Workshop: Demokratie neu gedacht!

Rund 40 Schülerinnen und Schüler der zweiten Klassen der BHAK/BHAS Waidhofen/Thaya nahmen am Montag, 20. Februar am von der WALDVIERTEL AKADEMIE organisierten „Demokratie-Workshop“ teil. Durchgeführt wurde dieser von Tamara Ehs und Florian Sturm von der IG Demokratie, unterstützt von der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung.

„Politik soll sich um das gute Leben kümmern“, so Ehs zu Beginn, „und das kann sich für alle ausgehen. Wir schauen uns an, wie kann man überhaupt noch politisch handeln?“ Und Kollege Sturm ergänzte: „Wie kann man eine Welt schaffen, die für alle funktioniert?“

In dem fast vierstündigen Workshop wurden Politik-Erfahrungen ausgetauscht, neue Formen von Wahlsystemen vorgestellt und der Frage nachgegangen, was kann ich selbst für ein besseres Leben machen?

Weltpolitik, Donald Trump, Flüchtlingspolitik und das Schulsystem waren Begriffe, die die Schülerinnen und Schüler, die sehr engagiert mitarbeiteten, zu Beginn in den Raum stellten. Auch wurde von den beiden Workshop-Leitern dargestellt, das alles auf dieser Welt mit Politik zu tun hat – auch Liebe, Tiere, Musik und Sport. „Alle Dinge haben politische Aspekte. Von früh bis spät ist man damit konfrontiert, dass man nicht allein auf dieser Welt ist“, so Ehs.

Spannende Ergebnisse brachte auch die Abfrage von Aussagen zutage. „Es muss sich etwas ändern auf dieser Welt“ bekam die volle Zustimmung, rund zwei Drittel bestätigten „Mir ist es wichtig, dass ich mitbestimmen und mitreden kann.“

Den Abschluss bildete die ganz konkrete Fragestellung „Wo kann ich mich selbst engagieren und was kann ich konkret machen, um im eigenen Umfeld das zu ändern, das mich stört?“. Umwelt- und Tierschutz, Gemeinde, Flüchtlingsthematik, Arbeitsplätze und Wirtschaft aber auch das Schulsystem waren hier wichtige Thematiken.

Die Feedback-Runde zum Ende des Nachmittags bestätigte die Beobachtungen während des Nachmittags, gab es hier doch viel Lob für die beiden Vortragenden. „Ich bin sehr froh, dass Tamara Ehs im Vorjahr an uns herangetreten ist“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer, „und dass wir mit den Schülerinnen und Schülern und Martina Dorfinger von der BHAK/BHAS Waidhofen/Thaya einen motivierten Partner zur Umsetzung gefunden haben.“

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„Sie werden dafür bezahlen!“

Am Donnerstag, 26. Jänner 2017, luden die BHAK/BHAS Waidhofen/Thaya und die WALDVIERTEL AKADEMIE zum Vortag “Milliardengrab Hypo Alpe Adria”. Rund 140 Interessierte waren gekommen, um sich vom Wirtschaftsprofessor Josef Aff “das größte ökonomische Geldvernichtungsprojekt” erklären zu lassen.

dsc_0002Unter den Zuhörern waren auch Vertreter der Banken (Kurt und Martin Bogg), der Wirtschaft (Dietmar Schimmel), der Beratungskanzleien (Thomas Lebersorger) und der Politik (Melitta Biedermann). All jene Bereiche spielten auch im Fall Hypo Alpe Adria eine große Rolle, wie Josef Aff, ehemaliger Vorstand des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der Universität Wien, erklärte: “Wir bewegen un shier immer an der Schnittfläche von Politik und Wirtschaft.”

