einen ersten Überblick über Klimawandel und Ernährung. “Der Klimawandel ist nach wie vor das schwerwiegendste Problem, das wir aber leider ständig ausklammern. Wir können alle anderen Probleme nicht lösen, wenn wir uns nicht mit dem Klimawandel beschäftigen”, so die Wissenschafterin. Vor allem der tägliche Konsum von Fleisch und die damit verbundene Treibhausgas-Emmission sowie die Nutzung von fossilen Energien seien nach wie vor ein wichtiges Thema in der Diskussion. “Um unsere Klimaziele zu erreichen, müssen wir eigentlich eine Vollbremsung hinlegen”, so Kromp-Kolb, die auch die globale Wärmeentwicklung beleuchtete: “2016 war jeder Monat ein neuer Temperaturrekord.”

DSC_0022Hans Mayrhofer, Generalsekretär des Ökosozialen Forums, zeigte danach die globalen Trends der Landwirtschaft auf. Neben der Bevölkerungsentwicklung und der zunehmenden Urbanisierung ist auch der Strukturwandel (“Die Betriebe werden weniger und größer.”) eine große neue Herausforderung der Landwirtschaft. “Die Nahrungsmittel müssen effizienter genützt werden”, so Mayrhofer, der für eine nachhaltige Intensivierung und Bioökonomie appellierte.

Auch Projekte direkt aus der Region wurden vorgestellt. Otmar Schlager, Geschäftsführer der Energieagentur der Regionen zeigte auf, dass der Geldabfluss für Energie im Bezirk Horn jährlich circa 50 Millionen Euro ausmache. “Mit Ökoenergie aus der Region können wir diese Entwicklung umkehren. Mit der TRE Thayaland GmbH wurde hier bereits ein Vorreiter geschaffen”, so Schlager.

Intensiv um das Thema Ernährung drehten sich die Ausführungen von Helmut Hundlinger. Der Horner gründete 2001 Slow Food Waldviertel und versucht nicht nur seltene Pflanzenarten vor dem Aussterben zu bewahren, sondern vor allem auch die Verwendung von regionalen Produkten zu stärken.

In einer sehr spannenden und emotionsgeladenen Diskussion trug auch das Publikum zu einer gelungenen Veranstaltung bei. Hans Mayrhofer zeigte auf, dass jeder Einzelne seinen Beitrag leisten kann, “aber wir müssen aus unserer Bequemlichkeit rauskommen.” Kromp-Kolb machte auch klar: “Die Zeit des Wirtschaftswachstums ist vorbei. Es gibt nicht mehr zu verteilen, es kann nur eine Umverteilung geben. Dennoch brauchen wir keine Sorgen zu haben, es gibt eine engagierte Jugend mit der wir an einer gelingenden Zukunft arbeiten können.” In eine ähnliche Kerbe schlugen auch Schlager und Hundlinger: “Ändern können wir es nur selbst.”

DSC_0031

Müssen Flucht nach vorne antreten!

Unter dem Titel “Die neue Welt des Arbeitens. Herausforderungen auf dem Weg zum Unternehmen der nächsten Generation” lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am 26. April in Kooperation mit der IMC FH Krems, der Donau-Universität Krems, dem Wirtschaftsforum Waldviertel und der Stadtgemeinde Zwettl in den Sparkassensaal zu einer spannenden Diskussion mit dem langjährigen Industriemanager Michael Bartz.

Der Einladung waren nicht nur Interessierte, sondern auch viele Vertreter heimischer Firmen gefolgt, auch Wirtschaftskammer-Obmann Dieter Holzer ließ sich den Abend nicht entgehen. Waldviertler Sparkasse-Vorstandsdirektor Michael Hag ging in seinen Grußworten bereits auf das Thema ein: “Vor allem in der Finanzbrache hat es auch aufgrund der Digitalisierung in den letzten fünf Jahren einen starken Wandel gegeben. Flexibilisierung der Arbeit ist ein sehr wichtiges Thema.”

Bartz, Professor an der IMC FH Krems und langjähriger Industriemanager unter anderem bei Philips und Microsoft, stellte gleich zu Beginn klar: “Digitalisierung und Globalisierung gehen Hand in Hand. Wir stehen erst am Anfang eines beschleunigten Entwicklungszykluses, in Asien nutzen nur 50 Prozent der Bevölkerung das Internet.”

