Digitalisierung als Chance für Probleme

In Kooperation mit der IMC FH Krems, der Donau-Universität Krems und dem Wirtschaftsforum Waldviertel lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am 17. April 2018 in die BHAK/BHAS Waidhofen zum Vortrag „Digitalisierung! Wie sie unser Leben beeinflussen wird“.

Das Interesse an den Ausführungen von Roger Hage, Studiengangsleiter „Digital Business Innovation & Transformation“ an der IMC FH Krems war sehr groß. Einleitend berichtete Martina Dorfinger, Bildungsberaterin an der BHAK/BHAS Waidhofen/Thaya, über die neuen Wirtschaftsakademien Waldviertel und den Waidhofen-Schwerpunkt „digBiz“. „Unsere Schüler lernen Wirtschaft zu verstehen“, so Dorfinger, „wir bieten eine Kombination aus technischer und wirtschaftlicher Ausbildung.“

WT„Es gibt sehr viel Hype und Übertreibung beim Thema Digitalisierung“, so Hage, der aber auch klarstellte: „Die Digitalisierung bietet mehr Chancen als Herausforderungen“. Der Experte klärte auch über die Digitale Transformation auf, die aus dem Homo Digitalis, den Gamechangern und der dazugehörigen Technologie bestehe. „Die digitale Transformation ist nicht mehr zu stoppen, weil wir es so wollen“, so Hage. Durch die Digitalisierung entstehen auch neue Geschäftsmodelle, die bewährte Systeme auf den Kopf stellen, wie zum Beispiel airBnB oder Uber.

Ein wichtiger Bestandteil der Digitalisierung seien auch das Internet of Things und Künstliche Intelligenz. „Es passiert alles vollautomatisiert. Der Kühlschrank kann zum Beispiel direkt Lebensmittel, die zu Ende gehen, im Supermarkt nachbestellen“, so Hage.

Hage selbst sieht die Digitalisierung auch als Chance, große Probleme zu lösen, vor allem im Gesundheitswesen, dem Tourismus und der Landwirtschaft. „Es braucht kreative Menschen, die rational denken können“, so Hage abschließend, „man kann keine neue Sachen erfinden, wenn man keine Fehler macht.“

„Die engagierte Diskussion nach dem Vortrag hat gezeigt, welch zentrales Thema Digitalisierung ist“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzender Ernst Wurz nach der Veranstaltung, „Roger Hage hat aufgezeigt, wie und in welchen Bereichen die Chancen von Arbeitnehmern, Bürgern und Jugendlichen, von Betrieben und Schulen, genutzt werden können.“

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Wie wichtig ist Religion für uns?

Gemeinsam mit der Donau-Universität Krems und der VHS Krems lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am 10. April in das Audimax zu einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion. Gregor Henckel-Donnersmarck, Niko Alm und Franz Schmatz gingen der Frage „Wie wichtig ist Religion für uns?“ nach.

DSC_0306Christian Hanus, Dekan der Fakultät für Bildung, Kunst und Architektur ging bereits in seiner Begrüßung auf die Thematik ein: „Die Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt uns alle und ist somit auch ein wichtiges Thema für die Donau-Universität.“ Wie wichtig und spannend Glaube und Religion sind, zeigte sich danach in einer unterhaltsamen und kontroversiellen Podiumsdiskussion. Franz Schmatz, Theologe, Psychotherapeut und Sterbebegleiter, näherte sich der Fragestellung von der spirituellen und meditativen Seite. „Jeder Mensch ist auf der Suche nach der Mitte, egal, die diese dann aussieht“, so Schmatz, „ich glaube dass jeder Mensch an etwas glaubt. Glaube bedeutet ja, dass mein Herz an etwas hängt.“ Dabei beeindruckte Schmatz auch mit seiner persönlichen Geschichte und Tätigkeit: „Ich würde nicht anders leben, wenn ich Atheist wäre. Ich erwarte nichts für das gute Tun, ich tu es um des Guten willen.“

Heiligenkreuz-Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck ging gleich zu Beginn auf die Austrittszahlen der Kirche, die auch in der Einladung der WALDVIERTEL AKADEMIE angesprochen wurden, ein. „Es ist nicht die Krise der Kirche, sondern Europas. Und diese reicht bis hin zur Demografie“, so Henckel-Donnersmarck. Die Frage wem wir glauben und warum sei ein zentraler Mittelpunkt, denn: „Wir leben gottseidank in einer Demokratie. Die Demokratie lebt von Werten, die sie sich nicht selbst geben kann. Hier sehe ich eine Chance für den Glauben und das Vertrauen auf dessen Werte.“

Niko Alm, bekannt als Initiator des Österreich-Ablegers der Kirche des Spaghetti-Monsters, sah die Themen Glaube und Religion naturgemäß anders. „Glaube und Überzeugung sind verschiedene Dinge. Ich glaube an keinen Gott. Ich glaube nicht an nicht beweisbare Hypothesen. Ich glaube an die Wissenschaft.“ Menschen, die glauben, würden oft auch in die Irre geführt werden, vor allem in der Alternativmedizin gäbe es genügend Beispiele. „Jede Vorstellung von Gott ist nicht beweisbar. Deshalb heißt es Glaube, weil es eben kein Wissen gibt“, so Alm. Er plädierte vor allem für die Trennung von Kirche und Staat: „Die Religion soll Privatsache werden. Dann kann der Staat nicht mehr entscheiden, welche Glaubensrichtung förderwürdig ist oder nicht und es kann hier keine Diskriminierungen, wer Privilegien erhält und warum, mehr geben“.