Aff erklärte detailliert und verständlich wie aus der 1896 als kleine Hypothekenbank gegründete Hypo mit der Umwandlung in eine AG im Jahr 1991 und dem geplanten Turbo-Wachstum in den Jahren 1992 bis 2006 ein multinationaler Player wurde. Allein von 1992 auf 2008 waren die Bilanzsumme von 1,9 Milliarden Euro auf 43,3 und der Mitarbeiterstand von 30 auf 8.100 gestiegen. “Kreditvergabe und -kontrolle lagen hier im Argen”, so Aff, “in der Ära Haider erfolgten Kreditvergaben auf Zuruf, nach dem Motto, das Land Kärnten bin ich.”

Nicht minder spannend gestalteten sich die Ausführungen über den Verkauf der Hypo nach Bayern und die zwei Jahre erfolgte Notverstaatlichung, die als “teuerste Nacht der 2. Republik” in die Geschichte eingeht. “Hier wurde absolut unklug agiert”, stellte Aff fest, der aber auch die Zeit danach kritisierte. “Es war ein Sündenfall, nicht gleich eine Bad Bank zu gründen. Wir reden hier von Milliarden, die verloren gingen, nicht von Peanuts”.

Zu guter Letzt listete Aff natürlich auch die Kosten, die vom Steuerzahler zu tragen sind, auf. “Wie viel dieses Debakel genau kosten wird, ist nach wie vor nicht geklärt”, so Aff, “aber eines ist klar: Sie alle werden dabei sein, wenn das Geld zurückgezahlt wird.” Schätzungen zufolge wird sich das Debakel auf sechs bis elf Milliarden Euro belaufen.

In einer sehr anregenden Diskussion wurden auch Vorschläge gegeben, wie solche Fälle in Zukunft verhindert werden könnten. “Ich würde mir ein Gesetz wünschen, dass auch Bundesländer in Konkurs gehen können”, so Aff, “allein die Möglichkeit würde sie etwas disziplinieren.”

“Wir sind sehr froh, dass wir diesen Abend gemeinsam mit der BHAK/BHAS durchführen konnten”, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer, “das große Interesse und die spannenden Ausführungen und Diskussionen haben gezeigt, dass sich die Bevölkerung auch mit diesen komplexen Themen auseinandersetzt und ein großes Interesse an Wirtschaft und Politik haben.”

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„Müssen gut sanieren!“

Am Donnerstag, 20. Oktober 2016, lud die WALDVIERTEL AKADEMIE gemeinsam mit der Energieagentur der Regionen, der Donau-Universität Krems und der Stadtgemeinde Waidhofen zu den Waldviertler Vorlesungen unter dem Titel „Hausverstand. Die Intelligenz traditioneller Hausformen in unterschiedlichen Klimazonen Österreichs“ in den Stadtsaal. Gregor Radinger und Otmar Schlager gaben dabei einen spannenden Einblick in Hausformen, Klimabedingungen und Energieeinsparungspotentiale.

Architekt Radinger, der an der Donau-Universität in Krems tätig ist, gab zunächst einen geschichtlichen Abriss über die Architekturgeschichte, von der Bauernhausforschung bis heute. „Wir alle wurden vom so genannten Internationalen Stil, der ab 1922 große Veränderungen brachte, stark beeinflusst“, so Radinger. Danach zeigte der Architekt auf, welche Typen von bäuerlichen Gebäuden in welchen Regionen Österreichs gebaut wurden. „Diese unterschiedlichen Hausformen – vom alpinen Einhof bis zu den außeralpinen Formen – müssen dann natürlich in einen klimatischen Kontext gesetzt werden“, so Radinger. So könne gut dargestellt werden, dass sich die Hausformen nicht nur an die vor Ort vorhandenen Rohstoffe angepasst haben, sondern vor allem auch an die klimatischen Bedingungen. Derzeit forscht Radinger mit seinem Team an Originalobjekten, um zu zeigen, wie die diversen Hofformen das Leben der Menschen beeinflussten.

