Friede: Mehr als Abwesenheit von Krieg

Unter dem Titel “Bertha von Suttner – Gedenken an eine berühmte Österreicherin” lud der Verein Kulturen an der Grenze gemeinsam mit der WALDVIERTEL AKADEMIE am 28. September zu einer Diskussion in die Orangerie des Schlosses Harmannsdorf.

 Politikwissenschafterin Sabine Stadler hatte den Abend, der dank der Unterstützung der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung ermöglicht wurde, konzipiert und führte nach der Begrüßung durch den Obmann des Internationalen Bertha von Suttner-Vereins Albert Reis auch in das Thema und Leben der berühmten Österreicherin ein. In Prag geboren, danach in Österreich – unter anderem auch im Schloss Harmannsdorf aktiv und gelebt – bis zu ihrem Tod 1914 in Wien. “Bertha von Suttner war Europäerin”, so Stadler.

Danach standen die beiden Expertinnen Elisabeth Hewson – sie hat ein Buch für Jugendlich unter dem Titel “Bertha” verfasst – und Konfliktforscherin Elisabeth Jalka im Mittelpunkt. In einer äußerst launigen Doppel-Conference, die mit vielen Hintergrundinformationen zum Leben der Bertha von Suttner gespieckt waren, gestalteten die beiden einen sehr kurzweiligen Abend, der sich auch mehr Zuhörerinnen und Zuhörer verdient hätte. Hewson schilderte auch ihre Beweggründe, ein Kinderbuch zu verfassen: “Die Idee kam mir beim Skifahren. Ich dachte mir, wie kann ich die Geschichte adäquat für Jugendliche erzählen. Und wie kann den Grundgedanken vermitteln: Wie kämpferisch muss ich sein, um Frieden zu stiften.”

Die beiden Damen berichteten nicht nur über das Leben von Bertha von Suttner, 1843 geboren und als erste Frau 1905 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, sondern auch über ihre eigene Arbeit und Erlebnisse mit den Gedanken der berühmten “Friedensbertha”. “Nur wo Konflikte sind, kann etwas entstehen”, so Jalka, “das Leben ist Bewegung und Bewegung ist Konflikt. Wir alle haben Angst vor Konflikten, weil wir nie gelernt haben zu straiten. Wir müssen das aber lernen, damit kann man so vieles verstehen.” Autorin Hewson hatte nach dem Appell von Jalka auch gleich einen Tipp parat: “Ich hätte mir gewünscht, dass alle derzeitigen Wahlkämpfer hier wären. Bei uns in Österreich gibt es ja keine Diskussionskultur.”

In einer spannende Diskussion auch mit dem Publikum wurde auch das Vermächtnis der Bertha von Suttner in der heutigen Zeit angesprochen. “Sie hat so viele Steine ins Rollen gebracht”, so Jalka, “oft hört man, sie ist gescheitert, aber das ist ein Blödsinn. Friede ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Friede ist die Beschäftigung mit Konflikten. Das haben wir auch von ihr gelernt.” Beide Expertinnen kritisierten aber auch, dass es bis heute kein Denkmal und zu wenig Würdigung in Österreich für die berühmte Friedensforscheirn gegeben hat. “Je mehr Menschen über sie sprechen, desto mehr Aufmerksamkeit wird sie in der Gesellschaft bekommen”, so Jalka, “es gibt aber keine Partei oder ähnliches, die sich für sie einsetzen würde. Sie hat zu wenig Würdigung in der Stadt, der Geschichte und in Büchern – dabei begeistert ja vor allem ihre Zivilcourage.”

“Die Beschäftigung mit der Person Bertha von Suttner, ihrem Leben und ihren Thesen passt perfekt zu einer Institution wie der unsrigen”, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer, “wir haben einen wunderbaren und spannenden Abend erlebt und ich danke allen Beteiligten für die Zusammenarbeit”.

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