An der Grenze scheiden sich die Geister

Im Rahmen der Waldviertler Vorlesungen lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am Montag, 25. November gemeinsam mit der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Wien/Krems, dem Bildungs- und Heimatwerk St. Bernhard-Frauenhofen und dem Museum Horn zu Vortrag „Wer in Grenzen denkt, ist begrenzt in seinem Denken.“ 

„Ich habe 1984 in Horn maturiert, damals waren die Grenzen geschlossen“, so Bernhard Schörkhuber vom Institut für Ausbildung am Campus Krems-Mitterau der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Wien/Krems zu seinen persönlichen Grenzbeziehungen, „heute kann man die offene Grenze bewundern.“ In weiterer Folge bezog Schörkhuber Stellung zur Ambivalenz von Grenzen: „Einerseits wollen wir alle Grenzen öffnen, auf der anderen Seite sie aber komplett schließen. Die Einen beklagen den Fall der Grenzen, die Anderen propagieren absolute Barrierefreiheit.“ Neuerdings seien die totgesagten Grenzen wieder im kommen – Stichwort: Flüchtlingsbewegungen –, dank Globalisierung bleibt die Mobilität der Menschen, zum Beispiel auf dem Weg in ihren Urlaub, aber grenzenlos.

„Grenze ist ein Schlüsselbegriff der Gegenwart“, so der Theologe, „von existenziellem Ernst, aber nichtssagend zugleich.“ Sie ist zur Leitidee der Moderne geworden, als Symbol zur Ein- und Ausgrenzung. Als Beispiele nannte Schörkhuber innen und außen, ich und du, Zugehörigkeit und Unterschiede, Eigenes und Fremdes oder Arm und Reich. „Grenzen markieren auch den unterschiedlichen Zugang zu Ressourcen“, so Schörkhuber.

Schörkhuber thematisierte auch den Fall des Eisernen Vorhangs und der Berliner Mauer: „Wer hätte nach dieser Euphorie im Jahr 1989 gedacht, dass heute wieder Menschen vor unüberwindbaren Grenzen stehen?“ Von 1990 bis 2019 wurden in 45 Ländern 75 neue Grenzbefestigungen gebaut oder geplant. „Mit Mauern wird Politik gemacht“, so Schörkhuber weiter.

Zum Abschluss brachte der Theologe auch den Glauben ins Spiel. „Gegen Ent- und Ausgrenzung braucht es ein engagiertes Auftreten des Christentums. Wir müssen aufwachen und genau hinsehen. Nicht der Andere ist das Problem, sondern wie wir ihn wahrnehmen. Hier geht es auch um die Ethik des Miteinander-Seins.“

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