Der Geschäftsführer der Energieagentur der Regionen, Otmar Schlager, ging in seinem Vortrag auf die regionalen Klima- und Energiekonzepte des Waldviertels ein. „Wir haben 12.500 Gebäude im Bezirk, davon sind rund 11.000 Wohngebäude“, so Schlager, „hier geht es vor allem darum, die Heizenergiekennzahlen zu senken und das ist mit dem heutigen technischen Stand absolut möglich.“ Schlager gab einen Überblick, welche Einsparpotentiale es im Energiebereich gibt und präsentierte dabei auch die erfolgreichen Mustersanierungen seiner Institution. „Bei der Volksschule Waidhofen konnten 85 Prozent der Heizkosten eingespart werden.“

In einer lebhaften Diskussion, an der sich unter anderem auch Firmenchef Willibald Longin und Reissmüller-Zimmermeister Johann Dangl beteiligten, war man sich schnell einig: „Wir müssen nicht nur versuchen günstig zu investieren, sondern auch an die Folgekosten denken und gut sanieren.“

„Mit den letzten Waldviertler Vorlesungen im Jahr 2016 hat der Begriff Hausverstand eine ganz neue Bedeutung bekommen“, zeigte sich WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzender Ernst Wurz zufrieden und freut sich schon auf eine Fortsetzung 2017.

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Nicht nur mit Vollgas unterwegs sein!

Am Donnerstag,11. Oktober 2016, lud die WALDVIERTEL AKADEMIE gemeinsam mit der VHS Horn, der KPH Wien/Krems, der Donau-Universität Krems und der Stadtgemeinde Horn zu den Waldviertler Vorlesungen unter dem Titel „Stress im Griff. Wie Sie sich erfolgreich vor einem Burn-Out schützen“. Der Pöggstaller Allgemeinmediziner Thomas Schöggl gab dabei einen interessanten Einblick in die Entstehung und Symptome von Stress sowie Möglichkeiten zur Prävention.

Vor einem gut gefüllten Festsaal im Horner Kunsthaus (mit Bezirkshauptmann Johannes Kranner, Waldviertel-Tourismus-Geschäftsführer Andreas Schwarzinger, Pfarrer Johannes Mikes und Oberst Josef Fritz war auch zahlreiche Prominenz anwesend) zeigte Schöggl zu Beginn auch die volkswirtschaftlichen Kriterien von Stresserkrankungen auf: Die psychisch bedingten Krankenstandstage seien innerhalb von 20 Jahren von 1 Million im Jahr 1994 auf 3,6 Millionen 2014 gestiegen. „1 Million Österreicher sind Burn-Out gefährdet“, so Schöggl und weiter: „Es wird was getan, aber die Maßnahmen greifen nicht. Man könnte überspitzt sagen, die Lage ist out of control.“

In seinen Ausführungen wies der Mediziner darauf hin, dass bei der Entstehung von Burn-Out immer mehrere Faktoren zusammenkommen. „Belastende Arbeitsverhältnisse oder Lebenssituationen, Überorganisation, mangelnde Trennung von Beruf und Privatem, aber auch positiver Stress, zB wenn man im Sport zu lange und zu hart trainiert, können krank machen“, so Schöggl.

An Burn-Out erkrankte Personen durchlaufen meist zwölf Stadien – von der Übermotivation bis hin zur völligen Leere und Depression – und zeigen Symptome wie Schlafstörungen, Angstzustände sowie Traurig- und Mutlosigkeit. „Die Balance von Stress und Erholung ist natürlich das Wichtigste“, so Schöggl, der mit dem Publikum auch mehrere praktische Erholungsübungen durchführte.

„In Österreich leiden zwei bis drei Millionen Menschen an Schlafstörungen“, so Schöggl, der auf die richtigen Präventionsmaßnahmen verwies. Mittels der sogenannten HRV-Analyse kann der Ist-Zustand mittels verschiedener Stressmessungen genau ermittelt werden, ehe verschiedene Aktionen in den Bereichen Entspannung, Empowerment und Stabilisierung gesetzt werden können. „Man kann die Tendenzen umkehren und so wieder zu einem gesunderen Leben zurück kommen“, so Schöggl.

