Wir müssen selbst aktiv werden!

“Social Media. Nutzen oder Gefahr?” war der Titel einer Veranstaltung der WALDVIERTEL AKADEMIE, die am 22. Mai in der Raiffeisenbank Waidhofen/Thaya über die Bühne ging. Unter großem Interesse diskutierten der Berliner Internetsoziologe Stephan Humer, die Journalistin Ingrid Brodnig und der ehemalige HAK-Schulsprecher Jakob Müssauer.

 Raiffeisen-Direktor Kurt Bogg führte bei seiner Begrüßung auch kurz in das Thema ein: “Alles verfolgt uns, alles hat seine Vor- und Nachteile. Aber wie sicher sind unsere Daten? Wie wirkt es sich auf unsere Versicherung aus, wenn unsere Fitnessdaten dort landen?”

“Unser Leben hat sich sehr stark verändert”, auf diese Aussage einigten sich die Expertinnen und Experten bereits vor der Diskussion. Ingrid Brodnig, Journalistin und Autorin des Buches “Hass im Netz” zeigte zu Beginn einige Besorgnis erregende Entwicklungen im Umgang mit dem Internet (“Shitstorm”, Bedrohungen und vieles mehr) auf. “Die meisten Leute würden das nicht okay finden, hier zu schreiben, man brauche sich nicht wundern, wenn ihren Kindern etwas passiert”, so Brodnig zu einem Bedrohungsszenario. Die “Entfremdung des Internets” könne positiv sein, aber auch negativ, “wenn Menschen ihre dunkelsten Seiten ausleben”. Brodnig appellierte aber auch dafür, bei den Plattformen Verantwortung einzufordern und sich auch selbst zu engagieren: “Jeder Einzelne kann etwas machen und Umgangsformen einfordern.”

Stephan Humer, Gründer und Forschungsleiter des Arbeitsbereichs Internetsoziologe an der Universität der Freien Künste Berlin stellte im Bezug auf Hasspostings zunächst klar: “Der Schwerpunkt darf nicht im technischen Bereich liegen, sondern es ist eine kulturelle Frage. Am Ende bleibt immer die soziale Komponente über.” Auch Humer appellierte an die Menschen selbst: “Man muss selber aktiv werden, wir sind zivilgesellschaftlich verpflichtet, dagegen zu arbeiten. Wir müssen hier eine aktivere Rolle einnehmen. Wenn Sie die Spielregeln nicht mitbestimmen, dann machen das eben andere.” Humer zeigte auch auf, nicht immer nur die negativen Seiten zu sehen, sondern einen positiveren Umgang mit der Digitalisierung zu pflegen. “Digitalisierung ist eine Kraft, wie auch die Elektrizität, die Sie nicht mehr wegbekommen!”, so Humer abschließend.

DSC_0057Der Waidhofner Jakob Müssauer, zuletzt Schulsprecher an der HAK und derzeit mitten in der Absolvierung der Matura zeigt die Nutzung von sozialen Medien in seiner Generation auf. “Ich bin damit aufgewachsen, war schon mit 13 aktiv auf Facebook, da hat man eigentlich keine Ahnung, was man macht”, so Müssauer. Vier Stunden täglich verbringe er auf den sozialen Medien, vorrangig um sich zu informieren, aber auch einfach zum Zeitvertreib. “Wir nutzen vieles zur Unterhaltung. Wenn mir fad ist, schaue ich nach, was sich tut”, so Müssauer.

Das zahlreich gekommene Publikum nutzte im Anschluss an die Impulsreferate die Möglichkeit für eine intensive Diskussion mit den Expertinnen und Experten, in der vor allem auch die Themen Bildung und Medienkompetenz abgehandelt wurden. “Mit der heutigen Veranstaltung haben wir wieder ein hochaktuelles Thema mit sehr hochkarätigen Referentinnen und Referenten angesprochen”, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer zufrieden, “die Digitalisierung wird uns auf jede Fall alle in ihren Bann ziehen.”

 

Programm mit vielen Highlights!

Bereits zum 33. Mal gehen die Internationalen Sommergespräche der WALDVIERTEL AKADEMIE in diesem Jahr über die Bühne. Neben nationalen und internationalen Kooperationen und einem spannenden und abwechslungsreichen Programm stehen vor allem auch eine Reihe hochkarätiger Expertinnen und Experten im Mittelpunkt.

