Empathie spielt eine wesentliche Rolle!

Im Rahmen der Waldviertler Vorlesungen lud die WALDVIERTEL AKADEMIE gemeinsam mit der FH Krems am Donnerstag, 4. Oktober in das Landesklinikum Waidhofen/Thaya zu einem spannenden Vortrag. Der Leiter des Josef Ressl-Zentrums in Krems, Gerhard Tucek, zeigte die Fortschritte bei der Forschung der personalisierten Therapie auf und gab eindrucksvolle Beispiele aus der Praxis.

„Die medizinische Versorgung wird immer besser, das subjektive Wohlbefinden aber immer kränker“, zitierter Gerhard Tucek zu Beginn seiner Ausführungen eine aktuelle WHO-Studie und er klärte auch gleich zu Beginn auf: „Bei der personalisierten Therapie sind die sozialen und psychischen Ebenen bedeutend, nicht die biologische oder die genetische.“

Jeder Therapeut und Arzt müsse sich in den Patienten hineindenken, es müsse klar sein, dass jedes Leid und jede Diagnose individuell gesehen werden muss. „Empathie spielt eine wesentliche Rolle. Krankheit und Gesundheit sind keine absoluten Größen, sondern sie haben immer etwas mit unseren Vorstellungen zu tun. Dabei sind Hoffnung, Glaube und Partizipation unterschätzte Faktoren im Heilungsgeschehen“, so Tucek. Diesen Ansatz verfolgt auch die Musiktherapie, die eine besondere Verbindung zum Patienten ermöglicht. „Wir wissen, dass sie wirkt, aber nicht, wie sie wirkt“, so Tucek weiter, „die Kunst dabei ist, jeden Patienten so anzusteuern, dass die Therapie wirkt.“

Besondern bei Hirn-Traumata, bei Angst und Schmerzen, bei Krebserkrankungen und in der letzten Phase des Lebens werden damit große Erfolge erzielt. Mit selbst aufgenommenen Videos aus der Praxis lieferte Tucek dabei auch beeindruckende Bilder und bestätigte seine Ausführungen. „Über aller medizinischen Versorgung, die natürlich sehr wichtig ist, steht die unglaubliche Wirkung der menschlichen Zuwendung. Die zwischenmenschliche Kommunikation ist ein komplexer Prozess, der immer wieder neu verhandelt werden muss“, so Tucek abschließend.

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Erstmals über 1000 Teilnehmer!

Bereits zum 34. Mal fanden 2018 die Internationalen Sommergespräche statt. So erfolgreich waren sie aber noch nie.

Erstmals konnte die WALDVIERTEL AKADEMIE von Donnerstag bis Sonntag über 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßen. 1034 Interessierte bedeuten ein neues Rekordergebnis für die Sommergespräche. „Auch wenn wir unseren Erfolg nicht primär an Besucherzahlen messen, sind wir natürlich sehr stolz und überglücklich, dass wir auch in diesem Jahr auf das richtige Thema gesetzt haben“, so Geschäftsführer Christoph Mayer.

Zfg01„Woran glauben wir noch? Unsere Sehnsucht nach Wahrheit, Vertrauen und Sicherheit“ war der diesjährige Titel, der Gäste aus nah und fern nach Weitra und Umgebung kommen lies. Ein erstes großes Highlight wurde mit der Offiziellen Eröffnung mit Johannes Huber vor mehr als 300 Interessierten auf Schloss Weitra gesetzt. Aber auch an den Tagen danach setzte sich die Rekordjagd fort. Schon Freitagvormittag platzte der Rathaussaal in Weitra bei Peter Kampits, Matthias Beck und Rudolf Taschner aus allen Nähten und auch die Wirtschaftsdiskussion bei Leyrer + Graf in Gmünd sprengte ebenso alle Erwartungen. Einen würdigen Abschluss des zweiten Tages bildete die Filmvorführung samt Gespräch mit Regisseur Kurt Langbein im Kino Gmünd, wo ebenso nur wenige Restplätze frei blieben.

Aber auch der Samstag war durchwegs von tollem Besuch und interessanten Diskussionen geprägt. Andreas Khol, Peter Kostelka, Bernd Marin, Anneliese Rohrer und viele mehr sorgten auf dem Podium für spannende Momente und wichtige Inhalte. Erstmals war die WALDVIERTEL AKADEMIE auch im Theater an der Mauer in Waidhofen zu Gast, die Lesung „Zeitungsente und Grubenhund“ war schon einige Tage zuvor ausverkauft.