Im Rahmen einer lebendig geführten Diskussion ging Schöggl auch noch auf die Themen Mobbing und neue Medien („Es gibt hierfür noch keine Umgangskultur“) um und stellte für das berufliche Umfeld fest: „Die Wertschätzung der Mitarbeiter sollte weit über die Finanzen gestellt werden.“

„Die Themen Stress und Burn-Out-Gefährdung gehen quer durch alle Berufs- und Altersgruppen“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzender Ernst Wurz zum gelungenen Abend, „die heutige Waldviertler Vorlesung lieferte wertvolle Hinweise, Symptome rechtzeitig zu erkennen und durch Gegensteuern helfend einzugreifen.“

Am 20. Oktober findet die Reihe „Waldviertler Vorlesungen“ mit ihrer fünften Ausgabe, diesmal zum Thema „Hausverstand“ im Stadtsaal Waidhofen/Thaya, seinen Schlusspunkt.

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Es ist furchtbar, darüber zu reden!

Mit einer ganz besonderen Veranstaltung hat die WALDVIERTEL AKADEMIE in Kooperation mit Stark-Buch, der Donau-Universität Krems und der Stadtgemeinde Gmünd am Mittwoch, 28. September ihren Jahres-Schwerpunkt „Was braucht der Mensch? Unser Leben zwischen Hoffnung und Chancen“ abgeschlossen.

Mit Marko Feingold war der Präsident der Isrealitischen Kultusgemeinde zu Gast, und weit mehr als 200 Gäste waren gekommen, um seinen Ausführungen im ausverkauften Palmenhaus zu lauschen. Der mittlerweile 103jährige hat vor einigen Jahren seine Biographie „Wer einmal gestorben ist, dem tut nichts mehr weh“ herausgebracht und sprach fast drei Stunden über sein Leben.

Feingold überlebte vier Konzentrationslager, zeigte aber an diesem Abend auch, dass er sich seine Lebensfreude und seinen Humor erhalten hat. „Es ist furchtbar, darüber zu reden“, erzählte Feingold an diesem Abend seine berührende Geschichte. Im Konzentrationslager Auschwitz magerte er innerhalb von nur zwei Monaten von 55 auf unter 30 Kilogramm ab. „Man kann sich diesen Zustand nicht vorstellen“, so Feingold, „man beginnt körperlich zugrunde zu gehen, die Häftlinge sind stehend gestorben.“

Feingold sprach über seine schwierige Zeit, aber auch über die Monate nach der Befreiung aus Buchenwald, in der eine Verpflegungsstätte für politisch Verfolgte leitet und unzähligen KZ-Überlebenden bei ihrer Flucht nach Palästina hilft. „Es ist unglaublich, dass so etwas unter Menschen möglich ist“, so Feingold, „man hat sich eher den Tod gewünscht als so eine Behandlung.“

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Alle Fotos: (c) Reinhard Stark

Trotz der „Überlänge“ der Abendveranstaltung lauschte das Publikum den Ausführungen von Feingold gespannt und nutzte im Anschluss auch noch die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mit Feingold über sein Leben zu diskutieren.

Das Leben bewusst genießen!

Am Donnerstag, 22. September 2016, lud die WALDVIERTEL AKADEMIE gemeinsam mit dem Landesklinikum Waidhofen/Thaya, der FH Krems, der Donau-Universität Krems und der Stadtgemeinde Waidhofen/Thaya zu den Waldviertler Vorlesungen unter dem Titel „DNA-Genetik-Epigenetik. Neue Erkenntnisse in der zukunfts- und patientInnen-orientierten (Krebs-)Forschung“. Krebsforscherin Rita Seeböck und Onkologie-Experte Andreas Kretschmer gaben dabei einen interessanten Einblick in den Aufbau des Körpers und zu aktuellen Krebstherapien.