Um zu einem “Unternehmen der nächsten Generation” zu werden, müssen die Betriebe auf fünf Entwicklungen der Arbeitswelt eingestellt werden: Komplexe Ökosysteme lösen die lineare Wertschöpfung ab, Arbeitsverhältnisse werden flexibler (“Die jüngere Generation denkt multidimensionaler, die klassische Vollzeitbeschäftigung weicht verschiedenen anderen Formen.”), traditionelle Organisationsstrukturen lösen sich auf (“Revolution und Evolution in der Organisation”), Arbeit als Bezeichnung eines Ortes verliert an Bedeutung und Arbeitsstile verändern sich in allen Generationen. “Alle Altersgruppen sind Experten bei digitalen Medien, der Zugang dazu hat sich vollständig demokratisiert”, so Bartz.

Die finanziellen Vorteile von Unternehmen der nächsten Generation seien nicht von der Hand zu weisen. “Facility- und Reisekosten singen, die Mitarbeiterzufriedenheit und das Umsatzwachstum steigen, Krankenstände und Fluktuation gehen zurück”, so Bartz.

Im Anschluss an seine Ausführungen nutzte das Publikum die Möglichkeit, in eine intensive Diskussion mit dem Referenten zu treten. “Wir haben einen grundlegenden Wandel an allen Dimensionen vor uns. Die genannten Herausforderungen können nur interdisziplinär gelöst werden. Eine Transformation zu einem Unternehmen der nächsten Generation kann nur langfristig geschehen”, so Bartz, der auch auf die Beispiele Erste Bank (drei Jahre Vorbereitungszeit) und Arbeiterkammer Niederösterreich (vier Jahre) hinwies. “Die Chance ist groß, solche Firmen auch ins Waldviertel zu bringen, die Flexibilität bringt das mit sich”, so Bartz, der auch klarmachte: “Es gibt nur eine Chance, die der Qualifikation. In unserer Gesellschaft gibt es dazu keine Alternative. Wir müssen die Flucht nach vorne antreten.”

Ernst Wurz, Vorsitzender der WALDVIERTEL AKADEMIE freute sich über einen gelungenen Abend: “Bartz hat uns sehr pointiert die Herausforderungen und Chancen für Unternehmen der nächsten Generation aufgezeigt und gab auch Anregungen, wie solche Unternehmen neu angesiedelt werden können.”

DSC_0036

„Können uns sehr sicher fühlen!“

In Kooperation mit der der Donau-Universität Krems und der VHS Krems lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am 18. April in das Audimax der Universität. Bundesminister Wolfgang Brandstetter und Diplomat Wolfgang Petritsch sprachen und diskutierten unter dem Titel “Unsere Welt verändert sich. Wie sicher ist Österreich?”.

Christian Hanus, Dekan der Fakultät für Bildung, Kunst und Architektur zeigte sich zu Beginn erfreut über das hochkarätige Podium: “Es ist auch unsere Aufgabe, Fragestellungen, die von gesellschaftlicher Bedeutung sind, zu diskutieren und zu erforschen. Ich nehme als Beispiel nur unser Department für Migration und Globalisierung, das sich intensiv mit den Flüchtlingsbewegungen auseinandersetzt.”