Mit der Sicherheitsmatinee in der Kuenringer-Kaserne in Weitra gingen die diesjährigen Sommergespräche erfolgreich zu Ende. „Die steigende Teilnahme an den Sommergesprächen zeigt das Interesse und den Bedarf der Bürgerinnen und Bürger mit Fachexpertinnen und -experten grundsätzliche Fragen des Menschen und der Gesellschaft der Welt zu diskutieren“, zieht auch WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzender Ernst Wurz zufrieden Bilanz, „Glauben ist mehr als ein Für-Wahr-Halten bestimmter Glaubenssätze, sondern vor allem auch ein Antrieb für unsere Zusammenleben.“

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Sicherheit im Fokus

Mit dem Thema Sicherheit und einem Besuch in der Kuenringer-Kaserne in Weitra gingen die Internationalen Sommergespräche am Sonntag zu Ende. Mit 1.034 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden erstmals über 1.000 Besucher gezählt.

Oberstleutnant Reinhard Bachner, Garnisonskommandant in der Kuenringer-Kaserne, führte das Publikum zunächst in den Aufbau und die Aufgaben der Kaserne ein. Danach stand ein großes Highlight am Programm, die Erklärung des Führungssimulators, ein einzigartiges strategisches Übungselement in Österreich. Seit 2012 ist der Simulator in Weitra stationiert und dient unter anderem zur Vorbereitung einer realen Übung bzw. eines Einsatzes. „Das bedeutet Aus- und Weiterbildung von Entscheidungsträgern“, so Bachner. Die umfangreiche Datenbank ermögliche jedmögliche Szenerie und Einsatzgebiete: „Kein Land der Welt hat modernere technische Möglichkeiten als wir in Weitra“, so Bachner stolz.

Nach einer kleinen Stärkung lud die WALDVIERTEL AKADEMIE zur Sicherheitsmatinee unter dem Titel „Wem können wir noch vertrauen? Wie unsere (Daten-)Sicherheit garantiert wird“. Konstantin Lütgendorf, Kommandant des Truppenübungsplatzes Allentsteig, ging in seinem Eingangsstatement näher auf die Themen Cybersicherheit und Cyberverteidigung ein. Neben der sicherheitstechnischen Betrachtung stellte Lütgendorf aber auch den gesellschaftlichen Aspekt in den Mittelpunkt: „Das Internet ist ein Werkzeug. Wir müssen aber aufpassen, dass wir nicht selbst das Werkzeug von Dritten werden. Jeder ist selbst verantwortlich dafür, was er in das Internet stellt.“ Bewusstseinsbildung sei ein wichtiger Begriff, der auch im Elternhaus, in Schulen und genauso beim Bundesheer vorangetrieben werden müsse.

Hans Zeger von der ARGE-Daten behandelte im Anschluss Datenschutz und die DSGVO. „Diese regelt die Rechte der Menschen in der Informationsgesellschaft, um eben ihre eigenen Grundrechte zu waren“, so Zeger. Er ging aber auch auf die Informations- und Cybersicherheit ein und kritisierte dabei die Bedeutung des Landes Österreich: „Wir haben keine Chance beim Thema Cybersicherheit, wenn wir nicht an den internationalen Netzwerken beteiligt sind.“

So04Die Wichtigkeit der angesprochenen Aspekte zeigte sich auch in der anschließenden Podiums- und Publikumsdiskussion, die engagiert geführt – und auf Einladung der Kuenringer-Kaserne in Weitra – auch noch beim Mittagessen fortgesetzt wurde.

„Ein thematisch passender und erfolgreicher Abschluss der diesjährigen  Internationalen Sommergespräche“, war auch Christoph Mayer mit dem letzten Programmpunkt sehr zufrieden.

Über so manche skurrile „Viecha“

Im Rahmen der Internationalen Sommergespräche war die WALDVIERTEL AKADEMIE am Samstagabend erstmals auch in der Bezirkshauptstadt Waidhofen/Thaya zu Gast. Mit dem Theater an der Mauer wurde ein idealer Partner für einen humorvoll-literarischen Abend gefunden.