Im Anschluss an die Einleitungsstatements entwickelte sich eine hochspannende und interessante Diskussion, in der auch der Ton etwas schärfer wurde. Henckel-Donnersmarck meinte zu Alms Bemühungen, die Pastafaris als offizielle Glaubensrichtung anzuerkennen eine „Verspottung von Andersgläubigen“. Alm selbst konterte: „Wir wurden selbst genug despektierlich – auch von Vertretern der Kirche – behandelt, das müssen wir alle aushalten.“ Einig waren sich die Herren auf dem Podium aber dennoch in einer Sache: Niemand kann und soll zu einem Glauben gezwungen werden. Jeder Mensch müsse selbst entscheiden können.

„Ein würdiger Auftakt zum Jahresschwerpunkt ‚Woran glauben wir noch?‘“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer zufrieden nach der Veranstaltung, „Glaube und Religion sind sehr breite Themen. Wir wollen in gewohnter Manier verschiedene Aspekte aufzeigen und zur Diskussion anregen.“ Dieser Vorgabe wurde in Krems gänzlich erfüllt.

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Historische Gebäude brauchen Nutzung

Die Reihe „Kulturgüterschutz konkret 2018“ der Donau-Universität Krems machte am 6. März in Kooperation mit der WALDVIERTEL AKADEMIE auch im Rathaus Weitra Station. Ein interessanter Abend zu einem äußerst spannenden Thema.

Kulturgüterschutz – ein Themenfeld, dessen nationale wie internationale Bedeutung in den vergangen Jahren exponentiell gestiegen ist. Auch aus diesem Grund hat das Zentrum für Kulturgüterschutz der Donau-Universität Krems die Vortragsreihe „Kulturgüterschutz konkret“ ins Leben gerufen, um für eine breite Vermittlung der Thematik zu sorgen.

Wie sieht der Kulturgüterschutz aber entlang der österreichisch-tschechischen Grenze und in der Region Waldviertel aus? Darüber diskutierte ein hochkarätiges Podium am 6. März im Rathaussaal Weitra. Peter Strasser, Zentrumsleiter an der Donau-Universität, bemerkte schon bei seinen Grußworten: „Grenzen sind für den Kulturgüterschutz ein wichtiges Thema.“ Wobei ihm Christoph Hütterer vom Bundesdenkmalamt zustimmte: „Das Grenznahe ist nicht so wichtig wie das Grenzüberschreitende.“

Moderatorin Katka Krejčova zeigte zu Beginn den Status Quo auf: In Österreich sind über 35.000 Bauwerke im Denkmalverzeichnis eingetragen, rund ein Drittel davon befindet sich in Niederösterreich. In der Tschechischen Republik bestehen über 40.000 unbewegliche Denkmäler.  Bürgermeister Raimund Fuchs zeigte dies auch am Beispiel Weitra auf: „Wir haben 46 denkmalgeschützt Objekte und eine gute Gesprächsbasis mit den Behörden.“ Petra Kroupová vom Nationalen Denkmalinstitut in Prag und Hütterer brachte dem Publikum die Bedeutung von Kulturgüterschutz nahe. Hütterer merkte aber auch an: „Eine bessere Vernetzung von Institutionen und Behörden, auch auf polizeilicher Ebene, wäre wünschenswert.“

Historiker Wolfgang Katzenschlager zeigte die geschichtliche Entwicklung der Stadt Weitra auf – von der Ackerbürgerstadt bis heute. „Mit der Renovierung des Sgraffito-Hauses wurden in den 60er-Jahren bereits wichtige Maßnahmen zum Denkmalschutz gesetzt“, so Katzenschlager, der aber auch mahnte: „Denkmalschutz darf nicht für sich allein isoliert gesehen werden. Es geht um eine Bewusstseinsbildung über die historische Bausubstanz der Stadt, aber vor allem auch um wichtige und zukunftsweisende Maßnahmen. Historische Objekte brauchen auch eine Funktion.“ Dalibor Štys von der Südböhmischen Universität Budweis sprach von den Erfahrungen auf tschechischer Seite in Gratzen/Nové Hrady: „Wir haben eine hohe Dichte an Denkmälern, haben aber auch noch viel zu tun, um wieder eine Märchenstadt zu werden. Wichtig ist es, Nutzungskonzepte für Denkmäler zu erstellen.“

In diese Richtung entwickelte sich danach auch eine spannende Diskussion mit dem Publikum. „Es hilft nichts, wenn wir die schönsten Denkmäler haben, diese aber verfallen, weil wir keine Nutzung haben“, so Hütterer abschließend.