„Die Welt von morgen. Europas Werte und unsere Zukunft“ lautet der Titel der Sommergespräche, die von 31. August bis 3. September in Weitra, Gmünd, Pürbach und Pfaffenschlag über die Bühne gehen. Werte & Zukunftsangst, Toleranz und Integration, Populismus und Extremismus, Arbeit und Wirtschaft und vieles mehr sind die zentralen Ansatzpunkte des viertägigen Symposiums, das neben Vorträgen und Diskussionen auch Filme, Exkursionen und einen Kulturabend bietet.

Als neue Veranstaltungsorte können 2017 das kubator Technology & Startup Center in Gmünd sowie die W.E.B Windenergie AG in Pfaffenschlag präsentiert werden. „Wir sind sehr stolz auf unsere vielen Kooperationen und die breite Basis, die wir damit schaffen“, so Geschäftsführer Christoph Mayer. Unter anderem wird auch wieder mit der Donau-Universität Krems, der Andrassy Universität Budapest, erstmals auch mit der Karls-Universität Prag und vielen regionalen Partnern, wie dem Wald4tler Hoftheater, der Schreibwerkstatt Waldviertel und der Neuen Mittelschule Weitra zusammengearbeitet.

Die Besucherinnen und Besucher – erneut werden rund 1000 erwartet – können sich auf viele bekannte Persönlichkeiten freuen. Unter anderem werden die Schriftsteller Robert Menasse und Robert Schindel, die Demokratieforscherin Ulrike Guérot, die Migrationsexpertin Gudrun Biffl, der Politologe Anton Pelinka, der Journalist Friedrich Orter, der Kriminalpsychologe Thomas Müller, der Religionspädagoge Ednan Aslan und viele mehr sprechen. „Wir haben auch 2017 ein sehr spannendes Programm zusammengestellt und freuen uns schon auf intensive Diskussionen“, so Mayer weiter.

Das genaue Programm sowie weitere Informationen zu Kooperationen und Übernachtungsmöglichkeiten finden Sie ab sofort auf www.waldviertelakademie.at.

Es geht um unsere Bedürfnisse!

“Eine Mustersprache” war Titel der Waldviertler Vorlesungen am 16. Mai im Jubiläumssaal der Firma Leyrer + Graf in Gmünd. Die Veranstaltung wurde von der WALDVIERTEL AKADEMIE in Kooperation mit dem Unternehmen, der Donau-Universität Krems, der Stadtgemeinde Gmünd, der Waldviertler Sparkasse Bank AG und dem Ministerium für ein lebenswertes Österreich durchgeführt. 

“Wie Architektur die Menschen in ihren Lebensvorgängen unterstützen kann” lautete der Untertitel der Veranstaltung, zu der die Organisatoren zahlreiche Interessierte aus der Branche und weit darüber hinaus begrüßen konnten. Baumeister Stefan Graf meinte bei seiner Begrüßung: “Egal, was ich baue, die Grundprinzipien sind immer gleich. Architektur muss immer den Menschen unterstützen.” Auch Bürgermeisterin Helga Rosenmayer war hier dacour: “Am wichtigsten ist, dass ich mich dort, wo ich wohne, wohlfühle. Es geht um die Bedürfnisse der Menschen und um Dinge, die jeden Menschen auch im Herz berühren.”

Vortragender Richard Sickinger von der Donau-Universität Krems stellte in seinen knapp einstündigen Ausführungen das Werk des Architekten und Systemtheoretiker Christopher Alexander in den Mittelpunkt. Alexander ging davon aus, dass unser Leben von Mustern geprägt sei. “Ein Muster ist ein Best-Practice”, so Sickinger, “und jedes Muster hat drei Teile: Problem, Lösung und Kontext. Es geht also auch darum, wie das Praxiswissen im Alltag umgesetzt werden kann.”

Sickinger erklärte in weiterer Folge den Aufbau von verschiedenen Muster auch in Bereichen fernab der Architektur, wie zB in der Gesellschaft und der IT. “Es geht nie um das Design, sondern immer auf die Wirkung auf den Menschen.” Danach im Mittelpunkt stand das Alexander-Standardwerk “Eine Mustersprache”, in dem sich auf 1.320 Seiten 253 verschiedene Muster finden. Diese reichen vom Städtebau, über die Gebäude bis hin zu Konstruktionen. Dabei werden nicht nur grundlegende Muster, wie zB für die Gestaltung des Eingangsbereiches oder von Gärten dargestellt, sondern auch banalere Möglichkeiten, wie die Schaffung von Rückzugsmöglichkeiten, von “Höhlen” für Kinder und von Wohlfühlorten.