Für die erstmalige Kooperation hatte sich die WALDVIERTEL AKADEMIE auch etwas besonderes überlegt. Die beiden Journalisten Martin Haidinger (Ö1) und Reinhard Linke (ORF Niederösterreich) erarbeiteten für das Jahresthema „Woran glauben wir noch? Unsere Sehnsucht nach Wahrheit, Vertrauen und Sicherheit“ einen Bühnenabend, der vielerlei Skurriles und Humorvolles bot. „Zeitungsente und Grubenhund“ war der Titel und Haidinger und Linke wussten mit ihren Texten, unter anderem über Hitlers Tagebücher, den Tod von Paul McCartney, George Orwells 1984 und vieles mehr knapp zwei Stunden zu unterhalten.

Musikalisch begleitet wurden sie von der jungen Waidhofner Musikerin Marlene Zimmerl, die mit Stimme und Gesang begeisterte und unter anderem Billy Joel („Honesty“), Janis Joplin, Louis Jordan, The Andrew Sisters, aber auch mit STS und Rainhard Fendrich zum Besten gab.

Geschäftsführer Christoph Mayer war vollends zufrieden: „Ein ausverkauftes Haus und schon in den letzten Tagen haben wir immer wieder die Nachfrage erhalten, ob dieser Abend wiederholt wird. Daran werden wir ab Montag arbeiten, um noch viele weitere Menschen mit Zeitungsenten und Grubenhunden zu unterhalten.“

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Wir mischen uns zu wenig ein!

Die Samstagdiskussionen der Internationalen Sommergespräche endeten im Rathaus Weitra unter großem Interesse mit einer spannenden Diskussion zum schwierigen Verhältnis zwischen Politik, Medien und Wissenschaft.

„Der wissenschaftliche Diskurs zu Migration wurde zum Teil zu kontrovers geführt“, so Gudrun Biffl, Migrationsforscherin an der Donau-Universität Krems, „was der Politik einen gewissen Spielraum gegeben hat.“ Mit dem Rechtsruck in der Politik sei auch die Qualität von Lügen und Falschmeldungen Hand in Hand gegangen. „Eine Migration in den Sozialstaat, mittel- und langfristig, so etwas gibt es einfach nicht“, so Biffl. Objektive Fakten hätten öfter weniger Einfluss als emotionalisierte Behauptungen.

Sozialwissenschafter Bernd Marin ging danach auf politische Mythen und Falschmeldungen ein. Als konkretes Beispiel gab er die Schlagzeile „41,3 % Familien ohne Nachwuchs“. „Hier wurden Haushalte ohne Kinder – egal welchen Alters die Eltern sind – herangezogen, das sind zwei komplett verschiedene Dinge, also ein Schwachsinn“, so Marin. Ebenso verhalte es sich mit der Behauptung „Österreich sei kein Einwanderungsland“. Seite 1960 wandern im Durchschnitt 21.500 Personen ein. „Um die Bevölkerung zu stabilisieren, benötigt man aber 21.600, zur Stabilisierung der Erwerbsfähigen gar 44.000“, so Marin weiter.

In Politik, Medien und Wissenschaft gehe es um drei Dinge: Wahrheit, Vertrauen und Glaubwürdigkeit. „In allen drei Bereichen sind wir in eine totale Schieflage geraten“, so Journalistin Anneliese Rohrer. Fake News und Alternative Facts waren die Stichworte, Rohrer nahm aber auch die Gesellschaft in die Pflicht: „Wir mischen uns zu wenig ein. Wir haben als Gesellschaft viel zu lange zugeschaut und Sie machen ihrem Ärger viel zu wenig Luft.“ Medien und Politik seien nicht frei von Einfluss von der Gesellschaft, denn letztendlich „sind wir die Politik“, so Rohrer.

In einer engagierten Diskussion auf dem Podium und im Publikum endete die Diskussion im Rathaus Weitra, mit der die Sommergespräche in die Zielgerade gingen. „Wir sind absolut auf Besucherrekord-Kurs“, so Christoph Mayer, „mit den letzten beiden Programmpunkten am Samstag in Waidhofen und am Sonntag in Weitra werden erstmals über 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezählt werden.“

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Im Waldviertel wird gemordet

Prost, Mahlzeit! Nachtisch! Als Einstieg in den Samstagnachmittag gab es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer Buchpräsentation und Musik ein ganz besonderes Programm.

Maria Publig, früher beim ORF tätig, hat einen Krimi geschrieben. Und das sehr erfolgreich. Nach nur drei Monaten war die erste Auflage in der Höhe von 4.000 Stück vergriffen, im Rahmen der Sommergespräche präsentierte sie ihr Buch auch im Rathaus Weitra.