„Mit dieser Veranstaltung ist die WALDVIERTEL AKADEMIE nicht nur ihrer grenzüberschreitenden Kompetenz gefolgt, sondern hat auch ein immer wichtiger werdendes Thema aufgegriffen, welches in der Diskussion bis hin zu Revitalisierungen und Stadtkernnutzung geführt hat“, so Geschäftsführer Christoph Mayer, „das Rathaus Weitra ist ja ein wunderbares Beispiel für eine perfekte Nutzung eines historischen Gebäudes. Die Kooperation mit der Stadtgemeinde Weitra ist hierfür beispielgebend.“

Das Potential der Menschen fördern

„Kommunale Intelligenz stärken“ war der Titel einer Kooperationsveranstaltung von WerteVollLeben, der WALDVIERTEL AKADEMIE und weiteren Partnern, die am 1. März 2018 Nachhaltigkeits-Pionier Karl Sieghartsleitner in den Waidhofner Stadtsaal brachte. Das Interesse war groß, über 150 Personen waren gekommen.

 „Wir wollen die Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zukunftsfähig gestalten, damit die Menschen aufblühen“, so WerteVollLeben-Gründer Günter Peham zu Beginn der Veranstaltung. Die WerteVollLeben-Gruppe Waldviertel, bei der viele bekannte Unternehmer-Persönlichkeiten Teil sind, will hierfür Lösungen suchen und diskutieren, der Vortrag mit Karl Sieghartsleitner war ein erster Ansatz dazu.

Doris Wanko Karl Sieghartsleitner 2Bevor der ehemalige Steinbacher-Bürgermeister die Bühne betrat, wurden aber noch zwei spannende Projekte aus dem Waldviertel vorgestellt. „Es gibt ja bereits tolle Sachen, diese wollen wir auch zeigen“, so Peham, „die Haltung, die wir Menschen jetzt haben, wird darüber bestimmen, wie die Zukunft aussieht.“. Ernst Wurz, Vorsitzender der WALDVIERTEL AKADEMIE, stellte das Konzept der neuen WirtschaftsAkademie Waldviertel und den vier zukünftigen HAK-Schwerpunkten im Waldviertel vor. Martin Bruckner, Bürgermeister aus Großschönau, und der Geschäftsführer der Energieagentur der Regionen Otmar Schlager sprachen danach über den Energiepakt Waldviertel 2013 mit dem Ziel 2030 in der Jahresbilanz energieautark zu sein.

Karl Sieghartsleitner, der als Bürgermeister den so genannten „Steinbacher Weg“ konzipierte, erzählt im Anschluss über dieses Projekt und seine Erfahrungen. Dabei durfte auch eine kleine Waldviertel-Anekdote nicht fehlen: „Ich habe Adi Kastner kennengelernt, wie wir vor 20 Jahren gemeinsam als kritische Geister beim Club 2 gesessen sind.“ Sieghartsleitner kritisierte danach auch die Vorgehensweise von vielen Politikern, wie Trump & Co.: „Es geht nicht darum, sich neu aufzustellen und neu zu profilieren. Wir müssen auf dem Bestehenden und Erfolgen aufbauen.“

Doris Wanko ReferentengruppeAls Sieghartsleitner 1986 Bürgermeister wurde galt Steinbach als „verlorenes Dorf“. Vom goldenen Steinbach mit der großen Tradition der Messerschmiede war aufgrund des Importes von Billig-Produkten aus Fern-Ost nichts mehr übrig, nach zwanzig Jahren war der Niedergang voll ausgeschöpft. „Von 10 Gasthäusern im Ortskern war kein einziges mehr übrig, auch die weitere Infrastruktur war weg“, so Sieghartsleitner. „in so einer Situation anzufangen, ist ein Geschenk, weil schlechter kann es nicht mehr werden“, sah er aber auch das Positive. Zusammen mit allen politischen Parteien, mit der Wirtschaft und der Bevölkerung wurden eine Zukunftsvision und konkrete Projekte für Steinbach entwickelt. „Wir waren eine der ärmsten Gemeinden, haben die vorhandenen Ressourcen zusammengesucht und daraus etwas entwickelt. So wurden wir vom verfallenen Dorf zum Aushängeschild. Am wichtigsten war der Umgang miteinander.“, so Sieghartsleitner. Wertschätzung und Potentialentfaltung sind für den Visionär die wichtigsten Schlagworte für die heutige Zeit: „Was glauben Sie, was in unseren Dörfern noch alles schlummert? Wir haben noch viel zu wenig gemacht, um die Fähigkeiten der Menschen zu fördern und fordern. Kommunale Intelligenz ist, wenn Menschen zusammenhelfen, das Schicksal anderer zu lösen.“ Dennoch sieht Sieghartsleitner positiv in die Zukunft: „Wir brauchen verantwortungsvolle Menschen, die die richtige Tätigkeit für ihre Begabungen finden. An allen Ecken der Welt entstehen Dinge, die über das neue Einhalten von Werten nachdenken, so wie hier!“

Wichtig ist, die Hoffnung zu behalten!

