Wie wichtig ist Religion für uns?

Gemeinsam mit der Donau-Universität Krems und der VHS Krems lud die WALDVIERTEL AKADEMIE am 10. April in das Audimax zu einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion. Gregor Henckel-Donnersmarck, Niko Alm und Franz Schmatz gingen der Frage „Wie wichtig ist Religion für uns?“ nach.

DSC_0306Christian Hanus, Dekan der Fakultät für Bildung, Kunst und Architektur ging bereits in seiner Begrüßung auf die Thematik ein: „Die Frage nach dem Sinn des Lebens beschäftigt uns alle und ist somit auch ein wichtiges Thema für die Donau-Universität.“ Wie wichtig und spannend Glaube und Religion sind, zeigte sich danach in einer unterhaltsamen und kontroversiellen Podiumsdiskussion. Franz Schmatz, Theologe, Psychotherapeut und Sterbebegleiter, näherte sich der Fragestellung von der spirituellen und meditativen Seite. „Jeder Mensch ist auf der Suche nach der Mitte, egal, die diese dann aussieht“, so Schmatz, „ich glaube dass jeder Mensch an etwas glaubt. Glaube bedeutet ja, dass mein Herz an etwas hängt.“ Dabei beeindruckte Schmatz auch mit seiner persönlichen Geschichte und Tätigkeit: „Ich würde nicht anders leben, wenn ich Atheist wäre. Ich erwarte nichts für das gute Tun, ich tu es um des Guten willen.“

Heiligenkreuz-Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck ging gleich zu Beginn auf die Austrittszahlen der Kirche, die auch in der Einladung der WALDVIERTEL AKADEMIE angesprochen wurden, ein. „Es ist nicht die Krise der Kirche, sondern Europas. Und diese reicht bis hin zur Demografie“, so Henckel-Donnersmarck. Die Frage wem wir glauben und warum sei ein zentraler Mittelpunkt, denn: „Wir leben gottseidank in einer Demokratie. Die Demokratie lebt von Werten, die sie sich nicht selbst geben kann. Hier sehe ich eine Chance für den Glauben und das Vertrauen auf dessen Werte.“

Niko Alm, bekannt als Initiator des Österreich-Ablegers der Kirche des Spaghetti-Monsters, sah die Themen Glaube und Religion naturgemäß anders. „Glaube und Überzeugung sind verschiedene Dinge. Ich glaube an keinen Gott. Ich glaube nicht an nicht beweisbare Hypothesen. Ich glaube an die Wissenschaft.“ Menschen, die glauben, würden oft auch in die Irre geführt werden, vor allem in der Alternativmedizin gäbe es genügend Beispiele. „Jede Vorstellung von Gott ist nicht beweisbar. Deshalb heißt es Glaube, weil es eben kein Wissen gibt“, so Alm. Er plädierte vor allem für die Trennung von Kirche und Staat: „Die Religion soll Privatsache werden. Dann kann der Staat nicht mehr entscheiden, welche Glaubensrichtung förderwürdig ist oder nicht und es kann hier keine Diskriminierungen, wer Privilegien erhält und warum, mehr geben“.

Im Anschluss an die Einleitungsstatements entwickelte sich eine hochspannende und interessante Diskussion, in der auch der Ton etwas schärfer wurde. Henckel-Donnersmarck meinte zu Alms Bemühungen, die Pastafaris als offizielle Glaubensrichtung anzuerkennen eine „Verspottung von Andersgläubigen“. Alm selbst konterte: „Wir wurden selbst genug despektierlich – auch von Vertretern der Kirche – behandelt, das müssen wir alle aushalten.“ Einig waren sich die Herren auf dem Podium aber dennoch in einer Sache: Niemand kann und soll zu einem Glauben gezwungen werden. Jeder Mensch müsse selbst entscheiden können.

„Ein würdiger Auftakt zum Jahresschwerpunkt ‚Woran glauben wir noch?‘“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer zufrieden nach der Veranstaltung, „Glaube und Religion sind sehr breite Themen. Wir wollen in gewohnter Manier verschiedene Aspekte aufzeigen und zur Diskussion anregen.“ Dieser Vorgabe wurde in Krems gänzlich erfüllt.

DSC_0310

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s