„Wir stellen uns selbst das Haxl!“

Zu einer ganz besonderen Veranstaltung lud die WALDVIERTEL AKADEMIE in Kooperation mit der Raiffeisenbank Zwettl, dem Wirtschaftsforum Waldviertel, der Donau-Universität Krems und der Stadtgemeinde Zwettl am 20. März in den Raiffeisen-Saal. Unternehmer und Vizekanzler aD Hannes Androsch und Rechnungshofpräsident aD Josef Moser sprachen über ihr gemeinsames Buch “Einspruch! Der Zustand der Republik und wie sie noch zu retten ist”.

 Die Veranstalter hatten im Vorfeld viel zu tun, letztendlich konnten nicht alle Interessenten untergebracht werden, so groß war das Interesse. Rund 140 Personen war es dann vorbehalten, dem Abend beizuwohnen, darunter auch viel Prominenz: Vizebürgermeister Johannes Prinz, Birgit Trojan vom Wirtschaftsforum Waldviertel, Anne Blauensteiner, Heini Staudinger, Rotes Kreuz-Bezirkskommandant Josef Zimmermann und viele mehr waren gekommen, um den beiden honoren Persönlichkeiten zu lauschen und mit ihnen zu diskutieren.

DSC_0049Jurist Josef Moser, bis 2016 Präsident des österreichischen Rechnungshofes zeigte schon zu Beginn wichtige Themen auf, die zum Entstehen des Buches geführt haben. “Wir wollten wissen: Wie schaut unsere Zukunft aus? Bis 2048 werden die Kosten für Pensionen, Pflege und im Sozialbereich ansteigen. Dafür benötigen wir eine Wirtschaft, die diese Mehrausgaben erwirtschaftet, damit wir uns das leisten können. Wir sind spitze dabei, Einnahmen zu lukrieren, aber auch Weltmeister beim Geld ausgeben.” Bildung, Gesundheit, Pflege und Föderalismus waren Kernthemen von Mosers Aussagen, der aber auch klarstellte: “Die Zukunft schaut gut aus, wenn wir heute handeln!”

Hannes Androsch, früherer Vizekanzler unter Bruno Kreisky und heute erfolgreicher Unternehmer, stimmte seinem Vorredner zu: “Es gut uns gut, wir haben viel erreicht, darauf können wir von mir aus auch stolz sein. Aber es ist gefährlich, zu glauben, dass alles paletti ist.” Androsch sprach den Rückgang der Exporte und die Rekordarbeitslosigkeit an: “Anderswo, zum Beispiel in der Schweiz, in Tschechien, in der Slowakei – sehen wir genau das Gegenteil. Wir sind von der Überholspur auf die Kriechspur abgefallen und wenn wir so weitermachen, bleiben wir auf dem Pannenstreifen liegen.” “Wir haben das Buch geschrieben, um aufzurütteln”, so Androsch, der auch die Sozialpartnerschaft kritisierte: “Das ist viel mehr eine Sozialgegnerschaft oder eine Verhinderungspartnerschaft, beides ist nicht sehr förderlich.”

“Wir müssen jetzt etwas tun, damit das Geld effizient eingesetzt wird und das müssen wir gemeinsam tun”, so Moser über Budget und Schuldenbremse. Auch die Bürokratie und neue Regelungen ware nein brennendes Thema. “Wir stellen uns selbst das Haxl und setzen das mit lemminghafter Konsequenz fort”, so Androsch, “investitionsfreundlich ist dieses Klima nicht.” Auch die Bildungsreform bekam von beiden Herren ihr Fett weg, Androsch betonte: “Wir haben einen globalen Markt und die digitale Revolution. Darauf müssen wir unsere Kinder einstellen.”

An einem äußerst kurzweiligen Abend bekamen auch die Besucherinnen und Besucher mit den Podiumsgästen zu diskutieren, ehe der Abend bei einem Glas Wein seinen verdienten Ausklang fand. “Androsch und Moser übten zwar einerseits viel Kritik an der herrschenden Politik in Österreich, gaben aber andererseits viele machbar scheinende Handlungsempfehlungen”, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzender Ernst Wurz, der sich über einen gelungenen Abend freute.

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