Bundesminister Wolfgang Brandstetter, selbst jahrelang im wissenschaftlichen Beirat der WALDVIERTEL AKADEMIE tätig, sorgte gleich zu Beginn für einen Lacher: “Wenn die Akademie bei mir anfragt, riskiert sie auch, dass ich komme.” Danach widmete sich der Justizminister aber ganz dem Thema und betonte, dass es einen Unterschied zwischen dem tatsächlichen und dem subjektiven Sicherheitsgefühl gibt. “Allein wegen der Justizanstalt Krems hier daneben, kann man sich sehr sicher fühlen”, so Brandstetter. Derzeit seien rund 9.000 Hälftlinge in Österreich untergebracht, der Höchststand aus dem Jahr 2007 wurde nie wieder erreicht. “Wenn man sich die Zeitungen so ansieht, hat man das Gefühl, wir müssen überquellen, aber so ist es nicht”, so Brandstetter weiter. Objektiv gesehen, sei die Lage und Sicherheit in Österreich beruhigend, wenngleich einige Faktoren wie Terrorismus nicht beeinflussbar wären. “Auch Österreich kann jederzeit von einem Anschlag betroffen sein. Es wäre blauäugig mit so etwas nicht zu rechnen, deshalb brauchen wir Instrumente, wie wir dagegen kämpfen können”, so der Minister. Brandstetter ging in weiterer Folge auf eine Nachfolgeregelung der Vorratsdatenspeicherung, Möglichkeiten zur Überwachung der Internettelefonie und eine stärkere Bekämpfung von Angriffen auf Beamten ein. “Vieles davon ist auch im aktuellen Regierungsprogramm niedergeschrieben. Wir können mit dem objektiven Sicherheitsempfinden zufrieden sein. Aber auch subjektive Lücken im Sicherheitsgefühl der Bevölkerung müssen Ernst genommen werden.”

Wolfgang Petritsch, ehemaliger Botschafter bei den Vereinten Nationen in Genf und bei der OECD in Paris zeigte in seinem Eingangsstatement drei wesentliche Faktoren für eine veränderte Welt auf. Die fundamentale Veränderung der Kommunikation (“Fakten versus Gefühl”), das Infragestellen von Demokratie aufgrund der Globalisierung und den Zusammenhang von Sicherheit und Freiheit. “Das sind die Hintergründe vor denen wir ‘Wie sicher fühlen wir uns’ diskutieren müssen”, so Petritsch und weiter: “Die Grenzen der Freiheit müssen ständig neu verhandelt werden in einer Welt, die sich so schnell verändert. Es muss auch eine Orientierung für Menschen geben, die sich in diesem scheinbaren Chaos nicht auskennen.” Dabei kritisierte der Diplomat auch die Politik: “Mir fehlt in Österreich der aufklärerische Impetus, dass man desöfteren auch unpopuläre Positionen einnimmt.”

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum war natürlich auch das Thema Europa ein zentraler Punkt. “Große Fragen können nur in einem großen europäischen Kontext gelöst werden”, so Petritsch, “letztendlich hängen alle Fragestellungen mit der europäischen Ebene zusammen.” Auch Brandstetter pflichtete hier bei: “Vieles auf der Ebene der Europäischen Union ist dringend reformierbar. Aber ich glaube an dieses Europa als Friedensprojekt und es muss verteidigt werden.”

„Wir freuen uns immer wieder in Krems Gast sein zu dürfen“, so Christoph Mayer, Geschäftsführer der WALDVIERTEL AKADEMIE, „mit unseren Partnern gelingt es uns Jahr für Jahr eine sehr hochkarätige und spannende Veranstaltung durchzuführen.“

DSC_0045

Erni Mangold: „Fad ist mir nie!“

Was für ein Auftakt für das neu konzipierte Veranstaltungsformat der WALDVIERTEL AKADEMIE: Zu den ersten Waldviertler Vollmondgesprächen am 11. April waren fast 300 Personen gekommen, die den humorvollen Ausführungen der Schauspielerin Erni Mangold lauschten.

Der Mond strahlte hell am Himmel als sich der Waidhofner Stadtsaal füllte. Mit ihrem neuen Format, den Waldviertler Vollmondgesprächen, hat die WALDVIERTEL AKADEMIE erneut den Nerv der Zeit getroffen. Persönlichkeiten aus dem deutschsprachigen Raum erzählen bei dieser Serie aus ihrem Leben, den Beginn machte Erni Mangold. Mangold, 1927 geboren, präsentierte sich auf der Bühne von ihrer besten Seite. Gemeinsam mit Doris Priesching, die das Buch „Lassen Sie mich in Ruhe“ zu Papier gebracht hat, entwickelte sich ein interessantes, informationsreiches Bühnengespräch, das auch für viele Lacher sorgte.