dsc_0166Vor einem prall gefüllten Konferenzsaal im Landesklinikum Waidhofen/Thaya gab Rita Seeböck vom Department Life Sciences der IMC FH Krems zunächst einen Überblick über die Grundlagen der Genetik, den genetischen Code und die Epigenetik. „Mit genauen DNA-Analysen können wir eine Therapieauswahl treffen, die für den einzelnen Menschen positive Effekte zeigt“, so die Wissenschafterin. Derzeit forscht Seeböck an einem Lungenkrebs-Projekt und geht der Frage nach „was kann man tun, um die Behandlungsmethoden noch personalisierter zu gestalten.“

Der Leiter der Inneren Medizin am Landesklinikum Andreas Kretschmer sprach danach über seine tagtägliche Arbeit und stellte gleich zu Beginn klar: „Die billigste Krebsverhinderung ist das Zigarettenrauchen zu verhindern, immerhin ist dies zu 90 Prozent der Auslöser dieser Krankheit.“

In einer lebendigen Diskussion wurden im Anschluss auch noch viele Publikumsfragen zu verschiedenen Krebserkrankungen und möglichen Therapie- und Vorbeugemaßnahmen angesprochen. „Man ist aber nicht komplett schicksalsergeben“, so Kretschmer abschließend, „der Mensch ist selbst für sein Leben verantwortlich. Das Wichtigste ist, das Leben bewusst zu genießen.“

„Das große Interesse und die intensive Diskussion hat gezeigt, dass wir auch mit den Waldviertler Vorlesungen aktuelle und wichtige Themen der Region und Zeit aufgreifen“, freute sich Geschäftsführer Christoph Mayer über die Veranstaltungsreihe, die im Oktober zwei Fortsetzungen erlebt. Am 11. Oktober steht im Kunsthaus Horn „Stress im Griff. Wie Sie sich erfolgreich vor einem Burn-Out schützen“ am Programm, ehe am 20. Oktober im Stadtsaal Waidhofen das Thema „Hausverstand. Die Intelligenz traditioneller Hausformen in unterschiedlichen Klimazonen Österreichs“ diskutiert wird.

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Wunderschönes Pilsen

Am Freitag, 16. September 2016 führte die alljährliche Exkursion der WALDVIERTEL AKADEMIE in die Europäische Kulturhauptstadt des Vorjahres, nach Pilsen. 39 Interessierte aus dem Waldviertel und Wien sind unserem Aufruf gefolgt und verbrachten einen interessanten und spannenden Tag in unserem Nachbarland.

dsc_0100Den Auftakt machte ein Besuch im Techmania Science Center. Wissenschaft und Technik erleben, das steht hier im Mittelpunkt. Unzählige Ausstellungsobjekte und interaktive Elemente laden ein, physikalische und astronomische Phänomene zu verstehen und verschiedene Funktionsweisen technischer Elemente kennenzulernen. „Es ist ein Ort, an dem das Kind in einem wieder erweckt wird“, fasste einer der Teilnehmer den Besuch treffend zusammen.

Nach dem Mittagessen im bekannten Gasthaus „Svejk“ wurde die Reisegruppe durch die Innenstadt geführt. Eine Besichtigung der St. Bartholomäus-Kirche und des Platzes der Republik durfte dabei natürlich nicht fehlen. Das Ende der Führung bildete die Pilsner Brauerei, gleichzeitig letzter Programmpunkt der Exkursion.

In einer fast zweistündigen, äußerst ansprechenden und interessanten Führung, erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer viel Wissenswertes über das Bierbrauen und die Brauerei an sich, dabei durfte natürlich eine Verkostung nicht fehlen. Im Brauerei-eigenen Restaurant fand die Exkursion einen gemütlichen Abschluss, ehe die Reise zurück ins Waldviertel angetreten wurde.

dsc_0075Die Exkursion wurde unter dem Titel „Schönheiten Tschechiens kennenlernen“ durchgeführt und von der NÖ Landesakademie, Aktion „Wir sind Nachbarn“ unterstützt.

