„Ich würde alles wieder so machen!“

In Kooperation mit der Kultur.Region.Niederösterreich lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am Dienstag, 21. Mai in die Raiffeisenbank Waidhofen/Thaya. Landeshauptmann aD Erwin Pröll und der Journalist Herbert Lackner waren zu Gast, um anlässlich der Neu-Erscheinung des Buches „Zwei Lebenswege – Eine Debatte. Peter Turrini & Erwin Pröll“ über das Buch und das Leben von Pröll zu sprechen.

Ist das das einzige Mikrofon im Saal?

Erwin Pröll rückte die aktuellen Geschehnisse schon zu Beginn in den Mittelpunkt.

Aufgrund der aktuellen politischen Ereignisse in Österreich stand der Abend natürlich unter einem besonderen Vorzeichen und nicht immer die Publikation im Zentrum des Geschehens. „Es wird niemand gezwungen, in die Politik zu gehen, man hat hier eine besondere Verantwortung“, so Pröll, „ich bin kein Obermoralist, aber es gibt Normen, von denen man weiß, dass man sie einhalten muss.“ Pröll bezog sich dabei auch auf seinen christlichen Glauben: „Niemand von uns ist unfehlbar, aber jemanden, der sich an den zehn Geboten orientiert, dem kann so etwas nicht passieren. Diese gaben jahrhundertelange Orientierung, die auch in Zukunft helfen wird.“ Auf die Frage, was sich Pröll gedacht habe, als er von der Ibiza-Affäre gehört habe, meinte dieser: „Es war ein Kopfschütteln und Wundern. Wir waren gerade am Heimweg aus dem Urlaub.“ Herbert Lackner ging dann noch einen Schritt weiter: „Es ist das dritte Mal, dass die FPÖ in der Regierung ist und sich das dritte Mal von selbst in die Luft sprengt – können sie es einfach nicht?“ Pröll dazu: „Ich empfinde diese Frage als Frechheit. Und zwar deshalb, weil du selbst weißt, dass sich die FPÖ mit diesem Video die eigene Antwort gegeben hat. Ich habe kein Verständnis dafür, was Strache und Gudenus getan haben. Aber in Straches Haut möchte ich nicht stecken, weil es ein politisches und privates Desaster ist.“

Im Anschluss wurde aber auch über das Leben von Erwin Pröll gesprochen. Auf die Aussage von Lackner, dass er noch nie in Waidhofen war, erntete dieser nicht nur vereinzelte Buh-Rufe sondern auch eine gewohnt schlagkräftige Antwort von Pröll. „Ich bin zum 524. Mal in Waidhofen. Und hier sitzen einige Personen im Publikum, die mir das Leben sehr schwer gemacht haben – heute kostet das uns ein Lächeln.“ Lackner und Pröll verstanden es tiefe Einblicke in Werdegang, Politik und Zukunft Österreichs zu geben und dies stets auch versehen mit Pointen und gegenseitigen Spitzen.

Der Fall des Eisernen Vorhanges ist uns zugute gekommen.

Erwin Pröll über das Jahr 1989

Pröll sprach über sein Aufwachsen am Land und die empfundene Ungerechtigkeit von Stadt und Dorf. Das Jahr 1989 sei schicksalsweisend gewesen: „Der liebe Gott hat es gut mit uns gemeint, es hätte eine sonst viel schlechtere Ausgangsposition für Niederösterreich gegeben.“ Dennoch sehe er nicht nur eine rosige Zukunft: „Wenn Europa eine Friedensgemeinschaft sein will, dann muss Europa zusammenwachsen.“

Großes Interesse herrschte im voll besetzten Raiffeisen-Saal.

Nein, Erwin, das ist keine Parteiveranstaltung.

Herbert Lackner zu Erwin Pröll

Einen spannenden Einblick in das politische und kulturelle Leben bildete den Abschluss der Veranstaltung. Auf die Frage, ob er sich – wie von Journalisten zugeschrieben – mächtig oder mutig gefühlt habe, antwortete Pröll: „Ich dachte du kannst deklinieren? Tapfer, mutig, Erwin Pröll.“ Lackner konterte aber sofort und erntete dafür schallendes Gelächter: „Nein, Erwin, das ist keine Parteiveranstaltung.“ Schon nach der ersten geschlagenen Wahl mit minus 3,4 Prozent wollte Pröll zurücktreten, auch in der Folge seiner politischen Laufbahn sei er zwei Mal vor dem Rücktritt gestanden. „Ich war psychisch und physisch fertig. Meine Frau hat hier stets eine wesentliche Rolle gespielt, ohne sie wäre alles anders gelaufen.“

Als Dankesgeschenk für einen gelungenen Abend überreichte WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzender Ernst Wurz den beiden Gästen jeweils eine Flasche nørderd – Bio Vodka aus dem Waldviertel mit den Worten: „Aber bitte alleine in einer ruhigen Stunde genießen.“

Glückliche Gesichter nach einem erfolgreichen und spannenden Abend.
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