DSC_0001
Vorstandsmitglied Gerhard Proißl begrüßte die zahlreich gekommenen Gäste

„Wir sind sehr stolz auf dieses Buch“, so Priesching zur Tatsache, dass soeben die siebente Auflage erschienen ist – und das obwohl man zunächst lange keinen Verlag gefunden hätte. Mangold hatte dazu aber ihre eigene Ansicht: „Ich finde es merkwürdig, dass man stolz ist.“  Die Schauspielerin erzählte in weiterer Folge auch über ihre Liebe zum Waldviertel: „Ich habe nicht eine Sekunde gebraucht, um mich hier wohl zu finden – und die Ködn hob i gern.“ Auch auf ihren Gesundheitszustand und ihre Fitness angesprochen, hatte Mangold die richtige Antwort parat. „Die Gene sind das nicht. Ich mache zwei Mal in der Woche 1,5 Stunden Krafttraining. Ich gehe kaum zur Kosmetik, aber meine Muskeln liebe ich.“ Angesprochen auf ihre geistige Fitness meinte Erni Mangold: „Ich bin neugierig. Ich bin ein Mensch der nach vorne lebt und ich interessiere mich für alles.“

Derzeit steht Mangold noch bis Jahresende im Stück „Harold und Maude“ im Theater in der Josefstadt in Wien auf der Bühne – danach soll aber Schluss sein. „Am 12.12. mache ich die Tür zu und trete nie wieder im Theater auf“, so Mangold, die aber gleich relativierte: „Film und Fernsehen mach ich schon, das sind nur cirka 12 Stunden Arbeit am Tag und nur fünf bis sechs Tage, das stehe ich locker durch.“

DSC_0009Mangold beeindruckte das zahlreich gekommene Publikum mit ihrer Direkt- und Offenheit und ihren humorvollen Erzählungen, ihre Sexszenen in „Der letzte Tanz“ und „Der 101jährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand“ durften dabei nicht fehlen. Zu ihrem Job als Schauspielerin hat Mangold aber dennoch eine sehr kritische Ansicht: „Es hat sich sehr viel geändert, der Job ist nicht mehr anstrebenswert, es gibt viele, die auf der Straße stehen.“

Auch die Themen Gründonnerstag und Vollmond durften nicht fehlen. Angesprochen auf die Frage, ob Mangold in der Karwoche auch die gleichnamige Speise zu sich nehmen wird, antwortete sie: „Ich bin ja einer der bekanntesten Schauspielerinnen, weil ich stehe in jedem Duden.“  „Bei Vollmond werde ich aber nervös“, so Mangold, die zum Schluss auch feststellte: „Fad ist mir nie!“

DSC_0014Zum Abschluss nutzten die vielen Interessierten noch die Möglichkeit ein signiertes Buch und Fotos mit der Schauspielerin zu erhaschen. Christoph Mayer, Geschäftsführer der WALDVIERTEL AKADEMIE, der auch das Konzept der Vollmondgespräche entwickelte: „Wir haben mit dieser Schiene einen weiteren und neuen Höhepunkt im Veranstaltungsjahr geschaffen und freuen uns schon auf die zweite Ausgabe im Herbst.“

Ein großes Dankeschön geht auch an die Partner und Unterstützer dieses Abends: Donau-Universität Krems, Stadtgemeinde Waidhofen/Thaya, Waldviertler Sparkasse Bank AG und Lagerhaus Waidhofen/Thaya.

 

„Wir stellen uns selbst das Haxl!“

Zu einer ganz besonderen Veranstaltung lud die WALDVIERTEL AKADEMIE in Kooperation mit der Raiffeisenbank Zwettl, dem Wirtschaftsforum Waldviertel, der Donau-Universität Krems und der Stadtgemeinde Zwettl am 20. März in den Raiffeisen-Saal. Unternehmer und Vizekanzler aD Hannes Androsch und Rechnungshofpräsident aD Josef Moser sprachen über ihr gemeinsames Buch “Einspruch! Der Zustand der Republik und wie sie noch zu retten ist”.

 Die Veranstalter hatten im Vorfeld viel zu tun, letztendlich konnten nicht alle Interessenten untergebracht werden, so groß war das Interesse. Rund 140 Personen war es dann vorbehalten, dem Abend beizuwohnen, darunter auch viel Prominenz: Vizebürgermeister Johannes Prinz, Birgit Trojan vom Wirtschaftsforum Waldviertel, Anne Blauensteiner, Heini Staudinger, Rotes Kreuz-Bezirkskommandant Josef Zimmermann und viele mehr waren gekommen, um den beiden honoren Persönlichkeiten zu lauschen und mit ihnen zu diskutieren.