In der anschließenden Diskussion wurde vor allem auch die Möglichkeit der tatsächlichen Anwendung und die Überprüfung auf die heutige modernere Zeit besprochen. “Man könnte auch eine Mustersprache für das Waldviertel als Handlungsanleitung, als Ratgeber entwickeln”, so eine Wortmeldung aus dem Publikum. “Das Werk solle nicht als ‘heilige Schrift’ behandelt werden, sondern als Hilfe zur Problemlösung und als Möglichkeit für Anregungen”, so Sickinger und Graf abschließend.

Die Präsentation von Richard Sickinger wird in wenigen Tagen hier zur Verfügung gestellt.

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Müssen eine Vollbremsung hinlegen!

Unter dem Titel “Der Klimawandel und seine Folgen. Wovon ernähren wir uns morgen?” lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am 9. Mai in Kooperation mit der Donau-Universität Krems, dem Ökosozialen Forum Niederösterreich und der Agrana Stärke GmbH zu einer hochkarätig besetzten und spannenden Diskussion in den Sparkassensaal Horn.

Mit rund 120 Personen war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt, auch zahlreiche Ehrengäste, allen voran Stadtrat Gerhard Lentschig, Sparkassen-Direktor Werner Scheidl, Bezirksbauernkammer-Obmann Herbert Hofer und Wirtschaftskammer Zwettl-Obmann Dieter Holzer ließen sich die über zweinhalbstündige Veranstaltung nicht entgehen.

Die renommierte Klimaforscherin und Meteorologin Helga Kromp-Kolb gab in ihrem Einstiegsreferat einen ersten Überblick über Klimawandel und Ernährung. “Der Klimawandel ist nach wie vor das schwerwiegendste Problem, das wir aber leider ständig ausklammern. Wir können alle anderen Probleme nicht lösen, wenn wir uns nicht mit dem Klimawandel beschäftigen”, so die Wissenschafterin. Vor allem der tägliche Konsum von Fleisch und die damit verbundene Treibhausgas-Emmission sowie die Nutzung von fossilen Energien seien nach wie vor ein wichtiges Thema in der Diskussion. “Um unsere Klimaziele zu erreichen, müssen wir eigentlich eine Vollbremsung hinlegen”, so Kromp-Kolb, die auch die globale Wärmeentwicklung beleuchtete: “2016 war jeder Monat ein neuer Temperaturrekord.”

DSC_0022Hans Mayrhofer, Generalsekretär des Ökosozialen Forums, zeigte danach die globalen Trends der Landwirtschaft auf. Neben der Bevölkerungsentwicklung und der zunehmenden Urbanisierung ist auch der Strukturwandel (“Die Betriebe werden weniger und größer.”) eine große neue Herausforderung der Landwirtschaft. “Die Nahrungsmittel müssen effizienter genützt werden”, so Mayrhofer, der für eine nachhaltige Intensivierung und Bioökonomie appellierte.

Auch Projekte direkt aus der Region wurden vorgestellt. Otmar Schlager, Geschäftsführer der Energieagentur der Regionen zeigte auf, dass der Geldabfluss für Energie im Bezirk Horn jährlich circa 50 Millionen Euro ausmache. “Mit Ökoenergie aus der Region können wir diese Entwicklung umkehren. Mit der TRE Thayaland GmbH wurde hier bereits ein Vorreiter geschaffen”, so Schlager.

Intensiv um das Thema Ernährung drehten sich die Ausführungen von Helmut Hundlinger. Der Horner gründete 2001 Slow Food Waldviertel und versucht nicht nur seltene Pflanzenarten vor dem Aussterben zu bewahren, sondern vor allem auch die Verwendung von regionalen Produkten zu stärken.