„Ich weiß nicht, ob das Waldviertel so beliebt ist, oder das Morden“, so die Autorin zu Beginn mit einem Augenzwinkern. „Waldviertelmorde“ ist der Titel und es geht darin alles andere als ruhig zu. Walli Winzer, die Hauptperson des Krimis, hat die Nase voll: Von den Männern, den Kosmetikstudios und den Designershops in der Wiener City. Ein altes Haus im Waldviertel soll ihre künftige Oase sein. Doch schon bald erweist sich diese als intrigendurchsetzte, mörderische Fallgrube.

Während Publig einige spannende Textstellen las, wurde sie von der Wiener Mundharmonikavirtuosin Isabella Krapf begleitet. Das Duo ergänzte sich perfekt und bildete so den idealen Einstieg in den letzten Nachmittag der diesjährigen Sommergespräche.

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Die Demokratie ist nicht in Gefahr!

Tag 3 der 34. Internationalen Sommergespräche begann im Rathaus Weitra mit einem weiteren Highlight. „Die Sehnsucht nach Veränderung. Droht das Ende der Demokratie?“ war der Titel der Podiumsdiskussion mit Andreas Khol, Peter Kostelka und Katrin Praprotnik.

„Demokratie in der Krise?“, fragte der langjährige Nationalratspräsident Khol in seinen Ausführungen. „Ich will Sie anregen, ihr Selbstverständnis zu überprüfen“, so der Politiker, „Demokratie ist absolut voraussetzungslos, aber Demokratien sind gefährdet.“ Als Beispiel führte Khol auch den Arabischen Frühling an: „Kein einziges Land, dass während dieser Zeit zur Demokratie gefunden hat, ist bei der Demokratie geblieben.“ „Wir müssen uns damit abfinden, dass es einen Paradigmenwechsel gibt, dass das Vor-Urteil, Demokratie ist Ur-Zustand der Natur, nicht stimmt“, so Khol weiter. Für Österreich und Europa sehe er keine Bedrohung der Demokratie, aber „ich sehe sie durch Internet und direkte Demokratie herausgefordert.“

„Österreich zeichnet sich aus, dass politische Entwicklungen äußerst langsam vor sich gehen“, so der Präsident des Pensionistenverbandes Österreich, Peter Kostelka, „aber die politischen Diskussionen beginnen sich zu verändern.“ Kostelka sparte auch nicht mit Kritik an der amtierenden Regierung: „Mit Scheinproblemen wird von aktuellen politischen Diskussionen abgelenkt, dieser Prozess erscheint mir am gefährlichsten.“ Als Beispiel führte Kostelka „Tempo 140“ an: „Ein wahrlich gesellschaftsverändernder Akt.“

Welche Rolle Vertrauen in der Politik spielt und wie Parteien agieren wurde von der Demokratieforscherin Katrin Praprotnik von der Donau-Universität Krems ausgeführt. „Vertrauen bedeutet Risiko – im Austausch für mehr Möglichkeiten“, so die Wissenschafterin, „das ganze Leben setzt aber Vertrauen in andere Menschen voraus.“ Laut aktuellem Demokratieradar vertrauen die 73 Prozent der Österreich sehr oder etwas in die Politik. „Ich sehe keine Krise der Demokratie, sie ist etwas lebendiges und es ist wichtig, dass wir über unser Verständnis diskutieren“, so Praprotnik.

SaVM04Die aktuelle Politik in Österreich, gesellschaftliche Veränderungen, Fake News, aber auch der Ethik-Unterricht, der schon am Vortag von Matthias Beck, Peter Kampits und Rudolf Taschner angesprochen wurde, war in der anschließenden und lebhaften Diskussion Thema. „Ich werde Zeit meines Lebens dafür kämpfen, damit wir einen verpflichtenden Ethik-Unterricht bekommen“, so Khol, der zum Abschluss auch wieder das Verhältnis von Wahrheit und Politik in den Mittelpunkt rückte: „Die Wahrheit ist nicht nur zumutbar, sie ist eine Verpflichtung!“

Kurt Langbeins Zeit für Utopien

Seit vielen Jahren ist die Kooperation mit dem Filmforum Gmünd und den Waldviertler Kinos in Gmünd ein Fixpunkt im Programm der Internationalen Sommergespräche. Am Freitagabend wurde im bis auf wenige Restplätze ausverkauften Kino „Zeit für Utopien“ gezeigt, auch Regisseur Kurt Langbein war zu einem Filmgespräch zu Gast.

