Historische Gebäude brauchen Nutzung

Die Reihe „Kulturgüterschutz konkret 2018“ der Donau-Universität Krems machte am 6. März in Kooperation mit der WALDVIERTEL AKADEMIE auch im Rathaus Weitra Station. Ein interessanter Abend zu einem äußerst spannenden Thema.

Kulturgüterschutz – ein Themenfeld, dessen nationale wie internationale Bedeutung in den vergangen Jahren exponentiell gestiegen ist. Auch aus diesem Grund hat das Zentrum für Kulturgüterschutz der Donau-Universität Krems die Vortragsreihe „Kulturgüterschutz konkret“ ins Leben gerufen, um für eine breite Vermittlung der Thematik zu sorgen.

Wie sieht der Kulturgüterschutz aber entlang der österreichisch-tschechischen Grenze und in der Region Waldviertel aus? Darüber diskutierte ein hochkarätiges Podium am 6. März im Rathaussaal Weitra. Peter Strasser, Zentrumsleiter an der Donau-Universität, bemerkte schon bei seinen Grußworten: „Grenzen sind für den Kulturgüterschutz ein wichtiges Thema.“ Wobei ihm Christoph Hütterer vom Bundesdenkmalamt zustimmte: „Das Grenznahe ist nicht so wichtig wie das Grenzüberschreitende.“

Moderatorin Katka Krejčova zeigte zu Beginn den Status Quo auf: In Österreich sind über 35.000 Bauwerke im Denkmalverzeichnis eingetragen, rund ein Drittel davon befindet sich in Niederösterreich. In der Tschechischen Republik bestehen über 40.000 unbewegliche Denkmäler.  Bürgermeister Raimund Fuchs zeigte dies auch am Beispiel Weitra auf: „Wir haben 46 denkmalgeschützt Objekte und eine gute Gesprächsbasis mit den Behörden.“ Petra Kroupová vom Nationalen Denkmalinstitut in Prag und Hütterer brachte dem Publikum die Bedeutung von Kulturgüterschutz nahe. Hütterer merkte aber auch an: „Eine bessere Vernetzung von Institutionen und Behörden, auch auf polizeilicher Ebene, wäre wünschenswert.“

Historiker Wolfgang Katzenschlager zeigte die geschichtliche Entwicklung der Stadt Weitra auf – von der Ackerbürgerstadt bis heute. „Mit der Renovierung des Sgraffito-Hauses wurden in den 60er-Jahren bereits wichtige Maßnahmen zum Denkmalschutz gesetzt“, so Katzenschlager, der aber auch mahnte: „Denkmalschutz darf nicht für sich allein isoliert gesehen werden. Es geht um eine Bewusstseinsbildung über die historische Bausubstanz der Stadt, aber vor allem auch um wichtige und zukunftsweisende Maßnahmen. Historische Objekte brauchen auch eine Funktion.“ Dalibor Štys von der Südböhmischen Universität Budweis sprach von den Erfahrungen auf tschechischer Seite in Gratzen/Nové Hrady: „Wir haben eine hohe Dichte an Denkmälern, haben aber auch noch viel zu tun, um wieder eine Märchenstadt zu werden. Wichtig ist es, Nutzungskonzepte für Denkmäler zu erstellen.“

In diese Richtung entwickelte sich danach auch eine spannende Diskussion mit dem Publikum. „Es hilft nichts, wenn wir die schönsten Denkmäler haben, diese aber verfallen, weil wir keine Nutzung haben“, so Hütterer abschließend.

„Mit dieser Veranstaltung ist die WALDVIERTEL AKADEMIE nicht nur ihrer grenzüberschreitenden Kompetenz gefolgt, sondern hat auch ein immer wichtiger werdendes Thema aufgegriffen, welches in der Diskussion bis hin zu Revitalisierungen und Stadtkernnutzung geführt hat“, so Geschäftsführer Christoph Mayer, „das Rathaus Weitra ist ja ein wunderbares Beispiel für eine perfekte Nutzung eines historischen Gebäudes. Die Kooperation mit der Stadtgemeinde Weitra ist hierfür beispielgebend.“

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