Wir mischen uns zu wenig ein!

Die Samstagdiskussionen der Internationalen Sommergespräche endeten im Rathaus Weitra unter großem Interesse mit einer spannenden Diskussion zum schwierigen Verhältnis zwischen Politik, Medien und Wissenschaft.

„Der wissenschaftliche Diskurs zu Migration wurde zum Teil zu kontrovers geführt“, so Gudrun Biffl, Migrationsforscherin an der Donau-Universität Krems, „was der Politik einen gewissen Spielraum gegeben hat.“ Mit dem Rechtsruck in der Politik sei auch die Qualität von Lügen und Falschmeldungen Hand in Hand gegangen. „Eine Migration in den Sozialstaat, mittel- und langfristig, so etwas gibt es einfach nicht“, so Biffl. Objektive Fakten hätten öfter weniger Einfluss als emotionalisierte Behauptungen.

Sozialwissenschafter Bernd Marin ging danach auf politische Mythen und Falschmeldungen ein. Als konkretes Beispiel gab er die Schlagzeile „41,3 % Familien ohne Nachwuchs“. „Hier wurden Haushalte ohne Kinder – egal welchen Alters die Eltern sind – herangezogen, das sind zwei komplett verschiedene Dinge, also ein Schwachsinn“, so Marin. Ebenso verhalte es sich mit der Behauptung „Österreich sei kein Einwanderungsland“. Seite 1960 wandern im Durchschnitt 21.500 Personen ein. „Um die Bevölkerung zu stabilisieren, benötigt man aber 21.600, zur Stabilisierung der Erwerbsfähigen gar 44.000“, so Marin weiter.

In Politik, Medien und Wissenschaft gehe es um drei Dinge: Wahrheit, Vertrauen und Glaubwürdigkeit. „In allen drei Bereichen sind wir in eine totale Schieflage geraten“, so Journalistin Anneliese Rohrer. Fake News und Alternative Facts waren die Stichworte, Rohrer nahm aber auch die Gesellschaft in die Pflicht: „Wir mischen uns zu wenig ein. Wir haben als Gesellschaft viel zu lange zugeschaut und Sie machen ihrem Ärger viel zu wenig Luft.“ Medien und Politik seien nicht frei von Einfluss von der Gesellschaft, denn letztendlich „sind wir die Politik“, so Rohrer.

In einer engagierten Diskussion auf dem Podium und im Publikum endete die Diskussion im Rathaus Weitra, mit der die Sommergespräche in die Zielgerade gingen. „Wir sind absolut auf Besucherrekord-Kurs“, so Christoph Mayer, „mit den letzten beiden Programmpunkten am Samstag in Waidhofen und am Sonntag in Weitra werden erstmals über 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezählt werden.“

SaNM05

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