Kino01„Eine cineastische Expedition zu den Einsteigern in eine neue Gesellschaft“, so der erste Satz der Beschreibung des neuesten Films von Langbein. Vielversprechende Möglichkeiten und Beispiele von Solidarität und Kooperation werden aufgezeigt, im Mittelpunkt stehen Hoffnung, Nachhaltigkeit, Zusammenarbeit und der Glaube an eine Welt, in der wir auf die Ressourcenverteilung und Umwelt besser Acht geben.

„Der Besuch und vor allem die intensive und emotionale Diskussion zeigt auch bei diesem Programmpunkt, welch großes Interesse an den Themen Regionalität, Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung bei uns im Waldviertel herrscht“, so Geschäftsführer Christoph Mayer, der nach der Filmvorführung auch mit Langbein zum Film und den damit verbundenen Themen diskutierte. Dabei war Langbeins „Forderung“ klar: „Wir müssen es anpacken!“

Nähere Informationen und vieles mehr zum Film finden Sie hier. Unser Tipp: Unbedingt anschauen.

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Das Vertrauen in die Wirtschaft

Die Kooperation mit der Wirtschaft ist stets ein wichtiges Anliegen der Internationalen Sommergespräche. Aus diesem Grund lud die WALDVIERTEL AKADEMIE gemeinsam mit dem Wirtschaftsforum Waldviertel am Freitagnachmittag zu Leyrer + Graf nach Gmünd, um der Fragestellung „Was die Wirtschaft für unsere Sicherheit tun kann“ nachzugehen.

„Diese Kooperation mit unseren Partnern – auch der Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer, der Industriellenvereinigung und vor allem Leyrer + Graf – ist ein wertvoller Impuls für unser Programm“, so auch Vorsitzender Ernst Wurz zu Beginn der Veranstaltung, „dass diese Themen auch für die Bevölkerung wichtig sind, zeigt das große Interesse an dieser Veranstaltung.“

Stefan Graf, CEO der Leyrer + Graf Baugesellschaft m.b.H., stellte zu Beginn das erfolgreiche Gmünder Unternehmen vor: 1926 gegründet, aktuell über 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und mit einem Jahresumsatz von über 300 Millionen Euro eine der Leitbetriebe des Waldviertels. Graf zeigte aber nicht nur die Tätigkeiten auf, sondern vor allem auch die Unternehmensphilosophie und das Leitbild: „Wir sind ein Familienunternehmen mit sehr hoher Identität. Wir leben unsere Leidenschaft mit Mut, Ausdauer und Konsequenz.“

„Kann Wirtschaft Sicherheit bieten“, war der Titel der Ausführungen des früheren WU-Rektors und nunmehr WIFO-Chefs Christoph Badelt. „Oberflächlich gesagt, absolute Sicherheit gibt es nie“, so der Wirtschaftswissenschafter, der über wirtschaftliche Sicherheit, soziale Marktwirtschaft und vieles mehr sprach. „Wirtschaftliche Sicherheit ist das, was ich glaube, das ich brauche“, so Badelt, „man kann natürlich darüber streiten – was braucht man wirklich? In einer reichen Gesellschaft wachsen aber auch die Ansprüche.“

FrNM03Rainer Neuwirth, Gründer der Plattform myproduct.at sowie E-Commerce-Departmentleiter an der FH Wieselburg brachte das Thema Digitalisierung in die Diskussion ein. „Es gibt nicht online oder offline, wir brauchen beides, wir können diese beiden Stränge nicht voneinander losgelöst diskutieren“, so Neuwirth, der appellierte: „Sehen Sie Digitalisierung als Chance und denken sie zeit- und ortsunabhängig.“

„Letztendlich geht es um das Gefühl, das die Menschen haben“, so Wirtschaftsforum Waldviertel-Obmann Christof Kastner, „Das Gefühl: Sagen uns Politik, Medien und Wirtschaft die Wahrheit?“ Eine Aussage, die auch Stefan Graf bestätigte: „Ohne Vertrauen ist eine menschliche Gemeinschaft nicht möglich. Was wir als ‚das Gute‘ empfinden, ist untrennbar mit unseren Werten verbunden.“