Abschluss mit Wirtschaftsmatinee

900 TeilnehmerInnen an vier Tagen, mit fast 300 BesucherInnen ein neuer Eröffnungs-Rekord und viele interessante Gespräche und Diskussionen. Mit dem Wirtschaftsmatinee am Sonntag bei Waldland in Oberwaltenreith gingen die erfolgreichen Sommergespräche 2016 zu Ende.

„Was braucht der Mensch? Unser Leben zwischen Hoffnung und Chancen“ gehört zu den erfolgreichsten Themen, die die Sommergespräche in den letzten drei Jahrzehnten aufgegriffen hat. Am Sonntag wurde mit dem Matinee in Kooperation mit dem Wirtschaftsforum Waldviertel ein idealer Abschluss gefunden.

Freizeitforscher Peter Zellmann, der frühere Exekutivdirektor der Weltbank Kurt Bayer sowie die Unternehmer Christof Kastner und Gerhard Zinner diskutierten über die Frage „Wirtschaft und Arbeit. Lebenssinn oder Notwendigkeit?“. Schnell herrschte grundsätzliche Einigkeit: „Wir brauchen eine Gleichwertigkeit von Arbeit und Freizeit, nicht entweder oder. Lebenssinn oder Notwendigkeit? Beides“, formulierte es Zellmann.

Auch Zinner war hier einer Meinung: „Arbeit und Wirtschaft: Lebenssinn UND Notwendigkeit, das ist mein Zugang.“ Und Kastner fügte hinzu: „Was gibt es Schlimmeres als eine berufliche Tätigkeit, die keinen Sinn ergibt?“

„Ein gut gefüllter Saal am Sonntagvormittag zeigt das große Interesse an unseren Themen“, so Geschäftsführer Christoph Mayer, der zufrieden Bilanz zog: „Wir hatten nicht nur tolle ReferentInnen und sehr guten Besuch, auch die Stimmung war exzellent, die Rückmeldungen unserer TeilnehmerInnen äußerst zufriedenstellen. So freuen wir uns schon auf die Sommergespräche im Jahr 2017!“

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Justizminister diskutierte in Weitra

Der Sommergespräche-Samstag widmete sich zwei verschiedenen Themenblöcken: Am Vormittag standen Sicherheit und Ordnung im Mittelpunkt, der Nachmittag drehte sich um die Themen Bildung und Ausbildung.

Einen vollen Rathaussaal Weitra bescherte der Auftritt von Justizminister Wolfgang Brandstetter, der gemeinsam mit Diplomat Wolfgang Brandstetter unter dem Titel „Welche Spielregeln braucht Österreich?“ diskutierte. „Wenn sich Menschen unsicher fühlen, dann ist das meine Aufgabe, das zu ändern“, so Brandstetter, „das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung muss ernst genommen werden.“ Neben innenpolitischen Themen und der Europäischen Union wurde auch das Flüchtlingsthema heiß diskutiert. „“Es muss ein Willkommen geben, wenn es um Menschen geht“, so Petritsch.

Eine äußerst hochkarätige Podiums-Runde nahm sich am Nachmittag der Diskussion „(Aus-)Bildung?“ an. „Ich möchte mehr Kreativität in unseren Schulen, mehr Offenheit und Initiative“, so Landesschulratspräsident Johann Heuras. Er wurde von Psychologin Brigitte Rollett bestärkt: „Wo Interessen bestehen, entsteht Eigeninitiative.“ Wirtschaftskammer-Experte Alfred Freundlinger und AMS-Niederösterreich-Geschäftsführer Karl Fakler widmeten sich in ihren Beiträgen vor allem der Ausbildung und den Berufsbildern. „Es soll auch mir selber Spaß machen“, betonte Fakler.

