Gut aufgestellt und Sinn gebend

Unter dem Titel „Grenzen der Freiwilligkeit. Wie belastbar ist das Rückgrat der Gesellschaft?“ lud die WALDVIERTEL AKADEMIE in Kooperation mit dem Roten Kreuz Niederösterreich und der Kultur.Region.Niederösterreich am 19. November nach St. Pölten, um gemeinsam mit Expertinnen und Experten über die Herausforderungen im Freiwilligenwesen zu diskutieren.

Eva More-Hollerweger vom NPO-Kompetenzzentrum der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sich zu Beginn der Definition von Freiwilligenarbeit: „Es ist unbezahlte, freiwillige Arbeit, die ausserhalb des Hauses statt findet und somit Teil der Freizeit.“ Grenzen seien unter anderem auch durch die Arbeitszeit gesetzt, denn „Freiwilligenarbeit muss man sich auch leisten können.“ Viele Personen würden die Familie als Hauptgrund, sich nicht zu engagieren, anführen: „Hier geht es um den Zeitfaktor und die Familie steht natürlich an erster Stelle.“

„Die Aufopferung und Nächstenliebe sind nicht mehr so wichtig, sondern der Sinn dahinter“, so Sozialwissenschafter Bernd Marin zu den Beweggründen, sich freiwillig zu engagieren. Die Gesellschaft habe so viel Freizeit wie noch nie, dennoch wird diese nicht vermehrt in die ehrenamtliche Arbeit investiert. „Dabei wissen wir, wenn diese Freiwilligenarbeit nur einen Tag nicht stattfinden würde, würde die Gesellschaft über Nacht zusammenbrechen.“ Die Privatpersonen, der Staat und die Organisationen müssen zusammenhalten, um dieses System zu erhalten. „Man muss aber etwas dafür bekommen, man hat Erwartungen“, so Marin, der nicht nur Sinn, Solidarität und Verwirklichung anführte, sondern auch Ankerkennung, Supervision, Auslagenrefundierung und Pensionsanrechungen forderte.

2,9 Millionen ehrenamtliche Stunden werden vom Roten Kreuz jährlich geleistet. „Der härteste Schritt ist der erste, nämlich zu sagen, ich engagiere mich freiwillig“, so Rot-Kreuz-Präsident Josef Schmoll. Es gäbe natürlich ein großes Angebot an Vereinen, viele wollen ihr zeitliches Engagement nur ohne zeitliche Verpflichtung geben. „Das geht bei uns aber nicht, wir sind 24 Stunden im Dienst, das ist der Unterschied zu den anderen“, so Schmoll weiter, „wir müssen das Wohnzimmer von zuhause auf die Dienstelle verlegen. Denn wenn ich schon Zeit gebe, muss es dabei auch gemütlich sein.“

Das Freiwilligenwesen gut aufgestellt sieht auch Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner, der aber ebenso für Pensionsanrechnungen und Vergünstigungen für freiwillige Mitglieder plädierte. „Wir erfüllen einen gesetzlichen Auftrag. Wenn wir ausfallen, dann gibt es Tote.“ Für den Erfolg müsse die Gemeinschaft stimmen und auch die Familien eingebunden werden, denn „es muss auch Spaß machen.“

600.000 Freiwillige in 20.000 Vereinen, die über 1,5 Millionen Wochenstunden leisten – so die beeindruckende Bilanz ehrenamtlicher Tätigkeit im Land Niederösterreich. Martin Lammerhuber, Geschäftsführer der Kultur.Region.Niederösterreich brachte auch die Leistungen im kulturellen Bereich in die Diskussion ein. „Es muss Spaß machen und einen Nutzen haben, aber wir müssen auch Werbung machen. Wer spricht die Leute mit welchem Angebot an? Das ist immens wichtig.“

Im Anschluss entwickelte sich eine spannende und lebhafte Diskussion, die auch bei einem Glas Wein fortgesetzt wurde. „Das Freiwilligenwesen ist eine wichtige Säule in der Gesellschaft unseres Landes, deshalb war es uns wichtig, auch hier die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu diskutieren“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer nach der Veranstaltung.

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