Im Frühjahr hat die WALDVIERTEL AKADEMIE mit den Waldviertler Vollmondgesprächen eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Nach dem gelungenen  Auftakt mit Erni Mangold feierte die Serie eine erfolgreiche Fortsetzung: Der ehemalige Skisprung-Trainer Alexander Pointner sprach mit seiner Frau Angela  über ihr gemeinsames Buch „Mut zur Klarheit. Woher die Kraft zum Weitermachen kommt“. 

Mehr als 200 Interessierte waren in den Waidhofner Stadtsaal gekommen, um mehr über die berührende Lebensgeschichte der Familie Pointner zu erfahren. Alexander Pointner, erfolgreichster Trainer in der Skisprung-Geschichte, sprach zunächst über die Entstehungsgeschichte des Buches: „Laura Seifert vom Verlag hat uns immer wieder gefragt. Angi war zunächst gar nicht so glücklich über das Projekt.“ Angela Pointner, selbst Romanautorin, ergänzte: „Es war schwieriger als gedacht, es ist viel hochgekommen.“

„Von einer Sekunde auf die nächste kann das Leben wie ein Kartenhaus zusammenstürzten“, so Alexander Pointner. Zu Beginn sprach er über seine erfolgreiche Sportkarriere. Vom Skispringer zum Co-Trainer, der Enttäuschung nach dem Rücktritt von Toni Innauer nicht selbst zum Chef bestellt worden zu sein, bis hin zu dem erfolgreichen System der „Superadler“. „Der Tag, der unser Leben veränderte“, so lautet das Kapitel auch im Buch, aus dem die beiden an diesem Abend immer wieder Leseproben gaben. „Plötzlich war alles egal, ich hatte keine Gedanken mehr an den Sport“, so Alexander Pointner in der Rückschau auf den Tag, an dem seine Tochter Nina einen Suizidversuch beging, „dann brach eine Lawine über mich herein“, so auch Angela Pointner. Die beiden schilderten die schwierige Zeit, die 13monatige Betreuung ihrer Tochter im Wachkoma und die Zeit nach dem Tod. „Wir haben bemerkt, das sind Aufgaben, die das Leben stellt, die viel schwieriger sind. Und wir wussten, dass die Themen Trauer und Beistand uns und unser Leben bestimmen werden“, so die Pointners. Ihr Buch ist auch ein dramatisches Plädoyer für Offenheit und die Enttabuisierung der Themen Suizid und Depression. „Wichtig ist, dass wir sofort professionelle Hilfe bekommen haben“, so Angela Pointner, die auch meinte: „Die Klarheit in jeder Hinsicht und von allen Personen hat uns sehr geholfen.“ Alexander Pointner ergänzte: „Das Wichtigste war, die Hoffnung zu behalten.“

Der sehr berührende Abend mit zwei äußerst sympathischen Hauptdarstellern auf der Bühne endete mit einer spannenden Publikumsdiskussion, vielen signierten Büchern und entspannten Gesprächen bei einem Glas Wein.

„Die Waldviertler Vollmondgespräche haben sich in diesem Jahr etabliert und aufgezeigt, dass es wichtig ist, auch schwierige Themen in aller Klarheit anzusprechen und zu diskutieren, dafür danken wir natürlich vor allem Angela und Alexander Pointner“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer abschließend.

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Wir brauchen neue Denkmuster!

In Kooperation mit der Donau-Universität Krems lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am 10. November 2017 zum Vortrag “Dann stecken wir doch die Köpfe zusammen” in das BG/BRG Gmünd. Dabei standen Komplexe System und das Lösen von Herausforderungen im Mittelpunkt der Ausführungen von Kay Mühlmann.

„Wenn Sie heute vom Wort ‚komplex’ träumen, würde mich das nicht wundern“, verwies Mühlmann gleich zu Beginn auf die Häufigkeit der Verwendung des Wortes in seinem Vortrag hin, „aber es ist eben alles mehr als nur die Summe der Teile. Jeder von uns sieht nur einen Teil und kommt zu ganz anderen Schlussfolgerungen. Es geht um die Kommunikation, die über die Grenzen hinausgeht.“

Mühlmann sprach über komplexe Probleme, die über eine Vielzahl von änderbaren Faktoren verfügen und somit auch nicht mit einfachen logischen Lösung klärbar seien. Als Beispiele dafür führte er die Ernährungssicherheit, Migration, Klimawandel und die Ressourcenknappheit an. „Die Herausforderungen bei diesen Themen haben unterschiedliche Gesichter“, so Mühlmann, „und werden uns in den nächsten Jahrzehnten intensiv beschäftigen. Wir werden sie auch lösen müssen, damit unsere eigene Lebenswelt nicht aus den Angeln geworfen wird.“

„Es gibt keine singuläre Entwicklung“, so Mühlmann, „ein System entwickelt sich mit seiner Umwelt weiter. Ein System kann seine Dynamik auch von Grund auf ändern.“ Massenpanik sei ein Beispiel für den Wechsel eines Zustands: „Hier kommt es zur Änderung von Systemregeln.“

In weiterer Folge klärte Mühlmann über seine Forschungsinhalte auf. „Es geht um die wissenschaftsbasierte Untersuchung und Lösung von komplexen ‚real world’-Problemen. Mit dem Ziel der Entwicklung von nachhaltigen und machbaren Lösungen. Wir müssen voneinander lernen, uns gemeinsam an einen Tisch setzen und versuchen, neue Denkmuster zu schaffen.“ Der Wissenschafter konnte hier auch bereits einige umgesetzte Lösungsansätze präsentieren, wie zum Beispiel die Züchtung einer bestimmten Fliegenart („Soldatenfliege“), die in Afrika für leistbare Tierfutterproduktion sorgt. „Es ist die Geschichte der Fliege und wie sie Welt retten könnte“, so Mühlmann zum Abschluss eines sehr interessanten und spannenden Abends.