In einer sehr spannenden und emotionsgeladenen Diskussion trug auch das Publikum zu einer gelungenen Veranstaltung bei. Hans Mayrhofer zeigte auf, dass jeder Einzelne seinen Beitrag leisten kann, “aber wir müssen aus unserer Bequemlichkeit rauskommen.” Kromp-Kolb machte auch klar: “Die Zeit des Wirtschaftswachstums ist vorbei. Es gibt nicht mehr zu verteilen, es kann nur eine Umverteilung geben. Dennoch brauchen wir keine Sorgen zu haben, es gibt eine engagierte Jugend mit der wir an einer gelingenden Zukunft arbeiten können.” In eine ähnliche Kerbe schlugen auch Schlager und Hundlinger: “Ändern können wir es nur selbst.”

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In Krems wird Europa neu gedacht

Am 27. April wurde an der Donau-Universität Krems das Department für Europapolitik und Demokratieforschung, geleitet von der renommierten Wissenschafterin Ulrike Guérot, eröffnet. Geschäftsführer Christoph Mayer machte sich dabei ein erstes Bild der neuen Einrichtung.

„Europa ist ein zentraler Ankerpunkt unserer Universität“, so Rektor Friedrich Faulhammer bei seiner Eröffnungsrede, „deshalb war es ein logischer Schritt unsere Europakompetenz mit einem eigenen Department weiter auszubauen.“ „Ulrike Guérot brennt für die Entwicklung neuer Ideen für Europa, das werden sie noch sehen“, streute er der neuen Departmentleiterin Rosen.

Da Schriftsteller Robert Menasse, der zum Thema sprechen sollte, kurzfristig krankheitsbedingt ausfiel, fiel dem Münchner Soziologe Elmar Koenen die Ehre zuteil, die von Menasse zur Verfügung gestellte Rede vorzutragen. „Hier und jetzt wird ein neues Kapitel aufgeschlagen, der europapolitische Diskurs neu entfacht. Wir stehen vor einer historischen Stunde, as dritte und entscheidende Kapitel des europäischen Einigungsprozesses steht mit diesem Department bevor. Die Antwort auf das Europa der Nationalstaaten ist das Europa der Regionen unter einem gemeinsamen Dach der Europäischen Union. Vielleicht wird man bald sagen können: Hier in Krems wurde Europa neu gegründet.“

Die Politikwissenschafterin Guérot, die im September auch bei den 33. Internationalen Sommergesprächen der WALDVIERTEL AKADEMIE sprechen wird, selbst, bedankte sich beim Land Niederösterreich. „Es war die Entscheidung des Landes, dem Nachdenken und Forschen über Europa mehr Raum zu geben. Die Neugierde und der Wissensdurst haben mich zur Europaforschung in die Wachau gebracht. Europa muss umgebaut und renoviert werden, damit es wieder für die Menschen passt und sie sich nicht abwenden.“ Dafür seien bereits einige Projekte in Planung, so Guérot, die sich auf eine erfolgreiche Umsetzung freut.

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner betonte in ihren Ausführungen, dass sie nicht nur eine begeisterte Niederösterreicherin sei, sondern vor allem auch eine begeisterte Europäerin. „Es gibt viele Sorgen und Ängste. Aber der Föderalismus ist der beste Schutz, weil die Macht verteilt und nah am Menschen ist, das spricht für ein Europa der Regionen.“

Abgeschlossen wurde die offizielle Eröffnung mit dem Kunstprojekt Amikejo und einer Performance der Schöpferin Valeska Peschke, die mit ihrer Rauminstallation eines europäischen Vulkans im Audimax für Aufsehen sorgte.

„Waldviertler Original“ wurde 60!

Seit mittlerweile 33 Jahren steht er als Vorsitzender an der Spitze unserer Organisation, in der Vorwoche feierte Ernst Wurz seinen 60. Geburtstag. 

Anlässlich des Jubiläums stellte sich der Vorstand der WALDVIERTEL AKADEMIE letzte Woche mit einem Präsent bei seinem Obmann Ernst Wurz ein. Wurz, 1957 in Gmünd geboren, kann auf erfolgreiche sechs Jahrzehnte zurückblicken. Nach dem BRG in Krems absolvierte er das Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Wien, wo er 1982 promovierte. Nach Gerichtspraxis und Präsenzdienst heuerte das „Waldviertler Original“ bei der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien an, eher er 1998 auch beruflich zurück ins Waldviertel kehrte. Nach Stationen bei der Raiffeisenbank Oberes Waldviertel und der Waldviertler Sparkasse fand er 2001 als Personalmanager bei Pollmann Austria in Karlstein seine Berufung.