DSC_0049Jurist Josef Moser, bis 2016 Präsident des österreichischen Rechnungshofes zeigte schon zu Beginn wichtige Themen auf, die zum Entstehen des Buches geführt haben. “Wir wollten wissen: Wie schaut unsere Zukunft aus? Bis 2048 werden die Kosten für Pensionen, Pflege und im Sozialbereich ansteigen. Dafür benötigen wir eine Wirtschaft, die diese Mehrausgaben erwirtschaftet, damit wir uns das leisten können. Wir sind spitze dabei, Einnahmen zu lukrieren, aber auch Weltmeister beim Geld ausgeben.” Bildung, Gesundheit, Pflege und Föderalismus waren Kernthemen von Mosers Aussagen, der aber auch klarstellte: “Die Zukunft schaut gut aus, wenn wir heute handeln!”

Hannes Androsch, früherer Vizekanzler unter Bruno Kreisky und heute erfolgreicher Unternehmer, stimmte seinem Vorredner zu: “Es gut uns gut, wir haben viel erreicht, darauf können wir von mir aus auch stolz sein. Aber es ist gefährlich, zu glauben, dass alles paletti ist.” Androsch sprach den Rückgang der Exporte und die Rekordarbeitslosigkeit an: “Anderswo, zum Beispiel in der Schweiz, in Tschechien, in der Slowakei – sehen wir genau das Gegenteil. Wir sind von der Überholspur auf die Kriechspur abgefallen und wenn wir so weitermachen, bleiben wir auf dem Pannenstreifen liegen.” “Wir haben das Buch geschrieben, um aufzurütteln”, so Androsch, der auch die Sozialpartnerschaft kritisierte: “Das ist viel mehr eine Sozialgegnerschaft oder eine Verhinderungspartnerschaft, beides ist nicht sehr förderlich.”

“Wir müssen jetzt etwas tun, damit das Geld effizient eingesetzt wird und das müssen wir gemeinsam tun”, so Moser über Budget und Schuldenbremse. Auch die Bürokratie und neue Regelungen ware nein brennendes Thema. “Wir stellen uns selbst das Haxl und setzen das mit lemminghafter Konsequenz fort”, so Androsch, “investitionsfreundlich ist dieses Klima nicht.” Auch die Bildungsreform bekam von beiden Herren ihr Fett weg, Androsch betonte: “Wir haben einen globalen Markt und die digitale Revolution. Darauf müssen wir unsere Kinder einstellen.”

An einem äußerst kurzweiligen Abend bekamen auch die Besucherinnen und Besucher mit den Podiumsgästen zu diskutieren, ehe der Abend bei einem Glas Wein seinen verdienten Ausklang fand. “Androsch und Moser übten zwar einerseits viel Kritik an der herrschenden Politik in Österreich, gaben aber andererseits viele machbar scheinende Handlungsempfehlungen”, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzender Ernst Wurz, der sich über einen gelungenen Abend freute.

Müssen für Europas Werte kämpfen!

Am Donnerstag, 2. März 2017 lud die WALDVIERTEL AKADEMIE in Kooperation mit der Universität Wien und der Donau-Universität Krems in den Kleinen Festsaal der Universität, um gemeinsam mit Bundespräsident aD Heinz Fischer und Justizminister Wolfgang Brandstetter das Thema “Die Welt von morgen. Europas Werte und unsere Zukunft” zu diskutieren. 

dsc_0038“Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Welt von gestern, jener von heute und der von morgen”, waren sich die beiden Diskutanten bereits zu Beginn einig. “Die Frage, ob wir aus der Geschichte lernen, wird in beide Richtungen vehement beantwortet”, so Fischer, “ich persönlich gehöre zu den Optimisten, die überzeugt sind, dass wir aus der Geschichte lernen.” Dennoch zeigte sich Fischer über die aktuelle Entwicklung auch besorgt: “Der Schwung und die Aufbruchsstimmung lassen nach, neue Kräfte und auch Ratlosigkeit treten auf. Wir müssen heute Phänomenen entgegenwirken, von denen wir gedacht haben, wir hätten sie uns hinter uns gelassen. Nationalismus Ist nur eines davon.” Dennoch ist sich Fischer sicher: “Die Demokratie ist gefestigt, aber sie ist nicht unzerstörbar. Der europäische Gedanke hat viel bewirkt, aber Europa wird nie an dem Punkt sein, an dem wir sagen können, das Werk ist fertig.”