Das Waldviertel braucht Zuwanderung!

Mit der Diskussion „Fremd am Land. Integration im Waldviertel gestern – heute – morgen“, die am 17. Oktober 2017 im neuen Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich und in Kooperation mit dem Niederösterreichischen Institut für Landeskunde stattfand, kehrte die WALDVIERTEL AKADEMIE mit ihrem Programm nach längerer Zeit auch in die Landeshauptstadt St. Pölten zurück.

Moderator Reinhard Linke gratulierte Geschäftsführer Matthias Pacher gleich zu Beginn zum Erfolg des Hauses der Geschichte, welches im ersten Monat seines Bestehens bereits sensationelle Besucherzahlen feiern konnte. Danach wurde umgehend in die umfangreiche Thematik Integration und Migration eingeführt, welche an diesem Abend nicht nur aus aktuellen Gesichtspunkten, sondern auch mit geschichtlichem Hintergrund diskutiert wurde.

Elisabeth Loinig, Leiterin des NÖ Institutes für Landeskunde, bezog sich in ihrem Eingangsstatement auf den ersten Weltkrieg und verwies dabei auch auf die Ausstellung „Fern der Front 1914-1918“. „Das größte Flüchtlingslager des Waldviertels befand sich in Gmünd“, so Loinig, „die Unterbringung und die Versorgung waren natürlich eine große Herausforderung.“ Im Barackensystem gab es kaum Kontakte zur „Aussenwelt“, die Behörden waren aufgrund der Flüchtlingsanzahlen überfordert: „Die Integration ist hier gescheitert“, so Loinig.

Einen Schritt weiter ging der Historiker Niklas Perzi, der unter anderem für die Österreichische Akademie der Wissenschaften auch am gemeinsamen österreichisch-tschechischen Geschichtsbuch arbeitet. „1945 gab es 6 Millionen autochthone Österreicher und 1,2 Millionen Nicht-Österreicher“, so Perzi, „auch hier waren Essen und Wohnen die Hauptgebiete, die zu lösen waren.“  Die Leute hätten aber probiert, selbst unterzukommen, unter anderem in Scheunen und Bauernhöfen. „Letztendlich war die Integration in Niederösterreich aber eine Erfolgsstory“, so Perzi, „man kann das aber nicht mit heute vergleichen. Die Leute damals hatten eine ähnliche Sprache, Mentalität, Berufe und Religion.“

Murat Düzel, Fachexperte für Integrationsangelegenheiten beim Land Niederösterreich, ging auf die aktuelle Situation ein. „13,8 Prozent der niederösterreichischen Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund. Für uns sind die soziale Integration und die Identität sehr wichtig. Der Spracherwerb ist aber ganz klar die Eintrittskarte in die Integration“, so Düzel.

Mit den zusätzlichen Herausforderungen, die Fremdsein in ländlichen Gebieten mit sich bringen, beschäftigte sich die Geschäftsführerin des  Zentrums für Migrationsforschung Rita Garstenauer. „Wir haben uns auf die Verbindung von historischer und gegenwärtiger Migrationsforschung spezialisiert, vor allem am Land“, so Garstenauer, die vor allem die größeren Distanzen, die schlechtere Infrastruktur und die Unterstützung durch das Ehrenamt betonte.

Über die Digitalisierung und Automatisierung für eine bessere Zukunft im ländlichen Raum sprach Migrationsexpertin Gudrun Biffl. Sie sprach in ihrem Statement auch die zunehmende Abwanderung in der Region Waldviertel an, ein Thema, welches von WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzenden Ernst Wurz sofort relativiert wurde: „Bezirksmäßig gesehen gibt es im Waldviertel eine positive Zuwanderungsbilanz. Die Trendwende wurde also geschafft, es ist aber noch viel zu tun. Aber: 200 Betriebe suchen über 700 Arbeitskräfte, das Waldviertel braucht also Zuwanderung und Mehrkindfamilien, wenn es weiter zukunftsfähig bleiben will. Wir sollten jetzt entscheiden, welche Arbeitskräfte in der Region benötigt werden. “ Vor allem dieses Thema sorgte in der anschließenden Diskussion noch für einen lebhaften Ausklang eines spannenden Abends.

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Leben nicht nur in einer analogen Welt!

In Kooperation mit der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Wien/Krems und der Donau-Universität Krems lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am 10. Oktober 2017 zum Vortrag “Das digitale Zeitalter ist zu Ende. Der Mensch übernimmt wieder das Kommando” in das BG/BRG Waidhofen/Thaya. Das Interesse an den Ausführungen von Golli Marboe war dabei sehr groß.