Zum dritten Mal ging am Samstag auch ein literarischer Abend in Kooperation mit dem Wald4tler Hoftheater in Pürbach über die Bühne. Die Sängerin Timna Brauer trug die Novelle „Wie viel Erde braucht der Mensch?“ des russischen Schriftstellers Leo Tolstoi vor und wurden von Elias Meiri am Piano musikalisch begleitet. „Das Hoftheater war beinahe ausverkauft“, so Mayer, „wir haben hier eine Zusammenarbeit ins Leben gerufen, die zu den Höhepunkten an diesem Wochenende gehört.“

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Freiheit, Hoffnung und Lebenssinn

Nach dem Eröffnungs-Besucher-Rekord am Donnerstag verlief auch der erste „Symposium-Tag“ der Sommergespräche am Freitag sehr erfolgreich.

Unter dem Titel „Was braucht der Mensch? Unser Leben zwischen Hoffnung und Chancen“ diskutierten am Freitagvormittag im Rathaus Weitra die beiden Philosophen Peter Kampits und Andrzej Kiepas sowie die VinziRast-Gründerin Cecily Corti.

„Die Politik als Ordnungsmacht ist von der Wirtschaft aufgefressen worden“, sparte Beiratsvorsitzender Kampits dabei nicht mit Kritik, sprach aber auch die Themen Freiheit, Sicherheit, Hoffnung und Würde an. „Was bracht der Mensch wirklich?“, fragte Kampits und gab sogleich die Antwort: „Er braucht den anderen Menschen!“

Der polnische Technik-Philosoph Kiepas ging danach der Frage nach, welche Menschenrechte wir heutzutage überhaupt brauchen und wie diese sich weiterentwickeln müssen. „Der Mensch braucht Zufriedenheit und Vertrauen – an sich selbst und die anderen Menschen“, so Kiepas abschließend.

„Wir wollen den Menschen nicht erziehen, wir wollen Raum schaffen“, betonte Cecily Corti, die in einem Interview mit Eva Pfisterer auf ihre Tätigkeit und ihr Leben einging. Auch das Thema Sicherheit war dabei ein großes Thema. „Ich fürchte mich nicht vor dem Verlust von Sicherheit, weil ich nicht mehr verlieren kann als mein Leben“, so Corti.

Nach der Mittagspause unternahm die WALDVIERTEL AKADEMIE eine Exkursion nach Schrems. Ziel war das Kunstmuseum Waldviertel, in dem Kurator Bernhard Antoni eine große Besucher-Gruppe durch die aktuelle Ausstellung von Makis Warlamis führte.

Im Anschluss stand die Diskussion „Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Der Mensch zwischen Sehnsucht und Notwendigkeit“ auf dem Programm. „Wir leben in der Zeit der extremen Polarisierungen – von zu viel und zu wenig“, so Psychotherapeutin Rotraud Perner, die auch betonte: „Den Sinn des Lebens sehe ich darin, die Fähigkeit zu lieben zu vervollkommnen und im Alltag möglichst überall dort einzubringen, wo sie mangelt.“

Psychotherapeut Alfried Längle ging in seinen Ausführungen dem Begriff der Sinnfindung nach. „Von allen Fragen ist die bedeutsamste und folgenschwerste jene nach dem ‚Wozu?'“, so Längle und weiter: „Das Aufkommen der Sinnfrage hat einen Sinn, um uns zu besinnen und wieder auf die Suche zu machen nach Horizonten und Umgangsformen mit dem Leben.“

Silke Kropacek, die nach einem schweren Autounfall im Jahr 1996 im Rollstuhl sitzt und eine Selbsthilfegruppe leitet, erzählte danach bewegend aus ihrem Leben. „Ich möchte keine Minute in meinem Leben missen“, so Kropacek, die auch betonte: „Alles was im Leben passiert, hat einen Sinn.“

Seinen Abschluss fand der intensive und spannende Tag im Kino Gmünd mit der Filmvorführung „Peace One Day“.

Rund 250 Besucherinnen und Besucher durfte die WALDVIERTEL AKADEMIE am Freitag begrüßen. „Die Sommergespräche werden – wie in den letzten Jahren – sehr gut angenommen“, so Christoph Mayer erfreut, „das bestätigt unsere Arbeit und die Auswahl der Themen.

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