Schon während seiner Mittelschulzeit engagierte sich Wurz politisch, während des Studiums und danach war und ist er bei der Jungen ÖVP sowie bei der Volkspartei in Waldenstein, Gmünd und Hirschbach, wo er auch heute noch geschäftsführender Gemeinderat ist, tätig. 1984 gründete er gemeinsam mit Adi Kastner und Karl Trischler die WALDVIERTEL AKADEMIE. Noch heute erzählt Wurz gerne die Geschichte: „Ich habe damals in meinem jugendlichen Leichtsinn für ein Jahr als Obmann zugesagt“. An der erfolgreichen Entwicklung der Kultur- und Bildungsinitiative ist er auch nach 33 Jahren als Vorsitzender nach wie vor federführend beteiligt.

Im Rahmen einer Feierlichkeit in der Kleinkunstbühne Hirschbach bedankten sich die Vorstandsmitglieder der WALDVIERTEL AKADEMIE nun für sein jahrzehntelanges Engagement und seinen Kampf für Bildung, Kultur und die Region, welcher in den letzten Jahren auch mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen belohnt wurde. „Wir sind sehr froh, dass wir dich an der Spitze haben dürfen“, so Obmann-Stv. Pauline Gschwandtner, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen neben einer Collage auch das „Waldviertler Original“ in Waldviertler Granit als Geschenk übergab.

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Müssen Flucht nach vorne antreten!

Unter dem Titel “Die neue Welt des Arbeitens. Herausforderungen auf dem Weg zum Unternehmen der nächsten Generation” lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am 26. April in Kooperation mit der IMC FH Krems, der Donau-Universität Krems, dem Wirtschaftsforum Waldviertel und der Stadtgemeinde Zwettl in den Sparkassensaal zu einer spannenden Diskussion mit dem langjährigen Industriemanager Michael Bartz.

Der Einladung waren nicht nur Interessierte, sondern auch viele Vertreter heimischer Firmen gefolgt, auch Wirtschaftskammer-Obmann Dieter Holzer ließ sich den Abend nicht entgehen. Waldviertler Sparkasse-Vorstandsdirektor Michael Hag ging in seinen Grußworten bereits auf das Thema ein: “Vor allem in der Finanzbrache hat es auch aufgrund der Digitalisierung in den letzten fünf Jahren einen starken Wandel gegeben. Flexibilisierung der Arbeit ist ein sehr wichtiges Thema.”

Bartz, Professor an der IMC FH Krems und langjähriger Industriemanager unter anderem bei Philips und Microsoft, stellte gleich zu Beginn klar: “Digitalisierung und Globalisierung gehen Hand in Hand. Wir stehen erst am Anfang eines beschleunigten Entwicklungszykluses, in Asien nutzen nur 50 Prozent der Bevölkerung das Internet.”

Um zu einem “Unternehmen der nächsten Generation” zu werden, müssen die Betriebe auf fünf Entwicklungen der Arbeitswelt eingestellt werden: Komplexe Ökosysteme lösen die lineare Wertschöpfung ab, Arbeitsverhältnisse werden flexibler (“Die jüngere Generation denkt multidimensionaler, die klassische Vollzeitbeschäftigung weicht verschiedenen anderen Formen.”), traditionelle Organisationsstrukturen lösen sich auf (“Revolution und Evolution in der Organisation”), Arbeit als Bezeichnung eines Ortes verliert an Bedeutung und Arbeitsstile verändern sich in allen Generationen. “Alle Altersgruppen sind Experten bei digitalen Medien, der Zugang dazu hat sich vollständig demokratisiert”, so Bartz.

Die finanziellen Vorteile von Unternehmen der nächsten Generation seien nicht von der Hand zu weisen. “Facility- und Reisekosten singen, die Mitarbeiterzufriedenheit und das Umsatzwachstum steigen, Krankenstände und Fluktuation gehen zurück”, so Bartz.

