Müssen bei uns selbst ansetzen!

Unter dem Titel “Überdruss am Überfluss. Der Mensch zwischen Konsum und Wegwerfgesellschaft” lud die WALDVIERTEL AKADEMIE gemeinsam mit Wirtschaftsforum Waldviertel, Raiffeisenbank Zwettl, Donau-Universität Krems, Lagerhaus Zwettl und Stadtgemeinde Zwettl am 19. April zu einer sehr spannenden Diskussion mit bekannten Expertinnen und Experten nach Zwettl.

Im aus allen Nähten platzenden Raiffeisenbank-Saal begeisterte der Autor und Kabarettist Roland Düringer nicht nur mit Witz, sondern auch mit seinen inhaltlichen Ausführungen. “Was braucht der Mensch wirklich?”, fragte Düringer zu Beginn das Publikum, um kurze Zeit später anzuführen: “Nur mit Zuneigung wären wir schon ausgestorben.” Düringer stellte in seinem Eingangsreferat häufig die Natur in Relation mit der Wirtschaft. “Der Mensch, der nicht in einem Wirtschaftssystem ist, braucht das, was ihm die Natur gibt. Überfluss ist da super, wenn man an Wasser, Luft und ähnliche Dinge denkt. Kein Leben auf dieser Welt hat ein Problem mit Überfluss. In unserer Geschichte hat sich aber entwickelt, dass wir den Überfluss nicht gebrauchen, sondern verbrauchen. Wir verwandeln den Rohstoff zum Konsumgut, daraus wird immer Müll. Das hat aber irgendwann alles ein Ende.” Der Kabarettist kritisierte auch, wieso vom ständigen Wirtschaftswachstum die Rede ist und fragte sich auch, ob der Mensch an sich so gierig sei. “Ein Freund von mir hat die Schuldenbrille entwickelt. Alles was noch nicht bezahlt ist, verschwindet damit. Da würden wir schön schauen”, so Düringer.

Birgit Trojan, Obmann-Stellvertreterin des Wirtschaftsforums Waldviertel widersprach Düringer in einigen Punkten. “Grundsätzlich sind die Waldviertler Betriebe nicht unter jenen, die Wegwerfprodukte erzeugen. Aber wir müssen natürlich auch Arbeitsplätze erhalten. Dafür braucht es vielleicht nicht immer Wachstum, aber zumindest stetiges erhalten.”

Abfallprodukte nachhaltig verwerten, das ist eine der Aufgaben von gabarage upcycling design. Die Wiener Firma produziert Schmuck, Taschen, Möbel und vieles mehr aus alten Planen, Mülltonen und vielen weiteren Abfallstoffen. “Wir helfen den Menschen am Rande der Gesellschaft”, so Victoria Kadernoschka zu dem Sozialprojekt, bei dem Suchtkranke wieder an die Arbeitswelt herangeführt werden, “denn Arbeit ist auch ein Statussymbol.”

Josef Granner, Geschäftsführer von AGRANA in Gmünd, bezog sich in seinem Statement wieder auf die Wirtschaft. “Der Markt ist nicht angebotsgetrieben, sondern bedarfsorientiert. Ändern können wir das nur durch sukzessive Veränderung des Bewusstseins, das braucht aber Zeit und viele Kräfte.”

Nach den Ausführungen der Podiumsgäste war auch das Publikum am Wort, so entwickelte sich noch eine ausgedehnte Diskussion. “Man muss bei sich selbst ansetzen”, brachte es Kadernoschka auf den Punkt und Düringer erweiterte: “Alles was da ist, muss irgendjemand auf der Welt bezahlen. Damit es uns so gut geht, zahlt ein Anderer irgendwo drauf.” Der Kabarettist, der selbst Supermärkte meidet, hofft dennoch auf eine positive Veränderung im Konsumverhalten: “Wir sind alle sehr ungeduldig, wollen, dass sich was ändern, aber das braucht Zeit. Wir müssen in größeren Zyklen denken und unser Hirn ist die Waffe, die sie fürchten.”

“Es liegt beim einzelnen Bürger und Konsumenten, etwas zu verändern”, so WALDVIERTEL AKADEMIE-Vorsitzender Ernst Wurz, der sich über eine sehr gelungene Veranstaltung freute.

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