Justizminister Wolfgang Brandstetter zeigte in seinem Eingangsstatement viele persönliche Erlebnisse aus seiner Vergangenheit auf. “Es gibt Erlebnisse, die sich einbrennen, die eigene Wertehaltung entsteht durch Erfahrungen, für meine Generation ist Europa mit vielen Emotionen verbunden und es ist wichtig, dass diesem großartigen Projekt kein Schaden zugefügt wird.” Auch die Werte-Frage beantwortete Brandstetter klar: “Europas Werte dürfen nicht von Nationalisten totgeprügelt warden. Diese Werte sind unsere Zukunft und wir müssen sie jetzt verteidigen.” Brandstetter plädierte auch für eine Bildungs-Offensive: “Ich frage mich, woher der Hass in unserer Gesellschaft kommt? Wir müssen alles tun, um dem entgegenzuwirken. Demokratie setzt einen mündigen Bürger voraus.”

Im Anschluss an die Wortmeldungen war auch das Publikum aufgerufen, sich an der Diskussion zu beteiligen. Die Trennung von Kirche und Staat, die aktuellen Diskussionen um ein Verschleierungsverbot, aber auch die USA waren dabei Thema. “Das gemeinsame Haus Europa droht kleiner zu werden”, so Brandstetter: “Das tut weh, aber jetzt ist es an der Zeit, den Turbo einzubauen. Dann können wir es schaffen und dann gibt es auch eine Zukunft.” Kritisch äußerte sich Fischer auf Nachfrage zu Donald Trump: “Sicher fühle ich mich bei ihm nicht. Ich will aber auch nicht mit einem risen Misstrauensvorschuss an ihn herangehen.”

“Für die WALDVIERTEL AKADEMIE war es ein sehr gelungener Auftakt zur Jahres-Veranstaltungsreihe ‘Die Welt von morgen’”, war auch Vorsitzender Ernst Wurz zufrieden, “besonders freut es uns, dass die Jugend, der Europa und die Zukunft ein großes Anliegen ist, so stark vertreten war.”

dsc_0050

Workshop: Demokratie neu gedacht!

Rund 40 Schülerinnen und Schüler der zweiten Klassen der BHAK/BHAS Waidhofen/Thaya nahmen am Montag, 20. Februar am von der WALDVIERTEL AKADEMIE organisierten „Demokratie-Workshop“ teil. Durchgeführt wurde dieser von Tamara Ehs und Florian Sturm von der IG Demokratie, unterstützt von der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung.

„Politik soll sich um das gute Leben kümmern“, so Ehs zu Beginn, „und das kann sich für alle ausgehen. Wir schauen uns an, wie kann man überhaupt noch politisch handeln?“ Und Kollege Sturm ergänzte: „Wie kann man eine Welt schaffen, die für alle funktioniert?“

In dem fast vierstündigen Workshop wurden Politik-Erfahrungen ausgetauscht, neue Formen von Wahlsystemen vorgestellt und der Frage nachgegangen, was kann ich selbst für ein besseres Leben machen?

Weltpolitik, Donald Trump, Flüchtlingspolitik und das Schulsystem waren Begriffe, die die Schülerinnen und Schüler, die sehr engagiert mitarbeiteten, zu Beginn in den Raum stellten. Auch wurde von den beiden Workshop-Leitern dargestellt, das alles auf dieser Welt mit Politik zu tun hat – auch Liebe, Tiere, Musik und Sport. „Alle Dinge haben politische Aspekte. Von früh bis spät ist man damit konfrontiert, dass man nicht allein auf dieser Welt ist“, so Ehs.

