Großer Andrang bei Medizin-Mythen

Dass Gesundheitsthemen nach wie vor eine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielen, zeigte sich am 9. Juni 2016 in Gmünd. Die WALDVIERTEL AKADEMIE lud gemeinsam mit dem Hotel Sole-Felsen-Bad, der Donau-Universität Gmünd, der Stadtgemeinde Gmünd und der Waldviertler Sparkasse Bank AG zum Vortrag „Die Märchen der Medizin. Medizin-Mythen im Fakten Check“. Aufgrund des großen Interesses wurden nur Stunden vor dem Vortrag die Räumlichkeiten gewechsel, damit alle der rund 130 gekommen BesucherInnen Platz fanden.

Der Vortragende Bernd Kerschner, Projektleiter bei der Plattform medizin-transparent.at sowie am Deparment für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie der Donau-Universität Krems beschäftigt, führte mit der Frage, wie Medizin-Mythen überhaupt enstehen, in die Thematik ein. Von schlampigen Studien über übertriebene Darstellungen bis hin zu Falschinformationen im Internet gebe es viele Gründe, Kerschner: „Zusammenhang heißt nicht Ursache. Hinweise sind keine Beweise, hier gibt es einfach auch oft Falschinterpretationen.“

Vorlesungen03

Im Anschluss behandelte Kerschner zehn gängige Medizin-Mythen und stellte auch den Wahrheitsgehalt aufgrund der wissenschaftlichen Studienlage dar. Eine Besserung von Erkältungen durch Einnahme von Vitamin C sei nicht nachgewiesen, Kerschner ging sogar noch einen Schritt weiter: „Ausser bei Vitaminmangel gibt es eigentlich keinen Sinn für Vitamintabletten.“

Misteln gegen Krebserkrankungen, die häufigste alternativmedizinische Behandlung im deutschsprachigen Raum („Es ist unklar, ob es etwas bringt.“), die Gefährlichkeit von Apfelkernen („Grundsätzlich sind die Giftstoffe vorhanden, wenn sie zerbissen werden, diese sind aber so gering, dass man einen Kilogramm Kerne zu sich nehmen müsste.“), Stillen, Aluminium und vieles mehr standen auf der Agenda. Die Wogen hoch gingen beim Thema Homöopathie. „Sehr viele Studien zeigen, sie wirkt nicht besser als ein Placebo. Wenn es aber keine Nebenwirkung hat und es bei mir eine Wirkung hervorruft, dann ist das natürlich nichts Schlechtes“, so Kerschner.

Dass Homöopathie und Schulmedizin teilweise schon fast als verschiedene „Glaubensrichtungen“ aufgefasst werden, zeigte sich bei der anschließenden Diskussion, in der auch eine bessere Zusammenarbeit der beiden Ansätze gefordert wurde.

Kerschner schloss seine Ausführungen mit den „Vorteilen der Wissenden“: „Sie sparen Geld, müssen keine unbegründete Panik haben und verfügen über die Kompetenz für eigene Entscheidungen für die eigene Gesundheit.“

„Mit den Waldviertler Vorlesungen stellen wir Themen, die die Menschheit bewegen zur Diskussion“, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Geschäftsführer Christoph Mayer, „der heutige Abend hat wieder gezeigt, dass wir mit der Auswahl der bisherigen Schwerpunkte absolut richtig gelegen sind.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s