Im Anschluss an seine Ausführungen nutzte das Publikum die Möglichkeit, in eine intensive Diskussion mit dem Referenten zu treten. “Wir haben einen grundlegenden Wandel an allen Dimensionen vor uns. Die genannten Herausforderungen können nur interdisziplinär gelöst werden. Eine Transformation zu einem Unternehmen der nächsten Generation kann nur langfristig geschehen”, so Bartz, der auch auf die Beispiele Erste Bank (drei Jahre Vorbereitungszeit) und Arbeiterkammer Niederösterreich (vier Jahre) hinwies. “Die Chance ist groß, solche Firmen auch ins Waldviertel zu bringen, die Flexibilität bringt das mit sich”, so Bartz, der auch klarmachte: “Es gibt nur eine Chance, die der Qualifikation. In unserer Gesellschaft gibt es dazu keine Alternative. Wir müssen die Flucht nach vorne antreten.”

Ernst Wurz, Vorsitzender der WALDVIERTEL AKADEMIE freute sich über einen gelungenen Abend: “Bartz hat uns sehr pointiert die Herausforderungen und Chancen für Unternehmen der nächsten Generation aufgezeigt und gab auch Anregungen, wie solche Unternehmen neu angesiedelt werden können.”

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„Können uns sehr sicher fühlen!“

In Kooperation mit der der Donau-Universität Krems und der VHS Krems lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am 18. April in das Audimax der Universität. Bundesminister Wolfgang Brandstetter und Diplomat Wolfgang Petritsch sprachen und diskutierten unter dem Titel “Unsere Welt verändert sich. Wie sicher ist Österreich?”.

Christian Hanus, Dekan der Fakultät für Bildung, Kunst und Architektur zeigte sich zu Beginn erfreut über das hochkarätige Podium: “Es ist auch unsere Aufgabe, Fragestellungen, die von gesellschaftlicher Bedeutung sind, zu diskutieren und zu erforschen. Ich nehme als Beispiel nur unser Department für Migration und Globalisierung, das sich intensiv mit den Flüchtlingsbewegungen auseinandersetzt.”

Bundesminister Wolfgang Brandstetter, selbst jahrelang im wissenschaftlichen Beirat der WALDVIERTEL AKADEMIE tätig, sorgte gleich zu Beginn für einen Lacher: “Wenn die Akademie bei mir anfragt, riskiert sie auch, dass ich komme.” Danach widmete sich der Justizminister aber ganz dem Thema und betonte, dass es einen Unterschied zwischen dem tatsächlichen und dem subjektiven Sicherheitsgefühl gibt. “Allein wegen der Justizanstalt Krems hier daneben, kann man sich sehr sicher fühlen”, so Brandstetter. Derzeit seien rund 9.000 Hälftlinge in Österreich untergebracht, der Höchststand aus dem Jahr 2007 wurde nie wieder erreicht. “Wenn man sich die Zeitungen so ansieht, hat man das Gefühl, wir müssen überquellen, aber so ist es nicht”, so Brandstetter weiter. Objektiv gesehen, sei die Lage und Sicherheit in Österreich beruhigend, wenngleich einige Faktoren wie Terrorismus nicht beeinflussbar wären. “Auch Österreich kann jederzeit von einem Anschlag betroffen sein. Es wäre blauäugig mit so etwas nicht zu rechnen, deshalb brauchen wir Instrumente, wie wir dagegen kämpfen können”, so der Minister. Brandstetter ging in weiterer Folge auf eine Nachfolgeregelung der Vorratsdatenspeicherung, Möglichkeiten zur Überwachung der Internettelefonie und eine stärkere Bekämpfung von Angriffen auf Beamten ein. “Vieles davon ist auch im aktuellen Regierungsprogramm niedergeschrieben. Wir können mit dem objektiven Sicherheitsempfinden zufrieden sein. Aber auch subjektive Lücken im Sicherheitsgefühl der Bevölkerung müssen Ernst genommen werden.”

Wolfgang Petritsch, ehemaliger Botschafter bei den Vereinten Nationen in Genf und bei der OECD in Paris zeigte in seinem Eingangsstatement drei wesentliche Faktoren für eine veränderte Welt auf. Die fundamentale Veränderung der Kommunikation (“Fakten versus Gefühl”), das Infragestellen von Demokratie aufgrund der Globalisierung und den Zusammenhang von Sicherheit und Freiheit. “Das sind die Hintergründe vor denen wir ‘Wie sicher fühlen wir uns’ diskutieren müssen”, so Petritsch und weiter: “Die Grenzen der Freiheit müssen ständig neu verhandelt werden in einer Welt, die sich so schnell verändert. Es muss auch eine Orientierung für Menschen geben, die sich in diesem scheinbaren Chaos nicht auskennen.” Dabei kritisierte der Diplomat auch die Politik: “Mir fehlt in Österreich der aufklärerische Impetus, dass man desöfteren auch unpopuläre Positionen einnimmt.”