Bürgermeister Robert Altschach bezog sich bei seiner Begrüßung auch auf die politischen Vorgänge der letzten Wochen. “Wenn Sie das digitale Zeitalter beenden können, würde ich Sie zum Ehrenbürger in Waidhofen machen”, so Altschach augenzwinkernd zu Marboe.

Golli Marboe selbst, Journalist und Medienexperte, der mit seinem Verein zur Förderung eines selbstbestimmten Umgang mit Medien auch Institutionen und Personen aller Altersklassen berät, verstand es dann einen kurzweiligen Überblick über ein sehr umfangreiches Thema zu geben. “Ich bin mit Medien aufgewachsen und habe deshalb keine Angst davor, ich freue mich, da ist sehr viel Service drin’”, so Marboe eingangs, “wir brauchen aber auch das Handwerkszeug für diese vierte Kulturtechnik, der selbstbestimmte Umgang mit Medien muss im Unterricht verankert werden.”

Auch mit den Jugendlichen sollte auf Augenhöhe kommuniziert und umgegangen werden. “Wir sind immer zu spät, wenn wir glauben, das machen zu müssen, was unsere Kinder machen”, so Marboe, der auch darstellte, dass die Gruppe, die am meisten in sozialen Medien aktiv ist, Frauen zwischen 30 und 40 sind. Auch vor der Angst vor Social Media und Co. relativierte er: “Medien sind technische Geräte, die nicht böse und nicht gut sind. Sie selbst bleiben derjenige, der die Medien füttert. Medienkonsum ist integraler Bestandteil unseres Alltags. Wir leben nicht mehr nur in einer analogen Welt und man kann diese beiden Welten auch nicht voneinander trennen.” Diese Behauptung untermauerte der Medienexperte auch mit Zahlen: “Letztendlich hat man derzeit mehr mit Medien zu tun, als man schläft. Dabei ist das Fernsehen nach wie vor das Leitmedium, vor allem für Kinder bis acht Jahre.” Hier plädierte Marboe für einen öffentlich-rechtlichen Kindersender, um Kinder besser zu informieren und vor Werbung zu schützen.

DSC_0263Für eine Unsitte hält Marboe auch die Benutzung von Nicknames in sozialen Medien. “Das muss beseitigt werden. Nicknames sind kontraproduktiv und ein großes Problem, weil wir unser Gegenüber nicht als Mensch ansehen, dem etwas weh tun kann.”

Bildung, Medien und Demokratie sind für Marboe ein “schöner und wichtiger Dreiklang”, weshalb auch journalistische Tugenden im Unterricht verankert werden sollten. “Wir brauchen mündige Bürger, die erkennen können, was guter Journalismus ist. Die Gratiszeitungen sind viel gefährlicher als das Netz”, so Marboe. Aufgrund der Schnelligkeit werden sich Medien ändern, weg von den Nachrichten hin zu Kommentaren.

In einer anregenden und spannenden Diskussion verlieh Marboe seinen Ausführungen und Forderungen noch einmal Nachdruck: “Wir müssen den Umgang mit Medien bereits in den Schulen lernen!” Äußerst erfreut über die bunte Mischung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer – Schüler und Jugendliche, Eltern und Lehrer sowie Bürgerinnen und Bürger aus der Region – zeigte sich auch WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzender Ernst Wurz, der betonte: “Seriöse Information ist dann möglich, wenn Quellen hinterfragt werden können und der verantwortungsvolle Umgang mit Medien früh gelernt wird.”

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Friede: Mehr als Abwesenheit von Krieg

Unter dem Titel “Bertha von Suttner – Gedenken an eine berühmte Österreicherin” lud der Verein Kulturen an der Grenze gemeinsam mit der WALDVIERTEL AKADEMIE am 28. September zu einer Diskussion in die Orangerie des Schlosses Harmannsdorf.

 Politikwissenschafterin Sabine Stadler hatte den Abend, der dank der Unterstützung der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung ermöglicht wurde, konzipiert und führte nach der Begrüßung durch den Obmann des Internationalen Bertha von Suttner-Vereins Albert Reis auch in das Thema und Leben der berühmten Österreicherin ein. In Prag geboren, danach in Österreich – unter anderem auch im Schloss Harmannsdorf aktiv und gelebt – bis zu ihrem Tod 1914 in Wien. “Bertha von Suttner war Europäerin”, so Stadler.

Danach standen die beiden Expertinnen Elisabeth Hewson – sie hat ein Buch für Jugendlich unter dem Titel “Bertha” verfasst – und Konfliktforscherin Elisabeth Jalka im Mittelpunkt. In einer äußerst launigen Doppel-Conference, die mit vielen Hintergrundinformationen zum Leben der Bertha von Suttner gespieckt waren, gestalteten die beiden einen sehr kurzweiligen Abend, der sich auch mehr Zuhörerinnen und Zuhörer verdient hätte. Hewson schilderte auch ihre Beweggründe, ein Kinderbuch zu verfassen: “Die Idee kam mir beim Skifahren. Ich dachte mir, wie kann ich die Geschichte adäquat für Jugendliche erzählen. Und wie kann den Grundgedanken vermitteln: Wie kämpferisch muss ich sein, um Frieden zu stiften.”

