Die Zukunft der Regionen

„Grenzenlose Regionen“ war der Titel der Samstagvormittag-Diskussion im Rathaus Weitra, bei der Gudrun Biffl, Martin Heintel und Wolfgang Lalouschek diskutierten.

Ökonomin und Migrationsforscherin Gudrun Biffl sprach in ihren Ausführungen die Globalisierung, Individualisierung und den technologischen Wandel an. Die große Frage sei, „wie können wir die Entwicklungen gestalten und nicht nur passieren lassen?“ Die Stärkung der sozialen Infrastruktur und die Integration der Dienstleistungen seien für den ländlichen Raum sehr wichtig, da „es immer schwieriger wird, Beruf und Familie zu kombinieren.“ Der ländliche Lebensraum müsse attraktiv bleiben und Anreizsysteme für Kooperationen – zwischen Gemeinden und Institutionen – geschaffen werden.

Das Stadt-Land-Verhältnis und die damit verbundenen Widersprüche standen im Mittelpunkt der Ausführungen von Martin Heintel. Solidarität und Individualidät, Zu- und Abwanderung, Beharrung und Veränderung sowie Anspruch und Wirklichkeit waren dabei wichtige Schlagworte. „Welche Botschaften senden wir mit Metaphern wie Schrumpfung und Überalterung?“, fragte der Regionalforscher und plädierte für einen sorgsameren Umgang mit der Sprache. Auch für Heintel sind Kooperationen zwischen Kommunen ein wichtiger Faktor, vor allem aber auch die „grenzüberschreitende Zusammenarbeit“.

Wolfgang Lalouschek näherte sich der Thematik aus neurologischer Sicht an. „Unsere Grenzen werden von multinationalen Konzernen stillschweigend überrannt – sowohl staatlich als auch persönlich.“ Die Grenzen sind wichtig, so Lalouschek, aber es würde Angst geschürt. Die Kooperation sei ein wichtiges Element des Lebens und des Menschens. Lalouschek plädierte für ein inneres Ja und für Netzwerke nachhaltiger Regionen und Städte. „Wir müssen die reale Welt mit den Vorteilen der digitalen verknüpfen“, so Lalouschek abschließend.

Wo sind unsere Grenzen?

Die Grenzen des Menschen und des Körpers sowie der eigenen Leistungsfähigkeit standen im Mittelpunkt der Freitagnachmittag-Diskussion im Rahmen der Sommergespräche im Moorheilbad Harbach.

Einleitend stellte der Ärztliche Direktor Johannes Püspök das Haus und die Angebote vor und zeigte die rasante positive Entwicklung des Moorheilbades auf. Nach einer kurzen Pause waren dann die Referentinnen und Referenten am Wort, die sich mit ihren ganz eigenen Grenzen und Grenzerfahrungen auseinandersetzten.

Tom Gschwandtner, Grafiker und Buchautor aus Horn, der nach einem Autounfall seit dem 26. Lebensjahr querschnittgelähmt ist, meinte gleich zu Beginn: „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.“ Was er damit meinte, ist die Herangehensweise an das Leben. „Nach dem Unfall war alles auf null geschaltet und weg: Gesundheit, Job und Hobbies. Da ist es schwierig, eine neue Perspektive zu entwickeln, aber machbar. Es geht um die Sicht der Dinge und wie wir sie bewerten.“ Er musste sich auf die neue Situation natürlich einstellen, aber: „Ich bin gelähmt und kann die Situation nicht ändern – also was mache ich daraus?“ Mit seinen – trotz der ernsten Thematik – auch unterhaltsamen Ausführungen regte er das Publikum zum Nachdenken über Prioriäten im eigenen Leben an.

„Wo sind die Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit?“ Das war die zentrale Frage des Sportwissenschafters Johann Holdhaus, der gleich anfügte: „Ich weiß es nicht. Der Mensch ist ein Phänomen und schwer durchschaubar.“ Leistung sei ein Zusammenspiel aus Gehirn, Körper und Genetik. Holdhaus brachte im Anschluss auch zahlreiche Beispiele für menschliche Höchstleitungen und Grenzüberschreitungen, von Reinhold Messner über Usain Bolt bis hin zu Christoph Strasser und Wolfgang Fasching. „Für uns nicht erklärbare Spitzenleistungen dürfen aber nicht automatisch in den Dopingdunst gerückt werden“, so Holdhaus abschließend.

„Geht ned, gibt’s ned“, das ist das Motto der Ultrasportlerin Alexandra Meixner. Die Medizinerin gab einen interessanten Einblick in ihren Werdegang („Meine einzige Motivation für Sport war, dass ich sehr gerne gegessen habe.“) und ihre sportlichen Erfolge. Den ersten Marathon absolvierte Meixner im Jahr 2002, danach lief sie immer weitere Strecken und fragte sich: „Was geht noch?“ Die Neugierde brachte sie zu all ihren – mittlerweile fünf – Weltrekorden, unter anderem absolvierte sie 20 Triathlons an 20 aneinander folgenden Tagen. „Natürlich tut jede Grenzerfahrung weh“, so Meixner, aber das Team und ihr Umfeld helfe ihr stets an neue Grenzen zu gehen. Letztendlich sind es auch ihre Fans, die sie motivieren: „Was gibt es Schöneres, als jemanden zu inspirieren?“

Die Organisatoren streuten auch dem neuen Kooperationspartner Rosen. „Der Besuch und der Einblick in das Moorheilbad Harbach waren eine perfekte Ergänzung zu unserem diesjährigen Thema“, so Geschäftsführer Christoph Mayer, „sportliche und körperliche Grenzen sowie Grenzüberschreitungen interessieren und faszinieren jeden Menschen.“