In weiterer Folge entwickelte sich eine spannende und intensive Diskussion, in der auch Fachkräftemangel, Migration, Dominanz der Konzerne, Fake News, und Alternative Fakts, Ansprüche, Mitarbeiterführung und Sicherheit große Themen waren. „Die Dinge verändern sich und wir müssen offen sein für Anderes und Neues“, so Kastner. Auch für Christoph Badelt war das Thema Sicherheit ein wichtiges: „Es stimmt, meist sind die emotionalen Werte viel wichtiger. Aber ohne Mittel, dieses Bedürfnisse zu befriedigen, wird es auch nicht gehen.“

FrNM04Auf Einladung von Leyrer + Graf wurde die anregende Diskussion nach fast drei Stunden auch bei einem Imbiss und einem Glas Wein fortgesetzt. „Wir freuen uns, dass wir mit unseren Partnern hier vor Ort eine so tolle Kooperation fixieren und umsetzen konnten“, so auch ein zufriedener WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer, „bereits nach zwei von vier Tagen konnten die Internationalen Sommergespräche 2018 über 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verzeichnen.“

 

Brauchen wir Ethikunterricht?

Die Sommergespräche 2018 steuern von Beginn weg einem großen Erfolg und neuem Besucherrekord entgegen. Nach der fulminanten Eröffnung auf Schloss Weitra wurde auch der erste Programmpunkt am Freitag regelrecht „gestürmt“. Rund 120 Personen ließen sich die Diskussion mit Matthias Beck, Peter Kampits und Rudolf Taschner im Rathaus Weitra nicht entgehen.

„Woran glauben wir noch? Unsere Sehnsucht nach Wahrheit, Vertrauen und Sicherheit“ – unter dem Haupttitel der 34. Internationalen Sommergespräche stand auch der erste Diskussionspunkt am Freitag. Der Theologe und Mediziner Matthias Beck, der Philosoph Peter Kampits und der Mathematiker Rudolf Taschner zogen dabei einen großen Bogen über die Themen Glaube, Sicherheit, Würde und Religion.

„Es gab immer Phasen der Verunsicherung“, zog Beck zu Beginn auch einen historischen Vergleich, „Glaube soll Erleichterung sein, nicht Sicherheit.“ Beck stellte auch klar: „Wir machen Gott für alles verantwortlich, aber er ist kein Mechaniker, kein Schraubendreher.“

Philosoph Kampits stellte bei seinen Ausführungen vor allem die Würde in den Mittelpunkt. „Wir müssen die Würde wieder mehr in den Mittelpunkt stellen. Die Würde als soziales Konstrukt, in das wir Vertrauen haben sollten“, so Kampits, der auch pointiert meinte: „Letztlich können wir wahrscheinlich nur noch auf uns selbst vertrauen, da Gott ja bekanntlich seit Langem tot zu sein scheint – oder sich zumindest auf Dauerurlaub befindet.“

„Wir werden Maschinen – insofern ist es mit der Freiheit und Anatomie schlecht bestellt“, stellte Rudolf Taschner gleich zu Beginn fest. „Von Wissenschaft Wahrheit zu erwarten, ist ein verwegenes Spiel. Es gibt gewisse Dinge, die wir nie wissen werden. Also keine Sicherheit.“

In weiterer Folge entwickelte sich eine engagierte Diskussion mit intensiver Beteiligung des Publikums, in der vor allem auch der Religions- und Ethikunterricht diskutiert wurde. Während sich Kampits und Beck klar für einen Ethikunterricht in den Schulen aussprachen („Es müsste genau durchdacht werden und eine Verbindung von Theorie und Praxis mit Einbezug der Religion sein.“), hielt Taschner hier dagegen. „Als Politiker muss ich sagen, ein Schulfach kostet ein Vermögen, das ist einfach nicht drin. Aber wir können aus den Fächern, die wir bereits haben, noch so viel machen. Ein neues Fach zu gründen, geht auch schief, glauben sie mir.“

Abschließend brachte auch WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzender Ernst Wurz eine weitere Komponente ein: „Es wird alles auf die Schule abgeladen, aber Erziehung ist auch Aufgabe der Eltern.“

„Der Besuch und die intensiven Diskussionen zeigen, das wir mit den Themen Glauben, Wahrheit, Sicherheit und Vertrauen auf das richtige Pferd gesetzt haben“, so Akademie-Geschäftsführer Christoph Mayer, „Themen, die in der Region eine große Rolle spielen und uns alle berühren.“

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