Spannende Ergebnisse brachte auch die Abfrage von Aussagen zutage. „Es muss sich etwas ändern auf dieser Welt“ bekam die volle Zustimmung, rund zwei Drittel bestätigten „Mir ist es wichtig, dass ich mitbestimmen und mitreden kann.“

Den Abschluss bildete die ganz konkrete Fragestellung „Wo kann ich mich selbst engagieren und was kann ich konkret machen, um im eigenen Umfeld das zu ändern, das mich stört?“. Umwelt- und Tierschutz, Gemeinde, Flüchtlingsthematik, Arbeitsplätze und Wirtschaft aber auch das Schulsystem waren hier wichtige Thematiken.

Die Feedback-Runde zum Ende des Nachmittags bestätigte die Beobachtungen während des Nachmittags, gab es hier doch viel Lob für die beiden Vortragenden. „Ich bin sehr froh, dass Tamara Ehs im Vorjahr an uns herangetreten ist“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer, „und dass wir mit den Schülerinnen und Schülern und Martina Dorfinger von der BHAK/BHAS Waidhofen/Thaya einen motivierten Partner zur Umsetzung gefunden haben.“

dsc_0633

 

„Sie werden dafür bezahlen!“

Am Donnerstag, 26. Jänner 2017, luden die BHAK/BHAS Waidhofen/Thaya und die WALDVIERTEL AKADEMIE zum Vortag “Milliardengrab Hypo Alpe Adria”. Rund 140 Interessierte waren gekommen, um sich vom Wirtschaftsprofessor Josef Aff “das größte ökonomische Geldvernichtungsprojekt” erklären zu lassen.

dsc_0002Unter den Zuhörern waren auch Vertreter der Banken (Kurt und Martin Bogg), der Wirtschaft (Dietmar Schimmel), der Beratungskanzleien (Thomas Lebersorger) und der Politik (Melitta Biedermann). All jene Bereiche spielten auch im Fall Hypo Alpe Adria eine große Rolle, wie Josef Aff, ehemaliger Vorstand des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der Universität Wien, erklärte: “Wir bewegen un shier immer an der Schnittfläche von Politik und Wirtschaft.”

Aff erklärte detailliert und verständlich wie aus der 1896 als kleine Hypothekenbank gegründete Hypo mit der Umwandlung in eine AG im Jahr 1991 und dem geplanten Turbo-Wachstum in den Jahren 1992 bis 2006 ein multinationaler Player wurde. Allein von 1992 auf 2008 waren die Bilanzsumme von 1,9 Milliarden Euro auf 43,3 und der Mitarbeiterstand von 30 auf 8.100 gestiegen. “Kreditvergabe und -kontrolle lagen hier im Argen”, so Aff, “in der Ära Haider erfolgten Kreditvergaben auf Zuruf, nach dem Motto, das Land Kärnten bin ich.”

Nicht minder spannend gestalteten sich die Ausführungen über den Verkauf der Hypo nach Bayern und die zwei Jahre erfolgte Notverstaatlichung, die als “teuerste Nacht der 2. Republik” in die Geschichte eingeht. “Hier wurde absolut unklug agiert”, stellte Aff fest, der aber auch die Zeit danach kritisierte. “Es war ein Sündenfall, nicht gleich eine Bad Bank zu gründen. Wir reden hier von Milliarden, die verloren gingen, nicht von Peanuts”.

Zu guter Letzt listete Aff natürlich auch die Kosten, die vom Steuerzahler zu tragen sind, auf. “Wie viel dieses Debakel genau kosten wird, ist nach wie vor nicht geklärt”, so Aff, “aber eines ist klar: Sie alle werden dabei sein, wenn das Geld zurückgezahlt wird.” Schätzungen zufolge wird sich das Debakel auf sechs bis elf Milliarden Euro belaufen.

In einer sehr anregenden Diskussion wurden auch Vorschläge gegeben, wie solche Fälle in Zukunft verhindert werden könnten. “Ich würde mir ein Gesetz wünschen, dass auch Bundesländer in Konkurs gehen können”, so Aff, “allein die Möglichkeit würde sie etwas disziplinieren.”

“Wir sind sehr froh, dass wir diesen Abend gemeinsam mit der BHAK/BHAS durchführen konnten”, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer, “das große Interesse und die spannenden Ausführungen und Diskussionen haben gezeigt, dass sich die Bevölkerung auch mit diesen komplexen Themen auseinandersetzt und ein großes Interesse an Wirtschaft und Politik haben.”

dsc_0015