Die beiden Damen berichteten nicht nur über das Leben von Bertha von Suttner, 1843 geboren und als erste Frau 1905 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, sondern auch über ihre eigene Arbeit und Erlebnisse mit den Gedanken der berühmten “Friedensbertha”. “Nur wo Konflikte sind, kann etwas entstehen”, so Jalka, “das Leben ist Bewegung und Bewegung ist Konflikt. Wir alle haben Angst vor Konflikten, weil wir nie gelernt haben zu straiten. Wir müssen das aber lernen, damit kann man so vieles verstehen.” Autorin Hewson hatte nach dem Appell von Jalka auch gleich einen Tipp parat: “Ich hätte mir gewünscht, dass alle derzeitigen Wahlkämpfer hier wären. Bei uns in Österreich gibt es ja keine Diskussionskultur.”

In einer spannende Diskussion auch mit dem Publikum wurde auch das Vermächtnis der Bertha von Suttner in der heutigen Zeit angesprochen. “Sie hat so viele Steine ins Rollen gebracht”, so Jalka, “oft hört man, sie ist gescheitert, aber das ist ein Blödsinn. Friede ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Friede ist die Beschäftigung mit Konflikten. Das haben wir auch von ihr gelernt.” Beide Expertinnen kritisierten aber auch, dass es bis heute kein Denkmal und zu wenig Würdigung in Österreich für die berühmte Friedensforscheirn gegeben hat. “Je mehr Menschen über sie sprechen, desto mehr Aufmerksamkeit wird sie in der Gesellschaft bekommen”, so Jalka, “es gibt aber keine Partei oder ähnliches, die sich für sie einsetzen würde. Sie hat zu wenig Würdigung in der Stadt, der Geschichte und in Büchern – dabei begeistert ja vor allem ihre Zivilcourage.”

“Die Beschäftigung mit der Person Bertha von Suttner, ihrem Leben und ihren Thesen passt perfekt zu einer Institution wie der unsrigen”, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer, “wir haben einen wunderbaren und spannenden Abend erlebt und ich danke allen Beteiligten für die Zusammenarbeit”.

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Müssen alle an einem Strang ziehen!

„Landarzt adé. Medizinische Primärversorgung im Waldviertel im Jahr 2030“ lautet der Titel einer Diskussion der WALDVIERTEL AKADEMIE (in Kooperation mit der Niederösterreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin) am 22. September 2017 im Gemeindesaal Windigsteig. Der Andrang dazu war groß, fast 150 Interessierte waren, unter ihnen auch viele Vertreterinnen und Vertreter aus dem Gesundheitsbereich, gekommen.

Wie sieht das Gesundheitssystem der Zukunft aus und wie kann die medizinische Versorgung auch in ländlichen Gebieten wie im Waldviertel angesichts der steigenden Zahl an fehlenden Allgemeinmedizinern gesichert werden? Diese Fragen stellten den Grundtenor der Veranstaltung zu einem hochaktuellen Thema dar. Josef Baum, Ökonom und als Obmann des Verkehrs- und Regionalforums Waldviertel aktiv, stellte gleich zu Beginn klar: „Das Gesundheitssystem ist spitze, aber die Frage der Verteilung in räumlicher und sozialer Hinsicht ist wichtig.“ Er berichtetet, dass mehr als die Hälfte der Vertragsärzte in der Region über 55 Jahre alt seien. „Wie sind diese Stelle nachzubesetzen und mit welchem Geld?“, so Baum, der auch von einer insgesamt vergleichsweisen höheren Versorgungsdichte sprach, was aber in einer Region mit geringer Bevölkerungsdichte nur wenig Aussagekraft über den realen Zugang zu medizinischer Versorgung hat.

DSC_0107Aus den Regionen berichteten Bürgermeister Karl Harrer (Kleinregion Waldviertler StadtLand) und Bürgermeisterin Anette Töpfl (Zukunftsraum Thayaland). Hier wurde erstmals auch ein direkter Appell (weitere sollten folgten) an die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse (trotz Einladung konnte kein Vertreter für diese Diskussion gewonnen werden) gerichtet. „Die NÖ GKK ist bestrebt, diese Stellen, die frei werden, nachzubesetzen“, so Harrer. Töpfl sprach von positiven Beispielen in Thaya und Gastern, wo für pensionierte Landärzte ein Nachfolger gefunden werden konnte. „Um hier perfekte Voraussetzungen zu schaffen, ist aber auch ein großer finanzieller Aufwand, oft zwischen 100.000 und 300.000 Euro, notwendig“, so Töpfl, die betonte: „Wir müssen unsere Region positive darstellen und mit der Lebensqualität vor Ort werben.“