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum war natürlich auch das Thema Europa ein zentraler Punkt. “Große Fragen können nur in einem großen europäischen Kontext gelöst werden”, so Petritsch, “letztendlich hängen alle Fragestellungen mit der europäischen Ebene zusammen.” Auch Brandstetter pflichtete hier bei: “Vieles auf der Ebene der Europäischen Union ist dringend reformierbar. Aber ich glaube an dieses Europa als Friedensprojekt und es muss verteidigt werden.”

„Wir freuen uns immer wieder in Krems Gast sein zu dürfen“, so Christoph Mayer, Geschäftsführer der WALDVIERTEL AKADEMIE, „mit unseren Partnern gelingt es uns Jahr für Jahr eine sehr hochkarätige und spannende Veranstaltung durchzuführen.“

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Erni Mangold: „Fad ist mir nie!“

Was für ein Auftakt für das neu konzipierte Veranstaltungsformat der WALDVIERTEL AKADEMIE: Zu den ersten Waldviertler Vollmondgesprächen am 11. April waren fast 300 Personen gekommen, die den humorvollen Ausführungen der Schauspielerin Erni Mangold lauschten.

Der Mond strahlte hell am Himmel als sich der Waidhofner Stadtsaal füllte. Mit ihrem neuen Format, den Waldviertler Vollmondgesprächen, hat die WALDVIERTEL AKADEMIE erneut den Nerv der Zeit getroffen. Persönlichkeiten aus dem deutschsprachigen Raum erzählen bei dieser Serie aus ihrem Leben, den Beginn machte Erni Mangold. Mangold, 1927 geboren, präsentierte sich auf der Bühne von ihrer besten Seite. Gemeinsam mit Doris Priesching, die das Buch „Lassen Sie mich in Ruhe“ zu Papier gebracht hat, entwickelte sich ein interessantes, informationsreiches Bühnengespräch, das auch für viele Lacher sorgte.

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Vorstandsmitglied Gerhard Proißl begrüßte die zahlreich gekommenen Gäste

„Wir sind sehr stolz auf dieses Buch“, so Priesching zur Tatsache, dass soeben die siebente Auflage erschienen ist – und das obwohl man zunächst lange keinen Verlag gefunden hätte. Mangold hatte dazu aber ihre eigene Ansicht: „Ich finde es merkwürdig, dass man stolz ist.“  Die Schauspielerin erzählte in weiterer Folge auch über ihre Liebe zum Waldviertel: „Ich habe nicht eine Sekunde gebraucht, um mich hier wohl zu finden – und die Ködn hob i gern.“ Auch auf ihren Gesundheitszustand und ihre Fitness angesprochen, hatte Mangold die richtige Antwort parat. „Die Gene sind das nicht. Ich mache zwei Mal in der Woche 1,5 Stunden Krafttraining. Ich gehe kaum zur Kosmetik, aber meine Muskeln liebe ich.“ Angesprochen auf ihre geistige Fitness meinte Erni Mangold: „Ich bin neugierig. Ich bin ein Mensch der nach vorne lebt und ich interessiere mich für alles.“

Derzeit steht Mangold noch bis Jahresende im Stück „Harold und Maude“ im Theater in der Josefstadt in Wien auf der Bühne – danach soll aber Schluss sein. „Am 12.12. mache ich die Tür zu und trete nie wieder im Theater auf“, so Mangold, die aber gleich relativierte: „Film und Fernsehen mach ich schon, das sind nur cirka 12 Stunden Arbeit am Tag und nur fünf bis sechs Tage, das stehe ich locker durch.“

DSC_0009Mangold beeindruckte das zahlreich gekommene Publikum mit ihrer Direkt- und Offenheit und ihren humorvollen Erzählungen, ihre Sexszenen in „Der letzte Tanz“ und „Der 101jährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand“ durften dabei nicht fehlen. Zu ihrem Job als Schauspielerin hat Mangold aber dennoch eine sehr kritische Ansicht: „Es hat sich sehr viel geändert, der Job ist nicht mehr anstrebenswert, es gibt viele, die auf der Straße stehen.“