Susanne Rabady, selbst Allgemeinmedizinerin in Windigsteig, lenkte die Aufmerksamkeit dann auf die Ausbildung. „Allgemeinmedizin ist kein anerkanntes Fach, das ist eine Katastrophe. Es gibt keine ausreichende Ausbildung zum Hausarzt“, so Rabady. Sie selbst genieße ihren Beruf, dennoch sei für junge Ärzte eine Niederlassung auf dem Land ein Risiko für die Zukunft, dass schwer abschätzbar sei. „Die finanziellen und bürokratischen Hürden sind hoch, die Arbeitszeiten sind natürlich auch nicht toll“, so die Ärztin, die auch forderte: „Wir brauchen ein Maßnahmenpaket, dass alles gemeinsam behandelt und wieder mehr Landärzte in die Regionen bringt. Es gibt immer noch keine Finanzierung für den Ausbildungsbestandteil Lehrpraxis, hier ist dringlichst das Bundesgesundheitsministerium am Zug.“

Der Allentsteiger Gemeindearzt Karl Danzinger berichtete, dass im Waldviertel derzeit drei Landarzt-Stellen vakant seien. „Wo sollen diese Ärzte herkommen?“, fragte Danzinger, der auch die Idee der Primärversorungszentren kritisierte. „Wie sollen die Ärzte hier bezahlt werden? Für die ländlichen Regionen ist so ein Zentrum sicher nicht geeignet. Primärversorgungszentren sind nur in den Städten möglich, aber was ist dann mit den anderen Orten in der Region?“

Stichwort für Silke Eichner, die selbst in Oberösterreich im Gesundheitszentrum „die Hausärtze“ in Enns tätig ist. „Wir hatten lange Vorbereitungen, sind aber nun froh, dass wir dieses Zentrum haben und arbeiten mit allen Beteiligten sehr gut zusammen“, so Eichner. Im Zentrum sind neben den Allgemeinmedizinern u.a. eine diplomierte Krankenschwester, eine Logpädin, eine Physiotherapeutin, ein Sozialarbeiter, eine Ergotherapeutin und eine Diätassistentin tätig. „Gerade für ältere Patienten ist das ein Vorteil. Jeder hat seinen Hausarzt, das Zentrum wurde gegründet, um die ärztliche Versorgung sicherzustellen.“

Ulrike Schuster, frei praktizierende Hebamme aus Hoheneich, Amra Karadza, leitende Pflegefachkraft beim NÖ Hilfswerk, Volkshilfe-Regionalleiterin Gerlinde Oberbauer und Caritas-Pflegedienstleiterin Helga Tersek berichteten im Anschluss auch aus ihrer erlebten Praxis. „Wir müssen auch Fachärzte nachbesetzen, nicht nur Allgemeinmediziner“, erinnerte Schuster. „Wir sind auf unsere Hausärzte angewiesen“, war der Tenor der Diskutierenden, „ohne sie werden wir am Land nicht überleben können.“ Tersek ließ zum Ende auch aufhorchen: „Uns geht es in der Hauskrankenpflege auch nicht besser, haben einen Mangel an dieser Berufsgruppe.“

Im Anschluss an die Ausführungen auf dem Podium war auch das Publikum gefragt, sich in die Diskussion einzubringen und Fragen zu stellen. Andreas Gold, Radiologe aus Waidhofen, stellte dabei emotional seine Sicht der Dinge dar: „Wir sind in der Phase der Reanimation, was unser Gesundheitssystem betrifft. Wir bilden zu wenig Ärzte aus, die Zugangsbeschränkung ist unglaublich. Wenn wir keine Ärzte haben, können wir auch keine ausbilden. Weg mit den Zugangsbeschränkungen, Bildung muss frei sein.“ In eine ähnliche Kerbe schlug auch Litschau-Gemeindearzt Christoph Ehrlich: „Die jungen Ärzte fühlen sich nicht gut genug ausgebildet für die Position des Allgemeinmediziners. Das ist eine Katastrophe.“  Auch Christoph Preissl, Gemeindearzt in Kirchberg/Walde, übte Kritik: „Die Gebietskrankenkasse ist dafür verantwortlich, dass die Versorgung gegeben ist, es ist unglaublich, das hier heute kein Vertreter anwesend ist. Wir brauchen Visionen und neue Modelle für die Region, alle Player müssen an einem Strang ziehen.“

Dabei ist natürlich auch die Politik gefragt. Gerald Matzinger, Bürgermeister in Groß Siegharts, schilderte die Schwierigkeit, die Nachfolge von Ärzten in den Gemeinden zu regeln. „Wichtig ist, dass wir zusammenhalten. Was ich so höre, sollten wir die Ausbildung auf jeden Fall hinterfragen. Aber eines ist klar: Ich lechze nach jedem Arzt, der will.“ Bundesrat Eduard Köck berichtete von der erfolgreichen Nachbesetzung der Praxis in Thaya, bezog danach aber auch Stellung: „Wir müssen das Waldviertel attraktiv darstellen und versuchen, die Menschen an uns zu binden. Dann ist es möglicherweise einfacher, auch Ärzte für die Region zu gewinnen.“

„Die fundierten Beiträge am Podium und im Publikum zeigten klar, dass die Sorge um die notwendige Primärversorgung im Waldviertel berechtigt ist“, zog Ernst Wurz, Vorsitzender der WALDVIERTEL AKADEMIE Resümee, „wir werden daher an diesem Thema dran bleiben und die Lösungsvorschläge an die Verantwortungsträger weiterleiten.“

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