Auch die Themen Gründonnerstag und Vollmond durften nicht fehlen. Angesprochen auf die Frage, ob Mangold in der Karwoche auch die gleichnamige Speise zu sich nehmen wird, antwortete sie: „Ich bin ja einer der bekanntesten Schauspielerinnen, weil ich stehe in jedem Duden.“  „Bei Vollmond werde ich aber nervös“, so Mangold, die zum Schluss auch feststellte: „Fad ist mir nie!“

DSC_0014Zum Abschluss nutzten die vielen Interessierten noch die Möglichkeit ein signiertes Buch und Fotos mit der Schauspielerin zu erhaschen. Christoph Mayer, Geschäftsführer der WALDVIERTEL AKADEMIE, der auch das Konzept der Vollmondgespräche entwickelte: „Wir haben mit dieser Schiene einen weiteren und neuen Höhepunkt im Veranstaltungsjahr geschaffen und freuen uns schon auf die zweite Ausgabe im Herbst.“

Ein großes Dankeschön geht auch an die Partner und Unterstützer dieses Abends: Donau-Universität Krems, Stadtgemeinde Waidhofen/Thaya, Waldviertler Sparkasse Bank AG und Lagerhaus Waidhofen/Thaya.

 

Kulturmanagement-Tag 2017

In den letzten Wochen ist es etwas ruhig auf unserem Blog geworden. Das liegt und lag daran, dass wir intensiv mit unserem Programm beschäftigt und gleichzeitig auch viel in ganz Niederösterreich und Wien unterwegs sind. Über eine dieser Veranstaltungen wollen wir kurz berichten.

Am 5. April veranstaltet das Institut für Kulturkonzepte bei der IG Architektur in der Gumpendorfer Straße in Wien seinen alljährlichen Kulturmanagement-Tag. „Finden, liken, teilen – Digitale Kommunikation im Kulturbetrieb“ lautete der Titel des eintägigen Seminars, das mit #kmtag natürlich auch gleich seinen eigenen Hashtag bekam.

Karin Wöhrer, diplomierte Kommunikationsberaterin, führte als erste Referentin in das Thema ein. „Bevor es los geht … Wieviel (online-)Marketing braucht Kultur?“ war der vielsagende Titel der sehr interessanten Ausführungen. Wöhrer gab zahlreiche Tipps, wie eine gute Online-Marketing-Strategie aussieht und wie diese auch umgesetzt werden kann. Dabei stand stets eine wichtige Frage im Mittelpunkt: Wie kann guter und relevanter Content geschaffen werden.

Längst kein Unbekannter mehr, ist Christian Henner-Fehr. Mit seinem Kulturmanagement-Blog ist er ein Vorreiter und wichtiger Impulsgeber für die gesamte Branche und weit darüber hinaus. „Die Zukunft ist jetzt. Was digitales Marketing schon jetzt alles kann“ war der Titel seines Referats, das sich unter anderem mit dem Status Quo von Social Media Marketing und den dazugehörigen Zukunftsaussichten beschäftigte.

Der Nachmittag wurde zunächst von Anne Aschenbrenner gestaltet. Die Bloggerin und Kulturjournalistin zeigte anhand von Best-Practice-Beispielen auf, über welche Eigenschaften ein erfolgreicher Blog verfügen kann und muss.

Zum Abschluss diskutierten Laura Böhler (Ticket Gretchen), Larissa Kopp und Rolf Wienkötter (KHM Stories) und Wolfgang Schreiner (NOUS) die Frage „Was können Kultur-Apps heutzutage und wie nutzen sie den UserInnen?“. Dabei wurde ein spannender Einblick in erfolgreiche Apps gegeben und auch interessante Hintergrundberichte – von den strategischen Herausforderungen bis zu den Kosten und Erfolgskontrolle – gegeben.

Mit dem #kmtag hat das Institut für Kulturkonzepte wieder einen äußerst kurzweiligen Einblick in die aktuellen Herausforderungen der Branche gegeben. Digitale Kommunikation im Kulturbetrieb ist für alle Unternehmen und Institutionen unerlässlich, die Möglichkeiten sind enorm – auf jeden Fall eine große und spannende Herausforderung.

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